Nidda — Blatt 13a
1JE HÄUFIGER DIE HAND UNTERSUCHT, DESTO LOBENSWERTER IST DIES, BEI FRAUEN, BEI MÄNNERN ABER WERDE SIE ABGEHACKT.
2GEMARA. Welchen Unterschied gibt es zwischen Frauen und Männern? — Bei Frauen, die dabei nichts empfinden, ist es lobenswert, bei Männern, die dabei empfindlich sind, werde [die Hand] abgehackt. —
3Wieso demnach je häufiger, dies gilt ja auch, wenn nicht häufig!? — Das ‘häufiger’ bezieht sich auf Frauen.
4Es wird gelehrt: Dies gilt nur vom Samenergusse, beim Flusse aber ist es bei Männern ebenso lobenswert, wie bei Frauen.
5Aber auch beim Samenergusse darf man dies, wenn man sich mit einem Spane oder einer Scherbe untersucht. —
6Etwa nicht auch mit einem Lappen, es wird ja gelehrt, man untersuche sich mit einem Lappen, oder womit man sonst will!? — Wie Abajje erklärt hat, mit einem groben Lappen, ebenso auch hierbei, mit einem groben Lappen. —
7Worauf bezieht sich die Erklärung Abajjes? — Auf folgende Lehre. Wenn jemand Hebe ißt und ein Prickeln in seinen Gliedern merkt, so halle er das Glied fest und schlucke die Hebe herunter.
8Und [auf die Frage,] wieso er es anfassen darf, R. Elie͑zer sagte ja, wenn man das Glied anfaßt und uriniert, sei es ebenso, als brächte man eine Sintflut über die Welt, erwiderte Abajje: mit einem groben Lappen.
9Raba erwiderte: Du kannst auch sagen, mit einem weichen Lappen, denn sobald [der Samen] abgegangen ist, ist er abgegangen. — Und Abajje!? — Es ist zu berücksichtigen, er könnte dadurch noch mehr ausstoßen. — Und Raba!? — Man berücksichtige nicht, er könnte noch mehr ausstoßen. —
10Etwa nicht, es wird ja gelehrt: dies ist damit zu vergleichen, als wenn man einen Finger an das Auge legt; solange der Finger am Auge ist, tränt das Auge und tränt immerfort weiter. —
11Und Raba!? — Die sich wiederholende gleichzeitige Erbrünstung ist ganz ungewöhnlich.
12Der Text. R. Elie͑zer sagte: Wenn jemand das Glied anfaßt und uriniert, so ist es ebenso, als brächte er eine Sintflut über die Welt. Sie sprachen zu R. Elie͑zer: Es kommen ja Spritzer auf seine Füße, sodaß es den Anschein hat, als wäre ihm die Harnröhre durchgeschnitten, sodaß er seine Kinder ins Gerede bringt, sie seien Hurenkinder!?
13Dieser erwiderte ihnen: Lieber bringe man seine Kinder ins Gerede, sie seien Hurenkinder, als nur eine Stunde vor Gott als Frevler zu erscheinen.
14Ein Anderes lehrt: R. Elie͑zer sprach zu den Weisen: Man kann ja auf einer erhöhten Stelle stehen und urinieren, oder in lockere Erdeurinieren, ohne auch nur eine Stunde vor Gott als Frevler zu erscheinen. —
15Welches antwortete er ihnen zuerst: wollte man sagen, er antwortete ihnen das erstere zuerst, wieso sollte er ihnen, nachdem er es als verboten erklärt hat, ein Mittel genannt haben!? —
16Vielmehr, dies erwiderte er ihnen zuerst, und als sie an ihn die Frage richteten, wie es denn sei, wenn ihm keine erhöhte Stelle und keine lockere Erde zur Verfügung stehen, erwiderte er ihnen, man bringe lieber seine Kinder ins Gerede, als auch nur eine Stunde als Frevler vor Gott zu erscheinen.
17Weshalb dies alles? — Weil man nutzlos Samen ergießt. R. Joḥanan sagte nämlich: Wer nutzlos Samen ergießt, ist des Todes schuldig, denn es heißt:aber böse war in den Augen des Herrn, was er getan, und er tötete auch ihn.
18R. Jiçḥaq und R. Ami sagten, es sei ebenso, als vergösse er Blut, denn es heißt:die in Brunst geraten an den Terebinthen, hinter jedem belaubten Baume; die Kinder schlachten in Tälern, unter Felsenklüften, und man lese nicht šoḥṭe [schlachten], sondern soḥṭe [auspressen].
19R. Asi sagte, es sei ebenso, als diente er Götzen, denn hierbei heißt es: unter jedem belaubten Baume, und dortheißt es: auf den hohen Bergen &c. und unter jedem belaubten Baume.
20Einst standen R. Jehuda und Šemuél auf dem Dache des Bethauses des Šaphjathib in Nehardea͑. Da sprach R. Jehuda zu Šemuél: Ich muß urinieren. Dieser erwiderte: Scharfsinniger, fasse dein Glied anund uriniere nach auswärts. —
21Wieso tat er dies, es wird ja gelehrt, R. Elie͑zer sagt, wenn jemand das Glied anfaßt und uriniert, sei es ebenso, als brächte er eine Sintflut über die Welt!?
22Abajje erwiderte: Hierbei verhielt es sich ebenso, wie bei der Lehre von der Truppe, denn wir haben gelernt: Wenn eine Truppe in die Stadt einrückt, so sind, wenn zur Friedenszeit, offene Fässerverboten und verschlossene erlaubt, und wenn zur Kriegszeit, diese und jene erlaubt, weil sie keine Zeit haben, [den Wein] zu libieren. Da sagen wir also, weil sie in Angst sind, kommen sie nicht dazu, ihn zu libieren, ebenso kam er auch hierbei, weil er in Angst war, nicht zu sündhaften Gedanken. —
23Welche Angst gab es hierbei? — Wenn du willst, sage ich: die Angst der Nacht und des Daches. Wenn du willst, sage ich: die Ehrfurcht vor seinem Lehrer. Wenn du willst, sage ich: die Ehrfurcht vor der Göttlichkeit. Wenn du willst, sage ich: die Angst vor seinem Herrn, denn Šemuél sagte von ihm, er sei gar kein Weibgeborener.
24Wenn du willst, sage ich: er war verheiratet. R. Naḥman sagte nämlich, wer verheiratet ist, darf dies.
25Wenn du willst, sage ich: er lehrte ihm folgendes: R. Abba, Sohn des R. Benjamin b. Ḥija, lehrte: Man darf von unten mit den Hoden stützen. Und wenn du willst, sage ich: er lehrte ihm folgendes: R. Abahu sagte im Namen R. Joḥanans: Es gibt hierfür eine Grenze: unterhalb der Eichel ist es erlaubt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.