Nidda — Blatt 13b

1oberhalb der Eichel ist es verboten.

2Rabh sagte: Wer sich absichtlich zur Erektion bringt, sei im Bann. — Sollte er doch sagen, es sei verboten!? — Er reizt nur den bösen Trieb widersich. R. Ami sagte, er heiße Abtrünniger, denn dies ist die Kunst des bösen Triebes: heute sagt er zu ihm, daß er dies tue, morgen sagt er zu ihm, daß er jenes tue, und übermorgen sagt er zu ihm, daß er gehe und Götzen diene, und dieser geht auch und tut dies.

3Manche sagen: R. Ami sagte: Wer sich zu sündhaften Gedanken bringt, den bringt man nicht in der Umfriedigung des Heiligen, gepriesen sei er, denn hierbei heißt es: aber böse war in den Augen des Herrn, und dort heißt es:denn du bist nicht ein Gott, der am Frevel Wohlgefallen hat, bei dir soll das Böse nicht wohnen.

4Ferner sagte R. Elie͑zer: Es heißt:eure Hände sind voll Blut, das sind diejenigen, die mit der Handhuren. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt:Du sollst nicht huren, es soll bei dir keine Hurerei vorkommen, ob mit der Hand oder mit dem Fuße.

5Die Rabbanan lehrten: Die Proselyten und die mit Kindern spielen, halten den Messias zurück. — Allerdings Proselyten, nach R. Ḥelbo, denn R. Ḥelbo sagte, Proselyten sind für Jisraél so unangenehm wie ein Ausschlag, welches Bewenden aber hat es mit denen, die mit Kindern spielen:

6wollte man sagen, Päderastie, so sind sie jazu steinigen, und wollte man sagen, an den Gliedern, so verdienen sie ja durch die Sintflut [umzukommen]!? —

7Vielmehr, die zum Gebären noch unreife Kinder heiraten. R. Jose sagte nämlich: Der Sohn Davids kommt nicht eher, als bis keine Seelen mehr im Guphsind, denn es heißt:denn der Geist wird vor mir eingehüllt und die Seelen habe ich erschaffen.

8BEI MÄNNERN ABER WERDE SIE ABGEHACKT. Sie fragten: Wird dies als Gesetz gelehrt oder wird dies als Fluch gelehrt? Wird dies als Gesetz gelehrt, wie R. Hona einst einem die Hand abhauenließ, oder ist dies nur ein Fluch? —

9Komm und höre: Es wird gelehrt: R. Tryphon sagte: Wer mit der Hand ans Glied [rührt], dem werde die Hand auf dem Nabel abgehackt. Sie sprachen zu ihm: Sollte jemand denn, wenn ihm ein Dorn in den Bauch gedrungen ist, ihn nicht herausziehen? Er erwiderte: Nein. — Der Bauch wird ihm jagespalten!? Dieser erwiderte: Lieber mag ihm der Bauch gespalten werden, als daß er in die Unterwelt sinke.

10Erklärlich ist es, wenn du sagst, es werde als Gesetz gelehrt, daß sie zu ihm sagten, der Bauch werde ihm gespalten, wieso aber der Bauch gespalten, wenn du sagst, es werde als Fluch gelehrt!? — Muß es denn, wenn es als Gesetz gelehrt wird, durchaus auf dem Nabel erfolgen!?

11Vielmehr meint es R. Tryphon wie folgt: wer mit der Hand unterhalb des Nabels [rührt], dem werde sie abgehackt. Sie sprachen zu R. Tryphon: Sollte jemand denn, wenn ihm ein Dorn in den Bauch gedrungen ist, ihn nicht herausziehen? Dieser erwiderte: Nein. — Der Bauch wird ihm ja gespalten!? Dieser erwiderte: Lieber mag ihm der Bauch gespalten werden, als daß er in die Unterwelt sinke.

12WENN EINE TAUBE, EINE BLÖDE, EINE BLINDE, ODER DIE DEN VERSTAND VERLOREN HAT, VOLLSINNIGE [ZU IHRER VERSORGUNG ] HABEN, SO KÖNNEN DIESE SIE VERSORGEN, UND SIE DÜRFEN HEBE ESSEN.

13GEMARA. Eine Taube kann sich ja selber untersuchen!? Es wird nämlich gelehrt: Rabbi sagte: In unserer Nachbarschaft war eine Taube, die nicht nur sich selber untersuchte, sondern der auch ihre Gefährtinnen, wenn sie sich untersuchten, eszeigten. — Es war eine, die sprechen und nicht hören konnte,

14hier aber handelt es sich um eine, die weder sprechen noch hören kann. Wie wir gelernt haben: Unter Tauber, von dem die Weisen überall sprechen, ist einer zu verstehen, der weder hören noch sprechen kann.

15EINS BLINDE. Sie kann sich ja selber untersuchen und ihrer Gefährtin zeigen!? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: [Das Wort] ‘Blinde’ ist nicht aus der Mišna.

16ODER DIE DEN VERSTAND VERLOREN HAT. Das ist ja dasselbe, was ‘Blöde’!? — Die ihren Verstand infolge einer Krankheit verloren hat.

17Die Rabbanan lehrten: Einen blöden Priester lasse man untertauchen, und abends gebe man ihm Hebe zu essen. Man passe aber auf, daß er nicht schlafe. Schlief er, so ist er unrein, schlief er nicht, so ist er rein.

18R. Elie͑zer b. R. Çadoq sagte: Man fertige für ihn ein Lederbeutelchen an. Sie sprachen zu ihm: Ein solches bringt ihn ja erst recht zur Brünstung. Er erwiderte ihnen: Nach eurer Ansicht gibt es also für den Blöden kein Mittel.

19Sie entgegneten ihm: Nach unserer Ansicht ist er, wenn er geschlafen hat, unrein, und wenn er nicht geschlafen hat, rein, nach deiner Ansicht aber kann ein Tropfen in der Größe eines Senfkornes herausgekommen und vom Beutelchen aufgesogen wordensein.

20Es wird gelehrt: Im Namen R. Elea͑zars sagten sie: Man fertige für ihn ein Beutelchen aus Metall.

21Abajje sagte: Und zwar aus Kupfer. Wie gelehrt wird. R. Jehuda sagte: Man betrachte die Blütenköpfe des Ysops als wären sie aus Kupfer.

22R. Papa sagte: Hierausist zu entnehmen, daß Beinkleider verboten seien. — Es heißt ja aber:mache ihnen linnene Beinkleider, des Fleisches Blöße zu bedecken!? —

23Diese nach der folgenden Lehre: Die Beinkleider der Priester glichen den Röckchen der Reiter, oben bis zu den Lenden und unten bis zu den Schenkeln; sie hatten Schnürbänder und keine Afteröffnung und keine Schamöffnung.

24Abajje sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.