Nidda — Blatt 11b
1hier ist die Ansicht der Schule Šammajs vertreten, welche sagt, es sei eine Quelle. — Der Autor lehrt also anonymnach der Schule Šammajs!? — Der anonymen Lehre folgt der Streit, und wenn auf eine anonyme Lehre ein Streit folgt, ist die Halakha nicht nach der anonymen Lehre zu entscheiden.
2Wenn du aber willst, sage ich: es heißt ja nicht ‘zu verweilen hat’, sondern ‘verweilt’. — Wozu braucht dies von dem Falle gelehrt zu werden, wenn sie bereits verweilt!? — Man könnte glauben, sie untersuche sich, weil sie vielleicht eine regelmäßige Periode feststellen kann, so lehrt er uns, daß aus der reinen Quelle keine Feststellung für die unreine Quelle erfolgen kann. —
3Allerdings nach Levi, welcher sagt, es seien zwei Quellen, nach Rabh aber, welcher sagt, es sei eine Quelle, sollte sie sich doch untersuchen, weil sie vielleicht eine regelmäßige Periode feststellen kann!? — Dennoch kann von den Tagen der Reinheit keine Feststellung für die Tage der Unreinheit erfolgen.
4SIE VERWENDE BEIM GESCHLECHTSVERKEHR WISCHLAPPEN &C. Dort haben wir gelernt: Wenn ein kleines Mädchen, das das Alter der Wahrnehmung noch nicht erlangt hat, heiratet, so gewähre man ihm, wie die Schule Šammajs sagt, vierNächte; die Schule Hillels sagt, bis die Wunde geheilt ist.
5R. Gidel sagte im Namen Šemuéls: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn [die Blutung] beim Geschlechtsverkehr nicht aufgehört und es auch außerhalb des Geschlechtsverkehres wahrgenommen hat, wenn sie aber beim Geschlechtsverkehr aufgehört und es wahrgenommen hat, so ist es unrein;
6wenn eine Nacht ohne Geschlechtsverkehr verstrichen ist und es wahrgenommen hat, so ist es unrein. Hat das Aussehen des, Blutes sich verändert, so ist es unrein. R. Jona wandte ein: «Und die Jungfrau, deren Blut rein ist.» Wieso denn, sie sollte doch beim Geschlechtsverkehr Wischlappen verwenden, denn das Aussehen des Blutes kann sich verändert haben!?
7Raba erwiderte: Lies im Anfangsatze: ausgenommen die Menstruierende und die in Reinheitsblutung verweilt, die sich nicht zu untersuchen brauchen; eine Jungfrau aber, deren Blut rein ist, muß sich untersuchen. — Demnach widersprechen ja [die Lehren] einander!? —
8Das eine, wenn sie den Geschlechtsakt nicht vollzogen hat, und das eine, wenn sie den Geschlechtsakt vollzogen hat; der Dienerkann nämlich [das Blut] getrübt haben.
9Desgleichen wird gelehrt: Dies nur in dem Falle, wenn [die Blutung] beim Geschlechtsverkehr nicht aufgehört und sie außerhalb des Geschlechtsverkehres wahrgenommen hat,
10wenn sie aber beim Geschlechtsverkehr aufgehört und sie wahrgenommen hat, ist sie unrein; wenn eine Nacht ohne Geschlechtsverkehr verstrichen ist und sie wahrgenommen hat, so ist sie unrein. Hat das Aussehen des Blutes sich verändert, so ist sie unrein.
11SIE MUSS SICH ÖFTERS &C. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies lehrten sie nur hinsichtlich der reinen Speisen, ihrem Manne aber ist sieerlaubt. — Selbstverständlich, es heißt ja: morgens!? —
12Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so bezieht es sich auf den Schlußsatz: wenn sie sich zum Geschlechtsverkehr anschickt. Hierzu sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls: Dies lehrten sie nur von einer Frau, die sich mit reinen Dingen befaßt, denn da sie sich wegen der reinen Dinge untersuchen muß, untersuche sie sich auch für ihren Mann, wenn sie sich aber nicht mit reinen Dingen befaßt, braucht sie sich nicht zu untersuchen. —
13Was lehrt er uns damit, wir haben ja bereits gelernt: alle Frauen befinden sich für ihre Männer in der Annahme der Reinheit!? — Wenn nur diese Mišna, so könnte man glauben, dies gelte nur von einer Frau, die eine regelmäßige Periode hat, eine Frau aber, die keine regelmäßige Periode hat, müsse sich untersuchen. —
14Unsere Mišna spricht ja aber von einer Frau, die eine regelmäßige Periode hat!? — Unsere Mišna spricht sowohl von einer, die eine regelmäßige Periode hat, als auch von einer, die keine regelmäßige Periode hat, und sie lehrt uns folgendes: obgleich sie eine regelmäßige Periode hat, muß sie, da sie sich wegen der reinen Dinge untersuchen muß, sich auch für ihren Mann untersuchen. —
15Dies sagte ja aber Šemuél bereits einmal!? R. Zera sagte nämlich im Namen des R. Abba b. Jirmeja im Namen Šemuéls, eine Frau, die keine regelmäßige Periode hat, dürfe nicht eher den Geschlechtsakt vollziehen, als bis sie sich untersucht hat, und wir bezogen dies auf den Fall, wenn sie sich mit reinen Dingen befaßt. — Das eine ist aus dem anderen gefolgert worden.
16Desgleichen wurde auch gelehrt: Dies nur hinsichtlich der reinen Dinge, ihrem Manne aber ist sie erlaubt. Dies nur, wenn er sie als rein zurückließ, wenn er sie aber als unrein zurückließ, befindet sie sich solange in der Annahme der Unreinheit, bis sie zu ihm sagt, sie sei rein.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.