Nidda — Blatt 26b
1[die Norm] einer Handbreite bei einem Ofen!? Es wird nämlich gelehrt: Der Ofen, wenn er von Anfang an vier [Handbreiten] hat oder die Reste vier haben — so R. Meír.
2Die Weisen sagen: Dies gilt nur von einem großen, ein kleiner aber, von irgendwelcher Größe, sobald er fertigist, und von den Resten die größere Hälfte.
3Was heißt irgendwelche Größe? R. Jannaj erwiderte: Eine Handbreite, denn man pflegt Öfen von einer Handbreite zu machen. — Von Fällen, über die ein Streit besteht, spricht er nicht. —
4Da du nun daraufgekommen bist, so besteht ein Streit auch über jenen Fall, denn im Schlußsatze wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Sie sprechen von einer Handbreite nur vom Ofen bis zur Wand. —
5Es gibt ja noch die Randleistein Handbreite!? — Von in der Schrift genannten Dingen spricht er nicht. — Es gibt ja noch den Sühnedeckelin Handbreite!? — Von heiligen Dingen spricht er nicht. —
6Es gibt ja noch [folgende Lehre:] es genügt wenn der Balken eine Handbreite breit ist!? — Von rabbanitischen [Gesetzen] spricht er nicht, sondern nur von in der Schrift befindlichen, bei denen aber das Maß nicht angegeben ist.
7R. Jiçḥaq b. Šemuél b. Martha saß vor R. Kahana und trug vor: R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die ersten drei Tageführe man die Nachgeburt auf das Kind zurück, von dann ab aber berücksichtige man eine zweiteGeburt.
8Da sprach dieser zu ihm: Kann Rabh dies denn gesagt haben, Rabh sagte ja, die [andere] Geburt folge der ersten unmittelbar!? Da schwieg er. Hierauf sprach er zu ihm: Vielleicht gilt eines von einer Fehlgeburt und eines von einer lebensfähigen.
9Da sprach jener: Du willst die Lehre Rabhs erklären!? Ausdrücklich sagte Rabh wie folgt: Hat sie eine Fehlgeburt und nachher eine Nachgeburt ausgestoßen, so führe man drei Tage die Nachgeburt auf die Geburt zurück, von dann ab aber berücksichtige man eine zweite Geburt; hat sie ein lebensfähiges Kind geboren und nachher eine Nachgeburt ausgestoßen, so ist auch nach zehn Tagen keine zweite Geburt zu berücksichtigen.
10Einst saßen Šemuél und die Schüler Rabhs, und R. Joseph, Sohn des R. Menasja aus Devil, ging an ihnen eilig vorüber. Da sprach er: Da kommt ein Mann heran, den wir mit einem Strohhalme zurückdrängen können, und er ist erledigt.
11Währenddessen kam er heran, und Šemuél sprach zu ihm: Was sagte Rabh über die Nachgeburt? Dieser erwiderte: Folgendes sagte Rabh: man führe die Nachgeburt nur auf ein lebensfähiges [Kind] zurück. Da fragte Šemuél alle Schüler Rabhs, und sie erwiderten ihm, dem sei auch so. Hierauf sah er R. Jehudaböse an.
12R. Jose b. Šaúl fragte Rabbi: Wie ist es, wenn [eine Frau] die Gestalt eines Raben und eine Nachgeburt ausgestoßenhat? Dieser erwiderte: Man führe sie nur auf das zurück, das eine solche hat. —
13Wie ist es, wenn die Nachgeburt daran haftet? Dieser erwiderte: Du fragst über etwas, das es nicht gibt. Er wandte gegen ihn ein: Wenn [eine Frau] eine Art Vieh, Wild oder Vogel ausgestoßen hat und damit eine Nachgeburt, so ist, wenn die Nachgeburt daran haftet, eine andere Geburt nicht zu berücksichtigen, und wenn die Nachgeburt nicht daran haftet, eine andere Geburt zu berücksichtigen und ihr
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.