Nedarim — Blatt 49b

1Nach wessen Ansicht beten wir für die Siechen und die Kranken? Wenn er von Siechen und Kranken spricht, so sind unter ‘Siechen’ die wirklich Kranken und unter ‘Kranken’ die Gelehrten zu verstehen.

2UND DIE DICKE ERLAUBT. Unsere Mišna stimmt nicht mit den Babyloniern überein, denn R. Zera sagte: die törichten Babylonier essen Brot mit Brot.

3R. Ḥisda sagte: Man sollte die Feinschmecker von Huçal fragen, wie man den Brei am besten esse: den aus Weizen zum Weizenbrote und den aus Gerste zum Gerstenbrote, oder den aus Weizen zum Gersten-[brote] und den aus Gerste zum Weizen[brote].

4Raba aß es mit [Brei aus] gerösteten Körnern. Einst traf Rabba b. R. Hona R. Hona Brei mit den Fingern essen; da sprach er zu ihm: Weshalb ißt der Meister mit der Hand? Dieser erwiderte: Folgendes sagte Rabh: Brei schmeckt mit dem Finger, besser mit zwei, und um so besser mit drei.

5Rabh sprach zu seinem Sohne Ḥija, und ebenso sprach R. Hona zu seinem Sohne Rabba: Lädt man dich zum Essen von Brei, [so gehe] bis zu einer Parasange, wenn zum Essen von Rindfleisch, [so gehe] bis drei Parasangen. Rabh sprach zu seinem Sohne Ḥija, und ebenso sprach R. Hona zu seinem Sohne Rabba: Nichts spucke vor deinem Lehreraus, außer Kürbisund Brei, weil sie einem [flüssigen] Bleistrahlegleichen, und sogar vor dem Könige Sapor spucke sie aus.

6Von R. Jose und R. Jehuda aß einer den Brei mit dem Finger und einer mit einem Stäbchen. Da sprach der, der ihn mit einem Stäbchen aß, zu dem, der ihn mit dem Finger aß: Wie lange noch wirst du mich deinen Schmutzessen lassen? Hierauf sprach der, der ihn mit dem Finger aß, zu dem, der ihn mit dem Stäbchen aß: Wie lange noch wirst du mich deinen Speichelessen lassen?

7Einst setzte man R. Jehuda und R. Šimo͑n Beluphsi-Feigenvor; R. Jehuda aß sie und R. Šimo͑n aß sie nicht. Da sprach R. Jehuda zu ihm: Weshalb ißt der Meister nicht? R. Šimo͑n erwiderte: Diese kommen nicht ganz aus den Därmen. Hierauf sprach R. Jehuda zu ihm: Um so mehr können wir uns auf sie morgen verlassen.

8Einst saß R. Jehuda vor R. Tryphon, und R. Tryphon sprach zu ihm: Dein Gesicht glänzt heute. Dieser erwiderte: Gestern gingen deine Knechte aufs Feld und brachten uns Mangold, den wir ohne Salz aßen, und hätten wir ihn mit Salz gegessen, so würden unsere Gesichter noch mehr geglänzt haben.

9Einst sprach eine Matrone zu R. Jehuda: Lehrer und Säufer!? Da sprach er zu ihr: Meine Treue in der Hand dieser Frau, wenn ich etwas gekostet habe außer dem Weih[becher], dem Becher des Unterscheidungssegensund den vier Bechern am Pesaḥfeste, [wegen welcher] ich mir vom Pesaḥfeste bis zum Wochenfeste die Schläfenverbinde, aber:die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht.

10Ein Minäer sprach zu R. Jehuda: Dein Gesicht sieht aus wie das der Wucherer oder Schweinezüchter. Dieser erwiderte: Bei Juden ist beides verboten, aber vom Hause bis zum Lehrhause habe ich vierundzwanzig Aborte, und jede Stunde gehe ich in einen.

11Wenn R. Jehuda ins Lehrhaus ging, nahm er einen Krug auf die Schulterund sprach: Bedeutend ist das Handwerk, daß es seinen Meister ehrt. R. Šimo͑n nahm einen Korb auf die Schulterund sprach: Bedeutend ist das Handwerk, daß es seinen Meister ehrt.

12Die Frau R. Jehudas ging fort und holte Wolle, woraus sie einen bunten Mantelfertigte; wenn sie auf die Straße ging, hüllte sie sich darin, und wenn R. Jehuda beten ging, hüllte er sich darin und betete, und beim Anlegen desselben sprach er folgenden Segen: Gepriesen sei er, der mich in einen Mantel hüllt.

13Einst ordnete R. Šimo͑n b. Gamliél ein Fasten an, und R. Jehuda kam nicht zum Fasten[gebete]; da sprachen sie zu ihm: Er hat kein Kleid. Hierauf sandte er ihm ein Kleid, dieser aber nahm es nicht an,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.