Nedarim — Blatt 80b

1Du lehrest: wenn ich bade, oder: wenn ich nicht bade. In welchem Falle: wollte man sagen, wenn sie gesagt hat: der Genuß des Badens sei mir für immer verboten, wenn ich heute nicht bade, so ist ja keine Aufhebung nötig, bade sie doch!? R. Jehuda erwiderte: Wenn sie gesagt hat: der Genuß des Badens sei mir für immer verboten, wenn ich nicht im Weichwasser bade. –

2Dem entsprechend: wenn ich mich schmücke, oder: wenn ich mich nicht schmücke, nämlich mit Naphta, – dies ist ja eine Sudelung!?

3R. Jehuda erwiderte: Wenn sie gesagt hat: [Qonam] sei mir der Genuß des Badens für immer, wenn ich heute bade, und ein Schwur, daß ich nicht bade; [Qonam] sei mir der Genuß des Schmückens für immer, wenn ich mich heute schmücke, und ein Schwur, daß ich mich nicht schmücke.

4Rabina sprach zu R. Aši: Hiervon müßte er ja lehren: folgende sind Gelübde und Schwüre!? Dieser erwiderte: Lies: folgende sind Gelübde und Schwüre. Wenn du aber willst, sage ich: auch Schwüre heißen Gelübde, denn wir haben gelernt: [Sagt jemand:] wie die Gelobte der Frevler, so ist dies ein Gelübde des Nazirates, des Opfers und des Eides. –

5Sagten denn die Rabbanan vom Baden, die Unterlassung desselben sei eine Kasteiung des Körpers, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Obgleich dies allesverboten ist, so ist mit der Ausrottungsstrafenur das Essen und Trinken und die Arbeitsleistung belegt. Wenn du nun sagst, nicht baden sei eine Kasteiung, so sollte man doch, wenn man am Versöhnungstag badet, sich der Ausrottung schuldig machen!?

6Raba erwiderte: Es ist auf das Thema der Schrift zu achten; beim Versöhnungstage heißt es:ihr sollt eure Leiber kasteien, eine Kasteiung, die dann zu merken ist, während [die Unterlassung des] Badens eine Kasteiung ist, die dann nicht zu merkenist, bei den Gelübden aber heißt es: irgend ein Gelübde oder ein Schwur der Enthaltung, den Leib zu kasteien, was zur Kasteiung gereicht, und wenn sie nicht badet, so gereicht es ihr zur Kasteiung. –

7Ich will auf einen Widerspruch hinweisen, in dem R. Jose sich befindet: Von einer den Stadtleuten gehörenden Quelle[gilt folgendes]: von ihrem Leben und dem Leben anderer geht ihr Leben dem Leben anderer vor; von ihrem Vieh und dem Vieh anderer geht ihr Vieh dem Vieh anderer vor; von ihrer Wäsche und der Wäsche anderer geht ihre Wäsche der Wäsche anderer vor; vom Leben anderer und ihrer Wäsche geht das Leben anderer ihrer Wäsche vor.

8R. Jose sagt, ihre Wäsche gehe dem Leben anderer vor. Wenn R. Jose sogar von der Wäsche sagt, es seieine Qual,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.