Nidda — Blatt 23b

1Auch wir haben demgemäß gelernt: Wenn sie eine Art Vieh, Wild oder Geflügel ausgestoßen hat, so gilt diesals richtige Geburt — so R. Meír, die Weisen sagen, nur wenn etwas Menschenähnliches daran ist.

2Wenn [die Mutter] vorher einen Sandel, eine Nachgeburt oder eine entwickelte Eihaut ausgestoßen hat, oder [das Kind] zerstückelt herauskam, so ist der nach ihnen kommt, Erstgeborener hinsichtlich der Erbschaft, nicht aber Erstgeborener für den Priester. Wenn man nun sagen wollte, es sei lebensfähig, wieso ist der ihm folgende Erstgeborener hinsichtlich der Erbschaft!?

3Raba erwiderte: Tatsächlich ist es lebensfähig, nur ist es da anders, denn die Schrift sagt:Erstling seiner Kraft, wenn sein Herz über ihnSchmerz empfindet, ausgenommen dieses, über das sein Herz keinen Schmerz empfindet.

4R. Ada b. Ahaba fragte Abajje: Wie verhält es sich nach R. Meír, welcher sagt, ein Vieh im Leibe eines Menschen sei eine richtige Geburt, mit einem Menschen im Leibe eines Viehs? — In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? — Ob es zum Essen erlaubt ist? —

5Dies ist ja zu entscheiden aus einer Lehre R. Joḥanans, denn R. Joḥanan sagte, wenn man ein Vieh schlachtet und darin eine Art Taube findet, sei sie zum Essen verboten!? —

6Was soll dies: bei jener gibt es weder Klauen noch Klaue, bei dieser aber gibt es zwar keine Klauen, aber immerhin eine Klaue.

7DIE WEISEN SAGEN, WAS NICHT &C. R. Jirmeja b. Abba sagte im Namen Rabhs: Alle pflichten bei, daß es, wenn es der Körper eines Bockes und das Gesicht eines Menschen ist, als Mensch gelte, und wenn es der Körper eines Menschen und das Gesicht eines Bockes ist, es nichts sei,

8sie streiten nur über den Fall, wenn es das Gesicht eines Menschen ist, aber ein Auge dem eines Viehs gleicht. R. Meír sagt, es brauche nur vom Gesichte eines Menschen zu sein, und die Weisen sagen, es müsse das ganze Gesicht eines Menschen sein.

9Sie sprachen zu R. Jirmeja b. Abba: Es gibt ja eine Lehre entgegengesetzt: R. Meír sagt, das ganze Gesicht, und die Weisen sagen, vom Gesichte!? Er erwiderte ihnen: Ist es gelehrt worden, so ist es gelehrt worden.

10R. Jirmeja b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Die Stirn, die Augenbrauen, die Augen, die Backen und das Kinn, sie müssen alle vorhanden sein. Raba aber sagte im Namen Hasas: Die Stirn, eine Augenbraue, ein Auge, eine Backe und das Kinn, sie müssen alle vorhanden sein.

11Sie streiten aber nicht, einer nach demjenigen, welcher sagt, das ganze Gesicht, und einer nach demjenigen, welcher sagt, vom Gesichte.

12Man wandte ein: Unter Gesichtsform, von der sie sprechen, ist auch eine von den Gesichtspartien zu verstehen, ausgenommen das Ohr. Demnach ist auch eine ausreichend!?

13Abajje erwiderte: Diese Lehre spricht von der Unerläßlichkeit, nach demjenigen, welcher sagt, das ganze Gesicht. Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich nach demjenigen, welcher vom Gesichte sagt, und unter ‘eine’ ist von jedemeine zu verstehen.

14Raba sagte: Ist [die Geburt] mit einem Auge erschaffen worden, oder mit einer Hüfte, so ist die Mutter, wenn an der Seite, unrein, und wenn in der Mitte, (so ist die Mutter) rein.

15Raba sagte: Ist die Speiseröhre durchlocht, so ist die Mutter unrein, ist die Speiseröhre geschlossen, so ist die Mutter rein.

16Die Rabbanan lehrten: Hat sie einen stummelhaften Körper abortiert, so ist sie (die Mutter) nicht geburtsunrein. — Was heißt stummelhafter Körper? Rabbi sagte: Daß ein Lebender, wenn ihm diesesabgenommen wird, sterben muß. —

17Wieviel muß von einem Lebenden abgenommen werden, um sterben zu müssen? R. Zakkaj sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.