Nidda — Blatt 12b

1Dieser erwiderte: Bierbrauer, nein; sie würde ihm dann widerlich werden. R. Kahana sagte: Ich fragte die Hausleutedes R. Papa und des R. Hona b. R. Jehošua͑, ob die Jünger, wenn sie aus dem Lehrhause kommen, von ihnen die Untersuchung verlangen, und sie erwiderten mir: nein. — Sollte er sie selber gefragt haben!? — Sie selber konnten es für sich strenger genommen haben.

2Die Rabbanan lehrten: Eine Frau, die keine regelmäßige Periode hat, darf den Geschlechtsverkehr nicht pflegen, erhält weder die Morgengabenoch den Fruchtgenußnoch Unterhalt noch die abgetragenen Kleider, und er lasse sich von ihr scheiden und nehme sie nie wieder — so R. Meír.

3R. Ḥanina b. Antigonos sagt, sie müsse beim Geschlechtsverkehr zwei Wischlappen verwenden. Diese schädigen sie und diese nützen ihr. Im Namen des Abba Ḥanan sagten sie: Wehe ihrem Manne.

4«Sie darf den Geschlechtsverkehr nicht pflegen.» Weil sie ihn zu einem Verstoße bringen könnte.

5«Erhält weder die Morgengabe.» Da sie zur Begattung ungeeignet ist, erhält sie keine Morgengabe. «Noch den Fruchtgenuß noch Unterhalt noch die abgetragenen Kleider.» Der Zuschuß zur Morgengabe gleicht der Morgengabe.

6«Er lasse sich von ihr scheiden und nehme sie nie wieder.» Selbstverständlich!? — Dies in dem Falle, wenn sie später in Ordnungist. Man könnte glauben, er dürfe sie dann wieder nehmen, so lehrt er uns. Es kann nämlich vorkommen, daß sie sich mit einem anderen verheiratet und sie sich bei ihr einstellt,

7und er dann sagen würde: hätte ich dies gewußt, so würde ich mich von ihr nicht geschieden haben, selbst wenn man mir hundert Minen gegeben hätte. Es würde sich dann ergeben, daß die Scheidung nichtig ist und ihre Kinder Hurenkinder sind.

8«Im Namen des Abba Ḥanan sagten sie: Wehe ihrem Manne.» Manche sagen, er sagte es gegen R. Meír, denn er läßt siedie Morgengabe einfordern. Manche sagen, er sagte es gegen R. Ḥanina b. Antigonos, denn sie kann ihn zu einem Verstoße bringen.

9R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Ḥanina b. Antigonos. — In welchem Falle: befaßt sie sich mit reinen Dingen, so sagte dies ja Šemuél bereitseinmal,

10und befaßt sie sich nicht mit reinen Dingen, so sagte er ja, nur für ihren Mann benötige sie nicht der Untersuchung!? R. Zera sagte nämlich im Namen des R. Abba b. Jirmeja im Namen Šemuéls, eine Frau, die keine regelmäßige Periode hat, dürfe nicht eher den Geschlechtsakt vollziehen, als bis sie sich untersucht hat, und wir bezogen dies auf den Fall, wenn sie sich mit reinen Dingen befaßt. — Wer das eine lehrte, lehrte nicht das andere.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.