Nidda — Blatt 14b

1R. Ḥija sprach zu ihm: Pflichtest du etwa nicht bei, daß die Größe einer Graupe und darüber erforderlichist? Dieser erwiderte: Allerdings. — Wenn dem so ist, so hast auch du es zum Fleckegemacht.

2Rabbi ist also der Ansicht, um nicht als Blut von einer Laus zu gelten, sei die Größe einer Graupe und darüber erforderlich, und da Blut von einer Laus ausgeschlossen ist, so kommt es entschieden von ihrem Körper.

3[R. Ḥija] sagte es wohl in seinem Alter, in seiner Jugend aber erklärte er sie als menstruationsrein. Schließe hieraus.

4Rabbi lobteR. Ḥama b. Bisa vor R. Jišma͑él b. R. Jose, daß er ein bedeutender Mann sei. Da sprach er zu ihm: Wenn er dir in die Hände gerät, bringe ihn zu mir.

5Als er zu ihm kam, sprach er zu ihm: Frage mich etwas. Da fragte er ihn: Wie ist es, wenn sie sich mit einem nicht untersuchten Wischlappen untersucht und in einen Kasten gelegt hat, und am folgenden Tage darauf Blut findet?

6Dieser erwiderte: Soll ich es nach der Ansicht meines Vaters entscheiden, oder soll ich es nach der Ansicht Rabbis entscheiden? Jener sprach: Entscheide es mir nach der Ansicht Rabbis.

7Da sprach R. Jišma͑él: Ist dieser es, von dem man sagt, er sei ein bedeutender Mann!? Wie sollte man die Worte des Meisters übergehen und auf die Worte des Schülers hören!?

8R. Ḥama b. Bisa aber war der Ansicht: Rabbi ist Schuloberhaupt, bei ihm verkehren die Gelehrten, und seine Lehren sind scharfsinnig. —

9Was ist das [für ein Streit zwischen] Rabbi und R. Jose? R. Ada b. Mathna erwiderte: Es wird gelehrt: Nach Rabbi [ist sie]unrein und nach R. Jose rein.

10Hierzu sagte R. Zera: Nach Rabbi ist sie unrein, nach R. Meír, und R. Jose ist sie rein, nach seiner eigenen Ansicht.

11Es wird nämlich gelehrt: Wenn eine Frau ihre [kleine] Notdurft verrichtet und Blut wahrgenommen hat, so ist sie, wie R. Meír sagt, wenn stehend, unrein, und wenn sitzend, rein;

12R. Jose sagt, ob so oder so rein.

13R. Aḥa, der Sohn Rabas, sprach zu R. Aši: R. Jose b. R. Ḥanina sagte ja, wenn R. Meír sie auch als unrein erklärt hat, so habe er sie nur als unrein wegen eines Blutfleckeserklärt, während Rabbi sagt, als Menstruierende!? Dieser erwiderte: Jene Lehreist zu verstehen: als Menstruierende.

14FINDET ES SICH AUF IHREM SOFORT, SO SIND SIE UNREIN &C. Die Rabbanan lehrten: Was heißt sofort? Ein Gleichnis: der Dienerund der Wischlappen befinden sich an der Seite der Oberschwelle; beim Herauskommen des Dieners tritt der Wischlappen ein.

15Die Dauer der Blutung, von der sie sprechen, bezieht sich auf das Abwischen und nicht auf die Untersuchung.

16FINDET ES SICH AUF IHREM NACH EINER ZEIT &C. Es wird gelehrt: Sie sind ein Schwebe-Schuldopfer schuldig. Was ist der Grund unseres Autors? —

17Es muß eines von zwei Stückensein.

18WAS HEISST NACH EINER ZEIT &C. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Was heißt nach einer Zeit? R. Elie͑zer b. R. Çadoq erklärte: Während welcher sie mit der Hand unter das Kissen oder unter das Polster langen, den Wischlappen hervorholen und sich damit untersuchenkann!?

19R. Ḥisda erwiderte: Unter ‘nach’ ist die Dauer nach der Dauerzu verstehen. —

20Hierzu wird ja aber gelehrt: Findet es sich auf ihrem nach einer Zeit, so sind sie des Zweifels wegen unrein, und von einem Opfer frei. Was heißt nach einer Zeit? — während welcher sie aus dem Bette steigen und das Gesichtwaschen kann? —

21Er meint es wie folgt: nach einer Zeit heißt es, während welcher sie mit der Hand unter das Kissen oder unter das Polster langen, den Wischlappen hervorholen und sich damit untersuchen kann. Und über die Dauer, während welcher sie aus dem Bette steigen und sich das Gesicht waschen kann, besteht ein Streit zwischen R. A͑qiba und den Weisen. —

22Es heißt ja aber ‘wennnachher’!? — Er meint es wie folgt: dies ist das ‘nachher’, worüber R. A͑qiba und die Weisen streiten.

23R. Aši erwiderte: Beide Zeitangaben sind identisch; hat sie den Wischlappen in der Hand, daß sie aus dem Bette steigen und das Gesicht waschen kann, hat sie nicht den Wischlappen in der Hand, dann daß sie mit der Hand unter das Kissen oder unter das Polster langen, den Wischlappen hervorholen und sich damit untersuchen kann.

24Man wandte ein: Was heißt nach einer Zeit? Diese Frage richtete R. Elie͑zer b. R. Çadoq an die Weisen in Uša, und er sprach zu ihnen:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.