Nidda — Blatt 24b
1Und Šemuél erklärt es nach seiner Ansicht: Eine viermonatliche beim Kleinvieh und eine achtmonatliche beim Großvieh, darunter ist sie verboten. Dies nur dann, wenn sie nicht voll ausgetragen ist, ist sie aber voll ausgetragen, so ist sie erlaubt. Ausgenommen eine, die zwei Rücken und zwei Wirbelsäulen hat, die, auch wenn sie voll ausgetragen ist, wenn sie in den Weltenraum gekommen ist, verboten, und im Leibe der Mutter erlaubt ist.
2Ein Jünger rezitierte vor Rabh: Man könnte glauben, wenn sie ein Geschöpf mit formlosem Körper oder ein Geschöpf mit formlosem Kopfe ausgestoßen hat, sei sie (die Mutter) geburtsunrein, so heißt es:wenn ein Weib Samen bringt und einen Knaben gebiert &c. und am achten Tage zu beschneiden &c.
3Nur was am achten Tage zu beschneiden geeignet ist, ausgenommen dieses, das am achten Tage zu beschneiden nicht geeignet ist. Da sprach Rabh zu ihm: Ergänze noch wie folgt: oder das zwei Rücken und zwei Wirbelsäulen hat.
4R. Jirmeja b. Abba wollte eine Entscheidung nach Šemuél treffen, da sprach R. Hona zu ihm: Du glaubst wohl zu erschweren, aber es ist eine Erschwerung, die zu einer Erleichterung führt, denn du gewährst ihr die Reinheitsblutung. Entscheide lieber nach Rabh, denn es ist für uns feststehend, daß bei kanonischen Dingen die Halakha wie Rabh sei, ob erleichternd oder erschwerend.
5Raba sagte: Sie sagten, ein Weib gebäre mit neun und gebäre mit sieben [Monaten]; gebiert nun ein Großvieh, das mit neun gebiert, auch mit sieben oder nicht?
6R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Komm und höre: Darunter ist sie verboten. Dies bezieht sich wohl auf ein Großvieh. — Nein, auf ein Kleinvieh. —
7Was soll dies: allerdings ist dies zu lehren nötig, wenn du auf ein Großvieh sagst, denn man könnte glauben, da bei einem Weibe eine solche [Geburt] lebt, lebe sie auch bei einem Großvieh, so lehrt er uns, daß sie nicht lebe;
8wenn du aber auf ein Kleinvieh sagst, so ist dies ja selbstverständlich, sollte denn eine dreimonatliche leben können!? —
9Dies ist nötig; man könnte glauben, zwei Monate weniger lebe alles, so lehrt er uns.
10R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Hat sie eine Art Lilith abortiert, so ist sie (die Mutter) geburtsunrein, es ist eine Geburt, nur hat sie Flügel. Ebenso wird auch gelehrt: R. Jose sagte: Einst ereignete es sich in Simoni, daß eine Frau eine Art Lilith abortierte, und als die Sache vor die Weisen kam, sagten sie, es sei eine Geburt, nur habe sie Flügel.
11Über eine Frau, die eine Art Schlange abortiert hat, entschied Ḥanina, Bruderssohn des R. Jehošua͑, daß sie (die Mutter) geburtsunrein sei. Hierauf ging R. Joseph und erzählte dies R. Gamliél. Da ließ er R. Jehošua͑ sagen: Hole deinen Bruderssohn und komm [zu mir].
12Als sie gingen, kam ihnen die Schwiegertochter Ḥaninas entgegen und sprach zu ihm: Meister, wie ist es, wenn eine Frau eine Art Schlange abortiert? Er erwiderte ihr: Sie (die Mutter) ist rein. Da sprach sie zu ihm: In deinem Namen sagte mir ja meine Schwiegermutter, die Mutter sei unrein!? Da sprach er zu ihr: Aus dem Grunde, weil ihr Augenstern rund ist, wie der eines Menschen. Durch diese Worte erinnerte sich R. Jehošua͑, und er ließ R. Gamliél sagen: Durch mich veranlaßt, traf Ḥanina jene Entscheidung.
13Abajje sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß ein Gelehrter, wenn er etwas sagt, auch den Grund sage, damit er, wenn man es ihm vorhält, sich daran erinnere.
14HAT [EINE FRAU] EINE EIHAUT VOLL WASSER, VOLL BLUT ODER VOLL GEBILDE AUSGESTOSSEN, SO BRAUCHT SIE KEINE GEBURT ZU BERÜCKSICHTIGEN; IST SIE ABER GESTALTET, SO VERWEILE SIE WIE BEI EINEM KNABEN UND EINEM MÄDCHEN. HAT EINE FRAU EINEN SANDEL ODER EINE NACHGEBURT AUSGESTOSSEN, SO VERWEILE SIE WIE BEI EINEM KNABEN UND EINEM MÄDCHEN.
15GEMARA. Allerdings sind Blut und Wasser nichts, bei Gebilden aber ist ja zu berücksichtigen, vielleicht war es eine Geburt und hat sich aufgelöst!? Abajje erwiderte: Wieviel rohen Wein müßte die Mutter von dieser getrunken haben, daß die Geburt in ihrem Leibe sich aufgelöst haben sollte.
16Raba erwiderte: In unserer Lehre heißt es ‘voll’, und wenn es eine aufgelöste [Geburt] wäre, müßte etwas fehlen. R. Ada b. Ahaba erwiderte: In unserer Lehre heißt es ‘Gebilde’, und wenn es eine aufgelöste [Geburt] wäre, müßte es nur ein Gebilde sein.
17Es wird gelehrt: Abba Šaúl sagte: Ich war Totengräber und beobachtete die Gebeine der Toten. Wer den Wein roh trank, dessen Gebeine waren verbrannt; wer [zu sehr] verschnitten, dessen Gebeine waren durchtränkt; wer richtig, dessen Gebeine waren fett. Wer mehr trank als er aß, dessen Gebeine waren verbrannt; wer mehr aß als er trank, dessen Gebeine waren durchtränkt; wer entsprechend, dessen Gebeine waren fett.
18Es wird gelehrt: Abba Šaúl, nach anderen R. Joḥanan, sagte: Ich war Totengräber. Einst lief ich hinter einem Reh her und geriet in den Keulenknochen eines Toten; drei Parasangen lief ich hinter ihm her, doch erreichte ich das Reh nicht und der Keulenknochen war nicht zuende. Als ich umgekehrt war, sagte man mir, er war von O͑g, dem Könige von Bašan.
19Es wird gelehrt: Abba Šaúl sagte: Ich war Totengräber. Einst öffnete sich unter mir eine Höhle, und ich stand bis zur Nase in der Augenhöhle eines Toten. Als ich zurückgekehrt war, sagte man mir, es war das Auge Abšaloms.
20Vielleicht glaubst du, Abba Šaúl war ein Zwerg, so war er der längste seines Zeitalters. R. Tryphon reichte ihm bis zur Schulter, und R. Tryphon war der längste seines Zeitalters. Diesem reichte R. Meír bis zur Schulter, und R. Meír war der längste seines Zeitalters. Diesem reichte Rabbi bis zur Schulter, und Rabbi war der längste seines Zeitalters.
21Diesem reichte R. Ḥija bis zur Schulter, und R. Ḥija war der längste seines Zeitalters. Diesem reichte Rabh bis zur Schulter, und Rabh war der längste seines Zeitalters. Diesem reichte R. Jehuda bis zur Schulter, und R. Jehuda war der längste seines Zeitalters. Diesem reichte der Tischdiener Ada bis zur Schulter,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.