Nedarim — Blatt 76a

1Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: Sie sprachen zu R. Elie͑zer: Kann man etwa, weil man ein unreines Gefäß zur Reinigung untertaucht, auch ein reines Gefäß untertauchen, damit es rein werde, sobald es unrein ist!? Hieraus ist zu schließen, daß sie bestanden haben. –

2Ich will dir sagen, die Rabbanan waren über die Meinung R. Elie͑zers im Unklaren und sprachen zu ihm wie folgt: Welcher Ansicht bist du: bist du der Ansicht, sie haben bestanden und werden annulliert, so ist das [unreine] Gefäß deine Widerlegung, und bist du der Ansicht, sie haben nicht bestanden, so ist das Tauchbad deine Widerlegung. –

3Komm und höre: R. Elie͑zer sprach zu ihnen: Wenn unreine Saat rein wird, sobald man sie in den Boden säet, um wieviel mehr, die bereits gesäetist. Schließe hieraus, daß sie nicht bestanden haben. –

4Folgern etwa die Rabbanan nicht [durch einen Schluß] vom Leichterenauf das Schwerere, es wird ja gelehrt: Man könnte glauben, man könne seine Tochter im Mädchenalterverkaufen, so ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: die bereits verkaufte geht freiaus, wie sollte nicht die unverkaufte nicht verkauft werden können. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.