Nidda — Blatt 25a
1und der Ortsvorsteher von Pumbeditha reichte dem Tischdiener Ada bis zur Hälfte, und jeder andere reichte dem Ortsvorsteher von Pumbeditha bis zu den Lenden.
2Man fragte Rabbi: Wie ist es, wenn eine Frau eine Eihaut voll Fleisch ausgestoßen hat? Er erwiderte ihnen: Ich habe darüber nichts gehört.
3Da sprach R. Jišma͑él b. R. Jose vor ihm: Folgendes sagte mein Vater: wenn voll Blut, sei sie menstruationsunrein, wenn voll Fleisch, sei sie geburtsunrein.
4Da sprach dieser: Würdest du uns im Namen deines Vaters etwas neues gesagt haben, so würden wir auf dich gehört haben,
5nun aber, wo er das erstere nach der Ansicht eines einzelnen sagte, nach Symmachos, der es im Namen R. Meírs sagte, kann er vielleicht auch das andere nach R. Jehošua͑ gesagt haben, und die Halakha ist nicht wie R. Jehošua͑.
6Es wird nämlich gelehrt: Hat eine Frau eine ungestaltete Eihaut ausgestoßen, so ist dies, wie R. Jehošua͑ sagt, eine Geburt, und wie die Weisen sagen, keine Geburt.
7R. Šimo͑n b. Laqiš sagte im Namen R. Oša͑jas: Der Streit besteht nur über eine trübe, eine klareaber ist nach aller Ansicht keine Geburt. R. Jehošua͑ b. Levi aber sagt, der Streit bestehe über eine klare.
8Sie fragten: Besteht der Streit nur über eine klare, eine trübe aber ist nach aller Ansicht eine Geburt, oder besteht der Streit über diese und über jene? — Dies bleibt unentschieden.
9Man wandte ein: R. Jehošua͑ b. Ḥananja trug vor:Und Gott, der Herr, machte für Adam und seine Frau Hemden aus Haut und bekleidete sie. Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, dem Menschen nicht eher eine Haut macht, als bis er ausgebildet ist.
10Demnach kommt es auf die Haut an, einerlei ob trübe oder klar. Allerdings ist der Schriftvers nötig,
11wenn du sagst, der Streit bestehe nur über eine klare, wozu aber ist ein Schriftvers nötig, wenn du sagst, der Streit bestehe über eine trübe, diesist ja einleuchtend!? Hieraus ist vielmehr zu entnehmen, daß sie über eine klare streiten. Schließe hieraus.
12Ebenso sagte R. Naḥman im Namen des Rabba b. Abuha, der Streit bestehe nur über eine trübe, eine klare aber sei nach aller Ansicht keine Geburt.
13Raba wandte gegen R. Naḥman ein: Aber sie sagten: das Zeichen der bereits erfolgten Geburtbeim Kleinvieh sei der Blutschmutz, beim Großvieh die Eihaut und bei einem Weibe die Nachgeburt oder die Eihaut.
14Die Eihaut ist also beim Vieh nicht entbindend. Erklärlich ist es nun, wenn du sagst, der Streit bestehe über eine klare,
15daß bei einem Weibe, bei dem die Schrift einbegriffen hat, die Eihaut entbinde, und bei einem Vieh, bei dem dio Schrift nicht einbegriffen hat, die Eihaut nicht entbinde,
16wenn du aber sagst, der Streit bestehe über eine trübe, so ist diesja eine Wahrscheinlichkeit; welchen Unterschied gibt es demnach zwischen einem Weibe und einem Vieh!? —
17Du glaubst wohl, dies sei R. Jehošua͑ entschieden, R. Jehošua͑ ist es zweifelhaft, und er richtet sich bei dem einen und beim anderen erschwerend.
18Da handelt es sich beim Weibe um eine Geldsache, und bei einer Geldsache ist in einem Zweifel erleichternd zu verfahren,
19und beim Vieh um ein kanonisches Verbot, denn esist zur Schur und zur Arbeit [verboten], und bei einem kanonischen Verbote ist im Zweifel erschwerend zu entscheiden. Hierbei aber handelt es sich beim Weibe um einen Zweifel inbetreff der Unreinheit, und es ist erschwerend zu entscheiden. —
20Ist es ihm denn zweifelhaft, er beruft sich ja auf einen Schriftvers!? — Der Schriftvers ist nur eine Anlehnung.
21R. Ḥanina b. Šelemja sprach zu Rabh: Da ist Rabbi, da ist R. Jišma͑éi b. R. Jose, da ist R. Oša͑ja und da istR. Jehošua͑ b. Levi, wessen Ansicht ist nun der Meister?
22Dieser erwiderte: Ich sage, sie habe ob so oder so nichts zu berücksichtigen.
23Šemuél aber sagt, sie habe ob so oder so wohl zu berücksichtigen. Šemuél vertritt hierbei seine Ansicht, denn als R. Dimi kam, sagte er: Nie haben sie in Nehardea͑ eine Eihautals rein erklärt, außer in jenem Falle, wo einst eine Eihaut vor Šemuél kam, auf die er ein Haar auf die eine Seite legte und es auf der anderen Seite sah. Er sagte dann: Wäre sie von einer Geburt, so würde sie nicht so durchsichtig sein.
24IST SIE GESTALTET &C. Die Rabbanan lehrten: Welche ist eine gestaltete Eihaut? Abba Šaúl sagte: die Erschaffung [des Kindes] beginnt mit dem Kopfe und den beiden Augen, wie zwei Fliegentropfen. R. Ḥija lehrte: Sie sind von einander entfernt. Die beiden Nasen[löcher] wie zwei Fliegentropfen.
25R. Ḥija lehrte: Sie sind einander nahe. Sein Mund wie ein gespanntes Haar, sein Glied wie eine Linse, und ist es ein weibliches, die Scheide wie [das Spältchen] über die Länge eines Gerstenkorns,
26und es hat keine Einschnitte an den Händenund den Füßen. Über es heißt es in den Propheten:Ließest du nicht wie Milch mich zerrinnen, und wie Rahm gerinnen? Mit Haut und Fleisch bekleidest du mich, und du durchwebst mich mit Gebein und Sehnen; Leben und Liebe gewährtest du mir, und deine Obhut wahrte meines Odems.
27Man untersuche sie nicht mit Wasser, denn Wasser ist scharf und zersetzt sie,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.