Nidda — Blatt 17a

1wer nackt vor seinem Bette uriniert, und wer vor irgend einem Lebewesen den Geschlechtsakt vollzieht. R. Jehuda sprach zu Šemuél: Auch vor Mäusen? Dieser erwiderte ihm: Scharfsinniger, nein, vielmehr wie im Hause jener, die den Geschlechtsakt vor ihren Sklaven und Sklavinnen vollziehen. —

2Welchen Schriftverslegten sie da aus? —Wartet hier [i͑m] mit dem Esel, ein Volk [a͑m], das einem Eselgleicht.

3Rabba b. R. Hona klappertemit den Glöckchen des Betthimmels. Abajje jagte die Fliegen fort. Raba jagte die Mücken fort.

4R. Šimo͑n b. Joḥaj sagte: Fünf Dinge sind es, wer sie tut verwirkt sein Leben und sein Blut kommt über sein Haupt: wenn man geschälten Knoblauch, geschälte Zwiebeln oder geschältes Ei ißt, wenn man trinkfertige Getränke trinkt, über die die Nacht verstrichen ist, wenn man auf einem Begräbnisplatze übernachtet, wenn man sich die Nägel abschneidet und sie auf die Straße wirft, und wenn man sich zur Ader gelassen hat und den Geschlechtsakt vollzieht.

5«Wenn man geschälten Knoblauch ißt &c.» Selbst wenn sie in einem Korbe liegen, eingebunden und versiegelt sind, ruht der böse Geist auf ihnen. Dies jedoch nur dann, wenn man nicht die Schale oder die Wurzel daran gelassen hat, hat man aber die Schale oder die Wurzel daran gelassen, so ist nichts dabei.

6«Wenn man trinkfertige Getränke trinkt, über die die Nacht verstrichen ist. » R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies nur dann, wenn sie über Nacht in einem Metallgefäße gestanden haben. R. Papa sagte: Natrongefäßegleichen Metallgefäßen. Ebenso sagte R. Joḥanan, dies nur dann, wenn sie über Nacht in Metallgefäßen gestanden haben, und Natrongefäße gleichen Metallgefäßen.

7«Wenn man auf einem Begräbnisplatze übernachtet.» Damit der Geist der Unreinheit auf ihm ruhe; es kann vorkommen, daß man in Gefahr gerät.

8«Wenn man die Nägel abschneidet und auf die Straße wirft.» Weil eine schwangere Frau über diese gehen und abortieren kann. Dies nur dann, wenn man sie mit einer Nagelschere abgenommen hat. Und nur dann, wenn man die der Hände und der Füße abgenommen hat. Und nur dann, wenn man damit nichts anderes abgeschnitten hat, hat man aber damit auch anderes abgeschnitten, so ist nichts dabei. Dies ist aber nichts; zu befürchten ist in jedem Falle.

9Die Rabbanan lehrten: Dreierlei sagten sie von den Nägeln: wer sie verbrennt, ist ein Frommer, wer sie vergräbt ist ein Gerechter und wer sie fortwirft, ist ein Frevler.

10«Wenn man sich zur Ader gelassen hat und den Geschlechtsakt vollzieht.» Der Meister sagte nämlich: Wer sich zur Ader gelassen hat und den Geschlechtsakt vollzieht, bekommt hektische Kinder; wenn beide sich zur Ader gelassen haben und den Geschlechtsakt vollziehen, so bekommen sie mit Ausflußbehaftete Kinder. Rabh sagte: Dies nur dann, wenn er inzwischen nichts gekostet hat, hat er aber inzwischen etwas gekostet, so ist nichts dabei.

11R. Ḥisda sagte: Es ist verboten, den Geschlechtsakt am Tage zu vollziehen, denn es heißt:du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. — Wieso geht dies hieraus hervor? Abajje erwiderte: Er könnte an ihr etwas Häßliches sehen, und sie würde ihm widerwärtig werden. R. Hona sagte: Die Jisraéliten sind Heilige und vollziehen den Geschlechtsakt nicht am Tage.

12Raba sagte: Ist es ein finsteres Haus, so ist es erlaubt. Ein Schriftgelehrter darf mit seinem Mantel verdunkeln und den Geschlechtsakt vollziehen. —

13Wir haben gelernt: oder sie vollziehe den Geschlechtsakt beim Scheine des Lichtes!? — Lies: sie untersuche sich beim Scheine des Lichtes. —

14Komm und höre: Obgleich sie gesagt haben, wer den Geschlechtsakt beim Scheine des Lichtes vollzieht, sei abscheulich!? — Lies: wer das Bett vor dem Scheine des Lichtes untersucht, sei abscheulich. —

15Komm und höre: Die aus dem Hause des Königs Monobaztaten dreierlei, und man gedachte ihrer lobend: sie vollzogen den Geschlechtsakt am Tage, sie untersuchten ihre Betten mit weichem Wollzeug, und sie beobachteten die Gesetze von Unreinheit und Reinheit beim Schnee. Hier lehrt er also, daß sie den Geschlechtsakt am Tage vollzogen!? —

16Lies: sie untersuchten ihre Betten am Tage. Dies ist auch einleuchtend, denn wieso gedachte man ihrer lobend, wenn du sagen wolltest, sie vollzogen dann den Geschlechtsakt!? — Allerdings, dem ist auch so; [nachts] ist man vom Schlafe überwältigt, und sie ist ihmzuwider.

17«Sie untersuchten ihre Betten mit weichem Wollzeug.» Dies ist eine Stütze für Šemuél, denn Sensuel sagte, man untersuche das Bettnur mit Baumwolle oder mit reiner und weicher Wolle. Rabh sagte: Deshalb pflegten sie auch, als ich dortwar, am Vorabenddes Šabbath auszurufen: Wer braucht Baumwolle zum Brot? Und ich wußte nicht, was sie damit meinten.

18Raba sagte: Linnenlumpen eignen sich für die Untersuchung. — Dem ist ja aber nicht so, in der Schule Menašes lehrten sie ja, man untersuche das Bett nicht mit einem roten Lappen, nicht mit einem schwarzen Lappen und nicht mit Flachs, sondern nur mit Baumwolle oder mit reiner und weicher Wolle!? —

19Das ist kein Einwand; eines gilt von Linnen und eines gilt von Kleidernaus Linnen. Wenn du aber willst, sage ich: eines gilt von neuen und eines gilt von abgetragenen.

20«Sie beobachteten die Gesetze von Unreinheit und Reinheit beim Schnee.» Dort haben wir gelernt: Der Schnee istweder Speise noch Getränk. Hat man ihn als Speise bestimmt, so ist er nicht als Speise verunreinigungsfähig; wenn als Getränk, so ist er als Getränk verunreinigungsfähig.

21Ist ein Teil unrein geworden, so ist nicht das ganze unrein, ist ein Teil rein geworden, so ist das ganze rein.

22Dies widerspricht sich ja selbst. [Zuerst] heißt es, wenn ein Teil unrein geworden ist, sei nicht das ganzeunrein, und darauf lehrt er, wenn ein Teil rein geworden ist, sei das ganze rein, wonach vorher das ganze unrein war!?

23Abajje erwiderte: Wenn man damit über die Mündung eines Ofensfährt, denn die Tora bekundete von Tongefäßen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.