Nedarim — Blatt 51a

1daß ich jedes Maß, das mir beliebt, nehmen darf. Da nahm er einen großen Korb, den er mit Pech überstrich, stülpte ihn auf den Kopf und kam zu ihm, indem er sprach: Messe mir vierzig Maß Weizen ein, den ich von dir zu fordern habe. Da lachte Rabbi und sprach zu ihm: Ich sagte dir doch, daß du mich nicht zum Lachen bringen sollst. Dieser erwiderte: Ich will nur den Weizen holen, den ich zu fordern habe.

2Bar Qappara sprach zur Tochter Rabbis: Morgen will ich Wein trinken beim Tanze deines Vaters und dem Reigendeiner Mutter. Nun hatte Rabbi seinen Schwiegersohn Ben Elea͑šar, der sehr reich war, zur Hochzeit seines Sohnes R. Šimo͑n geladen,

3und Bar Qappara sprach dann zu Rabbi: Was heißt toe͑ba [Gräuel]? Was auch Rabbi alles zur Erklärung von toe͑ba anführte, widerlegte Bar Qappara. Hierauf sprach er zu ihm: Erkläre du es. Dieser erwiderte: Mag deine Frau kommen und mir einen Becher einschenken. Da kam sie und schenkte ihn ihm ein. Alsdann sprach er zu Rabbi: Komm, tanze mir vor, dann sage ich es dir: Der Allbarmherzige sagt toe͑ba: toe͑ ata ba [du irrstdabei].

4Beim zweiten Becher sprach er zu ihm: Was heißt tebel [Schandlaster]? Und es geschah, wie zuvor, bis er zu ihm sprach, daß er etwas tue, damit er es ihm sage, was er auch tat. Dann sprach er: Tebel heißt: ist tablin [Geschmack] daran? Ist diese Beiwohnung mehr als jede [erlaubte] Beiwohnung?

5Hierauf sprach er zu ihm: Was heißt zima [Unzucht]? Und wie zuvor forderte er ihn auf, etwas zu tun, was er auch tat. Dann sprach er: [Dies heißt:] zu ma [welche ist diese]? Nun konnte Ben Elea͑ša es nicht mehr ertragen, und ging mit seiner Frau von dort fort. –

6Wer war Ben Elea͑ša? – Es wird gelehrt: Nicht nutzlos verschwendete Ben Elea͑ša sein Geld, sondern nur um damit die Frisur des Hochpriesters zu zeigen.

7Es heißt nämlich:ihr Haupthaar sollen sie stutzen. Es wird gelehrt: Eine Art julianische [Frisur]. – Was heißt julianisch? R. Jehuda erwiderte: Eine ganz besondere Frisur. – Wie ist diese? Raba erwiderte: Die Spitze des einen [Haares] an der Wurzel des anderen, und dies ist die Frisur des Hochpriesters.

8UND DER ASCHENKÜRBIS. Was ist dies für ein Aschenkürbis? Šemuél erwiderte: Kürbisse aus Qarquza. R. Aši erklärte: Kürbisse, die in heiße Asche gelegt werden.

9Rabina wandte gegen R. Aši ein: R. Neḥemja sagt, der aramäische Kürbis, das ist der ägyptische Kürbis, gilt als Mischfruchtmit dem griechischen und mit dem Aschenkürbis!? – Ein Einwand.

10WER SICH TOPFGERICHTE ABGELOBT, DEM IST NUR DAS BRODELNDE VERBOTEN. SAGT JEMAND: QONAM, DASS ICH NICHT KOSTEN WERDE, WAS IN DEN TOPF KOMMT, SO IST IHM ALLES VERBOTEN, WAS IM TOPFE ZUBEREITET WIRD.

11Es wird gelehrt: Wer sich abgelobt, was in den Topf kommt, dem ist verboten, was in die Schmorpfannekommt, denn bevor es in die Schmorpfanne kommt, war es in den Topf gekommen; wenn das, was in die Schmorpfanne kommt, so ist ihm erlaubt, was in den Topf kommt. Wer das, was im Topfe zubereitetwird, dem ist erlaubt, was in der Schmorpfanne zubereitet wird; wer das, was in der Schmorpfanne zubereitet wird, dem ist erlaubt, was im Topfe zubereitet wird.

12Wer sich abgelobt, was in den Backofen kommt, dem ist nur das Brot verboten; sagte er: jedes Ofengericht sei mir [verboten], so ist ihm alles verboten, was im Ofen zubereitet wird.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.