Nedarim — Blatt 50a
1und indem er die Matte hochhob, sprach er zum Boten: Sieh, was alles daist, jedoch will ich von dieser Welt nichts genießen.
2Die Tochter des Bar Kalba Sabua͑ließ sich von R. A͑qibaantrauen, und als Bar Kalba Sabua͑ es erfuhr, gelobte er ihr jeden Genuß seines ganzen Vermögens ab. Da ging sie fort und verheiratete sich mit ihm;
3sie schliefen im Winter im Stroh, und er las sich das Stroh aus seinen Haaren. Einst sprach er zu ihr: Wenn ich hätte, würde ich dir ein goldenes Jerušalemschenken. Da kam Elijahu, der ihnen wie ein Mensch erschien, rief an der Tür und sprach zu ihnen: Gebt mir ein wenig Stroh, denn meine Frau hat ein Kind geboren, und ich habe nichts, worauf sie zu legen. Da sprach R. A͑qiba zu seiner Frau: Sieh, da ist ein Mann, der nicht einmal Stroh hat.
4Hierauf sprach sie zu ihm: Geh, besuche das Lehrhaus. Da ging er fort und verblieb zwölf Jahre bei R. Elie͑zer und R. Jehošua͑. Nach zwölf Jahren kehrte er heim und hörte hinter seinem Hause einen Bösewicht zu seiner Frau sagen: Dein Vater hat recht gegen dich gehandelt, denn erstens ist er dir nicht gleich, und zweitens [ließ er dich] all die Jahre als Witwe bei Lebzeiten. Sie aber sprach zu ihm: Würde er auf mich hören, so könnte er noch zwölf Jahre fortbleiben. Da sprach er: Da sie es mir erlaubt, will ich umkehren. Hierauf blieb er abermals zwölf Jahre fort
5und kehrte mit vierundzwanzig Schülernzurück. Als alle Welt ihm entgegenging, stand sie auf, um ihm ebenfalls entgegenzugehen; da sprach jener Bösewicht zu ihr: Wo willst du denn hin? Sie erwiderte: Der Fromme kennt die Seele seines Viehs. Alsdann kam sie heran, um sich ihm zu zeigen, die Schüler aber stießen sie zurück. Da sprach er zu ihnen: Laßt sie, meines und eures ist ihres. Als nun Bar Kalba Sabua͑ [von ihm] hörte, kam er zu ihm und befragte ihn ob seines Gelübdes, und er löste es ihm inbetreff seines Vermögens auf.
6Durch sechs Ereignisse ward R. A͑qiba reich. Durch Bar Kalba Sabua͑. Durch einen Schiffsbock. Auf jedem Schiffe befindet sich eine Art Bock, und als einst ein solcher auf einem Meeresfelsen vergessen worden war, kam er und fand ihn.
7Durch eine Kiste. Einst gab er Schiffern vier Zuz und beauftragte sie, für ihn etwas zu bringen; sie aber fanden nichts weiter als eine Kiste auf dem Meeresfelsen und brachten sie ihm, indem sie sprachen: Benutze sie zur Aufbewahrung. Hierauf stellte es sich heraus, daß sie voll mit Denaren war. Ein Schiff war nämlich untergegangen, und die ganze Habe lag in jener Kiste, die sich dann darin vorfand.
8Ferner durch eine Karawane, durch eine Matrone,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.