Nedarim — Blatt 50b
1durch die Frau des Tyrannus Rufusund durch Qetia͑ b. Šalom.
2Einst gab R. Gamda Schiffern vier Zuz, damit sie ihm etwas mitbringen, und da sie nichts fanden, brachten sie ihm dafür einen Affen; dieser aber lief fort und verkroch sich in ein Loch. Da gruben sie nach ihm und fanden ihn auf Perlen liegen, die sie alle holten.
3Die Tochter des Kaisers sprach zu R. Jehošua͑ b. Ḥananja: Die herrliche Gesetzeskunde in so einem häßlichen Gefäße! Er entgegnete ihr: Lerne dies im Hause deines Vaters: worin tut man Wein hinein? Sie erwiderte: In irdene Gefäße. Er entgegnete: Alle Welt in irdene Gefäße, und auch ihr in irdene Gefäße! Ihr solltet ihn in silberne und goldene Gefäße tun.
4Hierauf ging sie und tat Wein in silberne und goldene Gefäße, und er verdarb. Da sprach er zu ihr: Mit der Gesetzeskunde ist es ebenso. – Es gibt ja aber Schöne, die gelehrt sind!? Er erwiderte ihr: Wären sie häßlich, so wären sie noch gelehrter.
5Einst kam eine Frau aus Nehardea͑ vor R. Jehuda zu Gericht und wurde vom Gerichte verurteilt. Da sprach sie zu ihm: Würde mir etwa dein Lehrer Šemuél so geurteilt haben!? Er fragte sie: Kennst du ihn? Sie erwiderte: Freilich, er ist klein, mit einem großen Bauche, schwarz und hat große Zähne. Da sprach er zu ihr: Du kommst ihn verächtlich machen! Diese Frau sei im Banne. Hierauf platzte sie und starb.
6DAS SCHLUCK-EI ERLAUBT. Was heißt Schluck-Ei? Šemuél erwiderte: Ein Knecht, der solches zubereitet, ist tausend Denare wert. Man legt es tausendmal in heißes Wasser und tausendmal in kaltes Wasser, bis es so klein wird, daß man es herunterschlucken kann. Hat man Schmerzen, so bleiben sie daran haften, und wenn es herauskommt, weiß der Arzt, welches Heilmittel nötig ist, und wodurch [der Kranke] zu heilen ist.
7Šemuél versuchte es an sich selber mit einem Strunke, bis seine Hausleute sich darüberdie Haare ausrauften.
8Dort haben wir gelernt: Arbeitet erbei ihm bei Beluphsifeigen, so darf er nicht von den weißen Feigen essen, wenn bei weißen Feigen, so darf er nicht von Beluphsifeigen essen. Was sind Beluphsifeigen? – Eine Feigenart, aus der man Tiegelspeisen zubereitet.
9Einst gab jemand seinem Nächsten einen Sklaven, daß er ihn tausend Arten Tiegelspeisen lehre, und dieser lehrte ihn achthundert. Da lud er ihn zu Gericht vor Rabbi, und Rabbi sprach: Unsere Väter sagten, sie hätten das Gute vergessen, wir haben dies nie mit unseren Augen gesehen.
10Als Rabbi seinen Sohn R. Šimo͑n verheiratete, schrieb man über das Hochzeitshaus: vierundzwanzigtausend Myriaden Denare sind für dieses Hochzeitshaus verausgabt worden. Da sprach Bar Qappara, den er nicht geladen hatte: Wenn es denen, die seinen Willen übertreten, so geht, um wieviel mehr denen, die seinen Willen tun. Als er ihn darauf lud, sprach er: Wenn es denen, die seinen Willen tun, auf dieser Welt so geht, um wieviel mehr in der zukünftigen Welt.
11An einem Tage, an dem Rabbi lachte, kam Verhängnisüber die Welt. Da sprach er zu Bar Qappara: Mache mich nicht lachen, so gebe ich dir vierzig Maß Weizen. Dieser erwiderte: Möge der Meister zusehen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.