Nidda — Blatt 26a
1[Traktate von] der Erstgeburtgelehrt? —
2Daß der ihm folgendeErstgeborener hinsichtlich der Erstgeburt und nicht Erstgeborener für den Priester sei. —
3Wozu wird vom Sandel im [Traktate von] der Ausrottunggelehrt? —
4Daß sie, wenn sie ein Kind als Seitengeburtund einen Sandel aus dem Muttermunde zur Welt gebracht hat, wegen des Sandeis ein Opfer darbringe. —
5Wie ist es aber nach R. Šimo͑n zu erklären, welcher sagt, die Seitengeburt sei eine richtige Geburt!?
6R. Jirmeja erwiderte: Daß sie, wenn sie eine richtige Geburt als Nichtjüdin und nachher einen Sandel als Proselytin zur Welt gebracht hat, wegen des Sandels ein Opfer darbringe.
7Die Jünger sprachen vor R. Papa: Sind denn diese Erklärungen stichhaltig, es wird ja gelehrt, wenn sie herauskommen, kommen sie nur aneinandergeschlossenheraus!?
8R. Papa erwiderte: Hieraus ist also zu entnehmen, daß die Geburt den Sandel in die Mitte rammt und ihn mit dem Kopfe vordrängt. Im [Traktate von] der Erstgeburt gilt dies von dem Falle, wenn sie mit dem Kopfe voran herausgekommen sind, sodaß der Sandel zuerst herausgekommen ist, und im [Traktate von] der Ausrottung von dem Falle, wenn sie mit den Füßen voran herausgekommen sind, sodaß die Geburt zuerst herausgekommen ist.
9R. Hona b. Taḥlipha erklärte im Namen Rabas: Du kannst auch sagen, genau zusammen, und man wende die Lehren um. Im [Traktate von] der Erstgeburt, wenn sie mit den Füßen voran herausgekommen sind, sodaß die Geburt, in der Leben ist, sich klammert und nicht leicht herauskommt, der Sandel aber, in dem kein Leben ist, rutscht und leicht herauskommt. Im [Traktate von] der Ausrottung aber in dem Falle, wenn sie mit dem Kopfe voran herausgekommen sind, sodaß beim Kinde, in dem Leben ist, die Geburt erfolgt, sobald es den Kopf herausgestreckt hat, beim Sandel aber, erst wenn die größere Hälfte herausgekommen ist.
10BEFINDET SICH EINE NACHGEBURT IM HAUSE, SO IST DAS HAUS UNREIN, NICHT ETWA, WEIL DIE NACHGEBURT ALS GEBURT GILT, SONDERN WEIL ES KEINE NACHGEBURT OHNE GEBURT GIBT.
11R. ŠIMO͑N SAGT, DIE GEBURT HAT SICH AUFGELÖST, BEVOR SIE HERAUSKAM.
12GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Die Nachgeburt gleicht anfangs einem Einschlagsfaden, später aber wird sie wie eine Lupine; und sie ist hohl wie eine Trompete; und es gibt keine Nachgeburt unter einer Handbreite. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, die Nachgeburt gleiche einem Hühnermagen, von dem die Dünndärme ausgehen.
13R. Oša͑ja, der kleinste unter den Genossen, lehrte: Fünf sind es, bei denen die Handbreite als Norm gilt: die Nachgeburt, das Blashorn, der Strunk, die Wand der Festhütte und das Ysopbündel.
14Die Nachgeburt, wie wir eben gesagt haben. Das Blashorn, wie gelehrt wird: Welche Größe muß das Blashornhaben? R. Šimo͑n b. Gamliél erklärte: Daß es, wenn man es in der Hand hält, an der einen Seite und an der anderen Seite je eine Handbreite zu sehen sei. —
15Welches Bewenden hat es mit dem Strunke? — R. Parnakh sagte im Namen R. Joḥanans, der Strunk des Palmenzweigesmuß die Myrte um eine Handbreite überragen. Die Wand der Festhütte, denn es wird gelehrt: Zwei [Wände] nach Vorschrift und die dritte auch in Handbreite. Das Ysopbündel, denn R. Ḥija lehrte: Das Ysopbündeleine Handbreite.
16R. Hanina b. Papa sagte: Šila aus Kephar Tamarta trug drei fixierte Lehren und zwei mündliche Lehren vor, bei denen eine Handbreite normiert ist — Wieso zwei, es ist ja nur eine!? Abajje erwiderte: Lies: R. Ḥija sagte, das Ysopbündel müsse eine Handbreite haben. —
17Gibt es denn keine mehr, es gibt ja noch folgende Lehre!? [Ein Raum] von einer Handbreite zu einer Handbreite in der Höhe von einer Handbreite, kubisch, nimmt die Unreinheit aufund hält die Unreinheitzurück. —
18Wir sprechen von einer Handbreite, von einer Handbreite zu einer Handbreite aber sprechen wir nicht. —
19Es gibt ja noch folgendes!? Ein Stein, der eine Handbreite aus einem Ofen oder drei Finger aus einem Kochherde herausragt, gilt als Verbindung!? —
20Wir sprechen nur von Fällen, in denen es nicht weniger als eine Handbreite sein darf, während hierbei einer unter einer Handbreite erst recht als Griff des Ofens gilt.
21Es gibt ja aber noch
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.