Nedarim — Blatt 79a

1denn das Schweigen bestätigt, aber das Schweigen hebt nicht auf; hat er es im Herzen bestätigt, so ist es bestätigt, hat er es im Herzen aufgehoben, so ist es nicht aufgehoben. Hat er es bestätigt, so kann er es nicht mehr aufheben, hat er es aufgehoben, so kann er es nicht mehr bestätigen. Er lehrt also, das Schweigen bestätige; doch wohl, wenn er schweigt, um sie zu kränken!? –

2Nein, wenn er schweigt, um es zu bestätigen. – Dies ist ja dasselbe, was im Herzen bestätigt!? – Vielmehr, wenn er ohne Absicht schweigt. –

3Wir finden nun, daß die Bestätigung strenger ist als die Aufhebung, wieso die Aufhebung als die Bestätigung? – R. Joḥanan sagte, man suche nach wegen der Bestätigung und man suche nicht nach wegen der Aufhebung.

4R. Kahana wandte ein:Wenn ihr Mann dazu schweigt &c.; die Schrift spricht von dem Falle, wenn er schweigt, um sie zu kränken. Du sagst, wenn er schweigt, um sie zu kränken, vielleicht ist dem nicht so, sondern wenn er schweigt, um es zu bestätigen?

5Wenn es heißt:denn er hat dazu geschwiegen, so spricht ja die Schrift von dem Falle, wenn er schweigt, um es zu bestätigen, worauf beziehe ich nun [die Worte] wenn ihr Mann dazu schweigt? Wenn er schweigt um sie zu kränken. – Eine Widerlegung. –

6Sollte er doch das eine auf den Fall beziehen, wenn er schweigt, um es zu bestätigen, und das andere auf den Fall, wenn er ohne Absicht schweigt!? – Es sind überflüssige Schriftwortevorhanden.

7Raba wandte ein: Gelobt sie bei einbrechender Dunkelheit, so kann er es aufheben, solange es nicht dunkel ist; ist es dunkel geworden, ohne daß er es aufgehoben hat, so kann er es nicht mehr aufheben. Weshalb denn, dies sollte dochebenso sein, wie wenn er schweigt, um sie zu kränken!? – Eine Widerlegung.

8R. Aši wandte ein: [Sagt er:] ich wußte wohl, daß man Gelübde tun kann, wußte aber nicht, daß man sie aufheben kann, so kann er esaufheben; [sagt er:] ich wußte wohl, daß man [Gelübde] aufheben kann, wußte aber nicht, daß dies ein Gelübde ist, so kann er es, wie R. Meír sagt, nicht aufheben, und wie die Weisen sagen, aufheben.

9Weshalb denn, dies sollte dochebenso sein, wie wenn er schweigt, um sie zu kränken!? – Eine Widerlegung.

10FOLGENDE GELÜBDE KANN ER AUFHEBEN: DINGE [BETREFFEND], DIE EINE KASTEIUNG DES LEIBES SIND: WENN ICH BADE, ODER: WENN ICH NICHT BADE, WENN ICH MICH SCHMÜCKE, ODER: WENN ICH MICH NICHT SCHMÜCKE.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.