Nidda — Blatt 27a
1die Erschwerungen zweier Geburten aufzuerlegen, denn man nehme an, die Eihaut der Nachgeburt kann sich aufgelöst haben, und ebenso kann die Nachgeburt der Eihaut sich aufgelöst haben!? — Eine Widerlegung.
2Rabba b. Šila sagte im Namen R. Mathnas im Namen Šemuéls: Einst führten sie nach zehn Tagen die Nachgeburt auf das Kind zurück. Aber nur, wenn die Nachgeburt nach dem Kinde kommt, sagten sie, daß man zurückführe.
3Rabba b. Rar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Einst führten sie nach dreiundzwanzig Tagen die Nachgeburt auf das Kind zurück. Da sprach R. Joseph zu ihm: Du sagtest uns vierundzwanzig.
4R. Aḥa, Sohn des R. A͑vira, sagte im Namen R. Jiçḥaqs: Einst kam eine Geburt dreiunddreißig Tage später als die vorangehende. Da sprach R. Joseph zu ihm: Du sagtest uns vierunddreißig. —
5Allerdings kann dies vorkommen nach demjenigen, welcher sagt, daß wenn sie mit neun [Monaten] gebiert, diese auch unvollständig sein können, wenn nämlich eines am Ende des siebenten entwickelt war und eines am Beginne des neunten entwickelt war; wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, wenn sie mit neun gebiert, können diese nicht unvollständig sein!? —
6Wende die Lehre um: dreiunddreißig waren es bei der Nachgeburt und dreiundzwanzig beim Kinde.
7R. Abin b. R. Ada sagte im Namen des R. Menahem aus Kephar Šea͑rim, und wie manche sagen, aus Beth Šea͑rim: Einst kam das andere Kind drei Monate später als das erste. Beide sitzen sie vor uns im Lehrhause, das sind Jehuda und Ḥizqija, die Söhne R. Ḥijas. —
8Der Meister sagte ja aber, ein Weib werde nicht geschwängert und wiederum geschwängert!? Abajje erwiderte: Es war ein Tropfen, der in zwei geteilt wurde; einer war am Beginne des siebenten [Monates] entwickelt, und einer war am Ende des neunten entwickelt.
9BEFINDET SICH EINE NACHGEBURT IM HAUSE, SO IST DAS HAUS UNREIN. Die Rabbanan lehrten: Befindet sich eine Nachgeburt im Hause, so ist das Haus unrein, nicht etwa, weil die Nachgeburt als Geburt gilt, sondern weil es keine Nachgeburt gibt, mit der nicht eine Geburt wäre — so R. Meír. R. Jose, R. Jehuda und R. Šimo͑n erklären es als rein.
10Sie sprachen zu R. Meír: Pflichtest du etwa nicht bei, daß, wenn man sie in einem Becken in den Außenraum hinausgebracht hat, dieser rein sei? Dieser erwiderte: Allerdings. — Weshalb dies? — Weil sie nicht mehr vorhanden ist.
11Jene entgegneten: Wie sie im Außenraume nicht vorhanden ist, ebenso war sie im Innenraume nicht vorhanden. Er erwiderte: Die einmalige Auflösung ist nicht mit der zweimaligen Auflösung zu vergleichen.
12R. Papa saß hinter R. Bebaj vor R. Hamnuna und trug vor: Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Er ist der Ansicht, wenn einer unreinen Sache etwas anderes beigemischt worden ist, sei [die Unreinheit] aufgehoben.
13Da sprach R. Papa zu ihnen: Ist dies auch der Grund R. Jehudas und R. Šimo͑ns? Da lachten sie über ihn: selbstverständlich, womit [sind sie] anders!?
14R. Papa sagte: Auch so elwasunterbreite man seinem Lehrer und schweige nicht, denn es heißt:warst du töricht durch Erhebung, sinnst du nach, so lege die Hand auf den Mund.
15R. Šimo͑n vertritt hierbei seine Ansicht, denn es wird gelehrt: Ist in einen Löffel voll Moderetwas Erde gekommen, so ist er unrein, nach R. Šimo͑n aber rein. —
16Was ist der Grund R. Šimo͑ns? Rabba erwiderte: Ich traf die Jünger der Schule Rabhs dasitzend, und sie sagten: Weil es nicht möglich ist, daß nicht [an einer Stelle] zwei Körnchen Erde die Mehrheit erlangen über ein Körnchen Moder, sodaßetwas fehlt.
17Da sprach ich zu ihnen: Im Gegenteil, es ist ja nicht möglich, daß nicht [an einer Stelle] zwei Körnchen Moder
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.