Nedarim — Blatt 74b
1Wir haben gelernt: R. Elie͑zer sprach: Wenn man die Gelübde einer Frau, die man sich selber angeeignet hat, aufheben kann, wie sollte man die Gelübde einer Frau, die einem vom Himmel zugeeignet ist, nicht aufheben können? Wenn er an sie die Eheformel gerichtet hat,, so hat er sie ja sich selber angeeignet!? – Er hat sie sich selber durch den Himmel angeeignet. –
2Demnach ist ja hieraus die Frage Rabbas zu entscheiden, ob nämlich nach der Schule Šammajs durch die Eheformel eine Verlobung oder eine Verheiratung erfolge; es ist zu entnehmen, daß dadurch Verheiratung erfolgt, denn wenn eine Verlobung, so wird ja gelehrt, daß die Gelübde einer Verlobten nur ihr Vater und ihr Ehemann [zusammen] aufheben können.
3R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Unter aufheben ist zu verstehen: gemeinsam.
4Übereinstimmend mit R. Amiwird auch gelehrt: Die Gelübde einer Anwärterin der Schwagerehe, einerlei ob ein Schwager [vorhanden ist] oder zwei, kann der Schwager, wie R. Elie͑zer sagt, aufheben; R. Jehošua͑ sagt, nur einer und nicht zwei; R. A͑qiba sagt, weder einer noch zwei.
5R. Elie͑zer sprach: Wenn eine Frau, auf die man bevor sie in seine Gewalt kommt, kein Anrecht hat, sobald sie in seine Gewalt kommt, ihm ganz eigen ist, wie sollte eine Frau, auf die man Anrecht hat bevor sie in seine Gewalt kommt, ihm nicht ganz eigen sein, sobald sie in seine Gewalt kommt?
6R. A͑qiba sprach zu ihm: Nein, wenn dies von einer Frau gilt, die man sich selber angeeignet hat, auf die, wie er kein Anrecht auf sie hat, auch andere kein Anrecht haben, sollte dies auch von einer Frau gelten, die ihm vom Himmel zugeeignet ist, auf die, wie er Anrecht auf sie hat, auch andereAnrecht haben!?
7Da sprach R. Jehošua͑ zu ihm: A͑qiba, deine Worte [sind zutreffend] bei zwei Schwägern, was aber hast du bei einem Schwager zu erwidern? Dieser erwiderte. Unterscheiden wir etwa, einerlei ob er an sie die Eheformel gerichtet hat oder er an sie die Eheformel nicht gerichtet hat, zwischen einem Schwagerund zwei Schwägern? Was von anderen Dingen gilt, gilt auch von Gelübden.
8Folgende Worte sprach dann Ben A͑zaj: Schade um dich, Ben A͑zaj, daß du nicht bei R. A͑qiba famuliert hast! –
9Wieso
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.