Nedarim — Blatt 81a

1um wieviel mehr gilt dies vom Körper selbst!? – Ich will dir sagen, nach R. Jose ist die Wäsche [zu entbehren] tatsächlich schwerer. Šemuél sagte nämlich: Der Kopf schmutz bringt zur Blindheit, der Kleiderschmutz bringt zum Irrsinn, der Körperschmutz bringt zu Ausschlägen und Blattern.

2Von dort ließen sie sagen: Seid vorsichtig mit dem Schmutze; seid vorsichtig mit der Gesellschaft; seid vorsichtig mit den Kindern der Armen, denn von diesen geht die Tora aus, wie es heißt:Wasser fließt aus seinem Eimer, von ihnengeht die Tora aus. –

3Weshalb pflegen von Schriftgelehrten nicht Kinder hervorzugehen, die Schriftgelehrte sind? R. Joseph erwiderte: Damit man nicht sage, die Tora sei ihr Erbe. R. Šiša, Sohn des R. Idi, erwiderte: Damit sie sich nicht über die Gemeinde erheben. Mar Zuṭra erwiderte: Weil sie sich über die Gemeinde erheben. R. Aši erwiderte: Weil sie die Leute Eselnennen.

4Rabina erwiderte: Weil sie nicht vorherden Segen über die Tora sprechen. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Es heißt:Wer ist der weise Mann, der dies begreife. Über diese Sache wurden die Weisen befragt und die Propheten, und sie beantworteten es nicht,

5bis der Heilige, gepriesen sei er, es selber beantwortete, denn es heißt:und der Herr sprach: weil sie meine Lehre verlassen haben &c.Nicht auf meine Stimme gehört und ihr nicht gefolgt ist ja dasselbe!? Dies erklärte R. Jehuda im Namen Rabhs, sie sprachen nicht vorher den Segen über die Tora.

6Isi b. Jehuda kam drei Tage nicht ins Lehrhaus R. Joses. Da traf ihn Vardimos b. R. Jose und sprach zu ihm: Weshalb kam der Meister seit drei Tagen nicht in das Lehrhaus des Vaters? Dieser erwiderte: Ich verstehe die Begründung [der Lehren] deines Vaters nicht, wie sollte ich kommen!? Jener sprach: Sage mir doch der Meister, was ihm unverständlichist, vielleicht kenne ich die Begründung. Dieser erwiderte: Es wird gelehrt: R. Jose sagt, ihre Wäsche gehe dem Leiben anderer vor; welcher Schriftvers deutetdarauf?

7Da sprach jener: Es heißt:und ihre Vorplätze für ihr Vieh &c., was ist unter ḥajjathamzu verstehen; wollte man sagen, Tiere, so sind ja Tiere unter ‘Vieh’ einbegriffen, und wollte man sagen, darunter sei ihre eigene Nahrung zu verstehen, so ist dies ja selbstverständlich!? Wahrscheinlich die Wäsche, wegen der Qual des Schmutzes.

8R. JOSE SPRACH: DIES SIND KEINE GELÜBDE DER KASTEIUNG DES LEIBES. Sie fragten: Kann er es nach R. Jose als [Gelübde] über zwischen ihm und ihr vorgehende Dingeaufheben? – Komm und höre: R. Jose sprach: Dies sind keine Gelübde der Kasteiung des Leibes. Wohl aber sind es zwischen ihm und ihr vorgehende Dinge. –

9Vielleicht sagte er es nur nach ihrer Ansicht: nach mir gehört dies auch nicht zu den zwischen ihm und ihr vorgehenden Dingen, ihr aber, die ihr sagt, es seien Gelübde der Kasteiung des Leibes, solltet mir beipflichten, daß diese keine Gelübde der Kasteiung des Leibes sind. –

10Wie bleibt es damit? – R. Ada b. Ahaba sagte, er könne sie aufheben, R. Hona sagte, er könne sie nicht aufheben,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.