Nedarim — Blatt 39b

1war unsere Mišna schwierig: weshalb nur stehen und nicht sitzen? Doch wohl in dem Falle, wenn das Vermögen des Besuchenden dem Kranken verboten ist.

2Reš Laqiš sagte: Wo ist der Krankenbesuch in der Tora angedeutet? Es heißt:wenn, wie alle Menschen sterben, diese sterben, und das Verhängnis aller Menschen &c. – Wieso geht dies hieraus hervor? Raba erwiderte: Wenn diese wie alle anderen Menschen sterben, die nämlich krank auf ihrem Bette liegen, und alle Menschen sie besuchen, dann werden die Leute sagen, nicht der Herr hat mich zu diesen gesandt.

3Raba trug vor:Wenn aber der Herr Neues schafft. Ist das Fegefeuer bereits erschaffen, so ist es recht, wenn aber nicht, so schafft es der Herr. –

4Dem ist ja aber nicht so, es wird ja gelehrt: Sieben Dinge wurden früher als die Welt erschaffen, und zwar: die Tora, die Buße, der E͑dengarten, das Fegefeuer, der Thron der Herrlichkeit, der Tempel und der Name des Messias.

5Die Tora, denn es heißt:der Herr schuf mich als den Erstling seines Weges &c.

6Die Buße, denn es heißt:ehe die Berge geboren wurden, und kreiste &c. führtest du den Sterblichen bis zur Zerknirschung &c.

7Der E͑dengarten, denn es heißt:der Herr, Gott, hatte einen Garten in E͑den gepflanzt von früherher &c.

8Das Fegefeuer, denn es heißt:denn gerüstet seit gestern ist eine Brandstätte.

9Der Thron der Herrlichkeit, denn es heißt:fest ist dein Thron von jeher.

10Der Tempel, denn es heißt:ein Thron der Herrlichkeit, eine Höhe von Anbeginn.

11Der Name des Messias, denn es heißt:es sei sein Name von ewig her &c. –

12Vielmehr, er meinte es wie folgt: ist ihm eine Öffnung bereits erschaffen worden, so ist es recht, wenn aber nicht, so schafft sie der Herr. – Es heißt ja aber:nichts Neues gibt es unter der Sonne!? – Er meinte es wie folgt: ist die Öffnung nicht in dieser Nähe, so bringt er sie nahe.

13Raba trug vor, manche sagen, im Namen R. Jiçḥaqs: Es heißt: Sonne und Mond blieben stehen in ihrer Wohnung. Was wollen Sonne und Mond in der Wohnung, sie sind ja in die Vestegesetzt? Dies lehrt, daß Sonne und Mond von der Veste in die Wohnung stiegen und vor ihm sprachen: Herr der Welt, willst du dem Sohne A͑mrams Recht schaffen, so leuchten wir, wenn aber nicht, so leuchten wir nicht.

14In dieser Stunde schleuderte er gegen sie Pfeile und Wurfspieße und sprach zu ihnen: Tagtäglich bückt man sich vor euch, und ihr leuchtet; für meine Ehrung tretet ihr nicht ein, für die Ehrung eines [Menschen aus] Fleisch und Blut aber tretet ihr ein! Darum werden tagtäglich Pfeile und Wurfspieße gegen sie geschleudert, und erst dann leuchten sie, wie es heißt: gegen das Licht gehen deine Pfeile &c.

15Es wird gelehrt: Für den Krankenbesuch gibt es keine Grenze. Was heißt: keine Grenze? R. Joseph wollte erklären, es gebe keine Grenze für die Belohnung, da sprach Abajje zu ihm: Gibt es denn eine Grenze für die Belohnung aller anderen Gebote, es wird ja gelehrt: sei behutsam mit einem leichten Gebote, wie mit einem schweren, denn du kennst nicht die Belohnung für die Gebote!? Vielmehr, erklärte Abajje, auch der Großeden Kleinen. Raba erklärte: Auch hundertmal täglich.

16R. Aḥa b. Ḥanina sagte: Wer einen Kranken besucht, nimmt ihm den sechzigsten Teil seines Leidens ab. Sie sprachen zu ihm: Demnach können ihn ja sechzig Personen besuchen und ihn herstellen!? Dieser erwiderte: Wie beim Zehntel Rabbis, und zwar gilt dies von einem Wahlverwandten.

17Es wird nämlich gelehrt: Rabbi sagte: Eine Tochter, die vom Vermögen der Brüder unterhalten wird, erhältein Zehntel des Vermögens. Sie sprachen zu Rabbi: Nach deiner Ansicht erhält, wenn jemand zehn Töchter und einen Sohn hinterlassen hat, der Sohn neben den Töchtern überhaupt nichts!? Dieser erwiderte: Die erste erhält ein Zehntel des Vermögens, die andere von dem, was zurückbleibt, die dritte, von dem, was zurückbleibt, sodann teilen sie gleichmäßig.

18Einst erkrankte R. Ḥelbo, da ging R. Kahana hinaus und ließ ausrufen:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.