Nidda — Blatt 12a
1R. Zera fragte R. Jehuda: Muß eine Frau sich für ihren Mannuntersuchen? Dieser erwiderte: Sie braucht sich nicht zu untersuchen. — Mag sie sich doch untersuchen, was ist denn dabei!? — Sein Herz würde beunruhigt sein und er sich zurückziehen.
2R. Abba fragte R. Hona: Muß eine Frau sich innerhalb der Dauer einer Blutunguntersuchen, um [eventuell] ihren Mann zu einem Sündopferpflichtig zu machen?
3Dieser erwiderte: Ist denn eine Untersuchung innerhalb der Dauer einer Blutung möglich, es wird ja gelehrt: Wieviel beträgt die Dauer einer Blutung? Ein Gleichnis: der Diener und der Wischlappenbefinden sich an der Seite der Oberschwelle; beim Herauskommen des Dieners tritt der Wischlappen ein.
4Die Dauer der Blutung, von der sie sprechen, bezieht sich also auf das Abwischen und nicht auf die Untersuchung. — Vielmehr, muß sie sich abwischen?
5Manche sagen, er habe ihn wie folgt gefragt: Muß eine Frau sich untersuchen, um [eventuell] ihren Mann zu einem Schwebeschuldopferpflichtig zu machen? Dieser erwiderte: Sie braucht sich nicht zu untersuchen. — Mag sie sich doch untersuchen, was ist denn dabei!? — Sein Herz würde beunruhigt sein und er sich zurückziehen.
6UND WENN SIE SICH ANSCHICKT &C. R. Ami sagte im Namen R. Jannajs: Dies ist die Gepflogenheitder Tugendhaften. R. Abba b. Marnai sprach zu R. Ami: Der Autor lehrt ‘muß’, und du sagst: der Tugendhaften!? Dieser erwiderte: Ich bin der Ansicht, wer die Worte der Weisen hält, heiße tugendhaft.
7Raba sprach: Und wer die Worte der Weisen nicht hält, heißt nur nicht tugendhaft, aber auch nicht Frevler!? Vielmehr, erwiderte Raba: Die Tugendhaften untersuchen sich mit einem Wischlappen, mit dem sie sich einmal vor dem Geschlechtsakt untersucht haben, nicht vor einem zweiten Geschlechtsakt, die nicht Tugendhaften untersuchen sich auch mit einem solchen, und achten nicht darauf.
8Der Text. R. Zera sagte im Namen des R. Abba b. Jirmeja im Namen Šemuéls: Eine Frau, die keine regelmäßige Periode hat, darf nicht eher den Geschlechtsakt vollziehen, als bis sie sich untersucht hat. R. Zera sprach zu R. Abba b. Jirmeja: Die keine regelmäßige Periode hat, benötigt der Untersuchung, die aber eine regelmäßige Periode hat, benötigt nicht der Untersuchung!?
9Dieser erwiderte: Die eine regelmäßige Periode hat, benötigt, wenn sie wach ist, der Untersuchung, und wenn sie schläft, nichtder Untersuchung, die keine regelmäßige Periode hat, benötigt, ob sie wach ist oder schläft, der Untersuchung.
10Raba sprach: Sollte er ihm doch erwidert haben: hat sie eine regelmäßige Periode, so benötigt sie der Untersuchung für reine Dinge, nicht aber benötigt sie der Untersuchung für ihren Mann; die keine regelmäßige Periode hat, benötigt der Untersuchung auch für ihren Mann!? Da er ihm aber nicht so erwidert hat, so ist hieraus zu entnehmen, daß Šemuél der Ansicht ist, nur für ihren Mann benötigt sie nicht der Untersuchung.
11Die Rabbanan lehrten: Für Eseltreiber, Lohnarbeiterund die, die aus einem Trauerhause oder von einem Gastmahle kommen, gelten ihre Frauen als rein; sie dürfen kommen und mit ihnen verweilen, ob sie schlafen oder wach sind. Dies nur, wenn sie sie in der Annahme der Reinheit zurückgelassen haben, wenn sie sie aber in der Annahme der Unreinheit zurückgelassen haben, gelten sie solange als unrein, bis sie zu ihnen sagen, sie seien rein. —
12Worauf bezieht dies Šemuél: hat sie eine regelmäßige Periode, so ist ja [gegen ihn] von der Wachendenein Einwand zu erheben, hat sie keine regelmäßige Periode, so ist ja sowohl von der Wachenden als auch von der Schlafenden ein Einwand zu erheben!? —
13Tatsächlich, wenn sie eine regelmäßige Periode hat, aber wenn sie ihn auffordert, gibt es keine bessere Untersuchungals dies. R. Papa sprach zu Raba: Ist nach dieser Lehrezu verfahren?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.