Nidda — Blatt 10b

1R. Ilea͑j wandte ein: Welchen Unterschied gibt es denn zwischen diesem und einer Jungfrau, deren Blutreinist!? R. Zera erwiderte ihm: Jene blutet, dieses blutet nicht.

2U͑la sagte im Namen R. Joḥanans im Namen des R. Šimo͑n b. Jehoçadaq: Wenn ein kleines Mädchen, das das Alter der Wahrnehmung noch nicht erlangt hat, wahrgenommen hat, so ist das erste und das zweite Mal sein Speichel und sein Auftretenauf der Straße rein. Auch sein Blutfleck ist rein. Ich weiß aber nicht, ob diesseineeigene Ansicht ist, oder die seines Lehrers. —

3In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? — Ob esdie Ansicht eines einzelnen gegenüber zweien ist.

4Als Rabin kam und alle Seefahrer, sagten sie es [im Namen des] R. Šimo͑n b. Jehoçadaq.

5R. Ḥilqija b. Ṭobi sagte: Wenn ein kleines Mädchen, das das Alter der Wahrnehmung noch nicht erlangt hat, sogar sieben Tage andauernd blutet, so ist dies nur eine Wahrnehmung. — ‘Sogar andauernd blutet’, und um so mehr, wenn unterbrochen: im Gegenteil, wenn unterbrochen, sind es ja zwei Wahrnehmungen!? —

6Vielmehr, wenn ein kleines Mädchen, das das Alter der Wahrnehmung noch nicht erlangt hat, sieben Tage andauernd blutet, so ist dies nur eine Wahrnehmung.

7R. Šimi b. Ḥija sagte: Das Tropfen gleicht nicht der Wahrnehmung. — Es nimmt jawahr!? — Lies: es gleicht nicht dem andauernden Bluten, sondern dem unterbrochenen. —

8Demnach ist unter andauernd Bluten zu verstehen, wie ein Strom!? — Lies vielmehr: es gleicht nur dem andauernden Bluten.

9Die Rabbanan lehrten: Es gilt als feststehend, daß die Töchter Jisraéls, bevor sie die Reife erlangt haben, sich in der Annahme der Reinheit befinden, und Frauen brauchen sie nicht zu untersuchen; haben sie die Reife erlangt, so befinden sie sich in Annahme der Unreinheit, und Frauen müssen sie untersuchen.

10R. Jehuda sagte: Sie untersuchen sie nicht mit der Hand, weil sie sie verletzen könnten, vielmehr bestreichen sie sie innen mit Öl und wischen sie von außen ab, sodaß sie von selbst untersucht werden.

11R. JOSE SAGT, EINE SCHWANGERE &C. Ein Jünger lehrte vor R. Eleaa͑zar: R. Jose sagt, eine Schwangere und eine Säugende, denen drei Menstruationsfristen verstrichen sind, hat an ihrer Zeit genug. Da sprach er zu ihm: Du hast mit zwei begonnen und mit einergeendet;

12du sprichst vielleicht von einer Schwangeren, die Säugende ist. Er lehrt uns damit nebenbei, daß ihr die Schwangerschaftstage zu den Säugetagen und die Säugetage zu den Schwangerschaftstagen mitgerechnetwerden. Wie gelehrt wird: Die Schwangerschaftstage werden ihr zu den Säugetagen und die Säugetage werden ihr zu den Schwangerschaftstagen mitgerechnet. Zum Beispiel: hat sie zweimal in den Schwangerschaftstagen und einmal in den Säugetagen ausgesetzt,

13oder zweimal in den Säugetagen und einmal in den Schwangerschaftstagen, oder anderthalbmal in den Schwangerschaftstagen und anderthalbmal in den Säugetagen, so werden sie zu drei Menstruationsfristen vereinigt. —

14Allerdings können ihr die Schwangerschaftstage zu den Säugetagen mitgerechnet werden, denn dies kann vorkommen, wenn sie während des Säugens schwanger wird, wieso aber kann es vorkommen, daß ihr die Säugetage zu den Schwangerschaftstagen mitgerechnetwerden!? —

15Wenn du willst, sage ich: bei einer trockenen Geburt Wenn du willst, sage ich: Menstruationsblut ist etwas anderes und Geburtsblut ist etwas anderes. Und wenn du willst, sage ich: lehre nur eines.

16WOBEI SAGTEN SIE, SIE HABE AN IHRER ZEIT GENUG &C. Rabh sagte, dies beziehe sich auf alles,

17und Šemuél sagte, dies beziehe sich nur auf die Jungfrau und die Alte, für Schwangere und für Säugende aber genüge die ganze Zeit ihrer Schwangerschaft, genügedie ganze Zeit ihres Säugens.

18Desgleichen sagte R. Šimo͑n b. Laqiš, dies beziehe sich auf alle, und R. Joḥanan sagte, dies beziehe sich nur auf die Jungfrau und die Alte, für die Schwangere und die Säugende aber genüge die ganze Zeit ihrer Schwangerschaft, genüge die Zeit ihres Säugens.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.