Nedarim — Blatt 79b
1R. JOSE SPRACH: DIES SIND KEINE GELÜBDE DER KASTEIUNG DES LEIBES. FOLGENDES [VIELMEHR] SIND GELÜBDE DER KASTEIUNG DES LEIBES. SAGT SIE: QONAM SEIEN MIR DIE FRÜCHTE DER WELT, SO KANN ER ES AUFHEBEN; [SAGT SIE: QONAM] SEIEN MIR DIE FRÜCHTE DIESER PROVINZ, SO HOLE ER SIE IHR AUS EINER ANDEREN PROVINZ. [SAGT SIE: QONAM] SEIEN MIR DIE FRÜCHTE DIESES KRÄMERS, SO KANN ER ES NICHT AUFHEBEN; ERHÄLT ER ABER SEINEN UNTERHALT NUR VON DIESEM, SO KANN ER ES AUFHEBEN – SO R. JOSE.
2GEMARA. Er kann somit nur Gelübde der Kasteiung des Leibes aufheben, die aber keine Kasteiung des Leibes betreffen, kann er nicht aufheben, dagegen aber wird gelehrt: Zwischen einem Manne und seinem Weibe, zwischen einem Vater und seiner Tochter, dies lehrt, daß der Ehemann Gelübde über zwischen ihm und ihr vorgehende Dinge aufheben kann!? –
3Ich will dir sagen, aufheben kann er diese und jene, jedoch kann er [Gelübde] der Kasteiung des Leibes für immer aufheben, für die keine Kasteiung des Leibes betreffenden aber besteht die Aufhebung nur solange sie bei ihm ist, und sobald sie von ihm geschieden wird, wird sie vom Gelübde erfaßt. Zwischen ihm und ihr vorgehende Dinge, nur wenn sie keine Kasteiung des Leibes sind, sind sie aber eine Kasteiung des Leibes, wird sie vom Gelübde überhaupt nicht erfaßt. –
4Wird sie denn [von Gelübden], die keine Kasteiung des Leibes sind, sobald sie von ihm geschieden wird, erfaßt, wir haben ja gelernt; R. Joḥanan b. Nuri sagt, er hebe es auf, denn er könnte sich von ihr scheiden lassen und sie ihm verboten bleiben. Demnach bleibt, wenn er es ihr aufhebt und sich von ihr scheiden läßt, die Aufhebung bestehen!? –
5Ich will dir sagen, die Aufhebung bleibt bei diesen und jenen bestehen, nur kann er Gelübde der Kasteiung des Leibes [für immer] aufheben, sowohl für sich als auch für andere, die keine Kasteiung des Leibes betreffenden aber kann er nur für sich aufheben und nicht für andere. Er lehrt wie folgt: Folgende Gelübde kann er aufheben, sowohl für sich als auch für andere: Gelübde, die eine Kasteiung des Leibes sind.
6WENN ICH BADE. Wie soll sie gesagt haben: wollte man sagen, wenn sie gesagt hat: Qonam seien mir die Früchte der Welt, falls ich bade, so ist ja keine Aufhebung nötig, bade sie nicht, so werden ihr die Früchte der Welt nicht verboten sein!?
7Und wieso sagt ferner R. Jose, dies sei keine Kasteiung des Leibes, wenn sie badet, sind ihr ja die Früchte der Welt verboten!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.