Nidda — Blatt 29a
1Dies ist zur Teilung nötig, um zwischen der Wertschätzung eines Mannes und der Wertschätzung eines Weibes zu teilen.
2KOMMT [DIE GEBURT] ZERSTÜCKELT ODER VERKEHRT HERAUS &C. R. Elea͑zar sagte: Selbst wenn der Kopf dabei ist.
3R. Joḥanan aber sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn der Kopf nicht dabei ist, ist aber der Kopf dabei, so ist dieseine Geburt.
4Es wäre anzunehmen, daß sie über eine Lehre Šemuéls streiten, denn Šemuél sagte, der Kopf befreie nicht bei Fehlgeburten.
5Über eine vollständige [Geburt] streitet niemand, sie streiten nur über eine zerstückelte; einer ist der Ansicht, [der Kopf] sei nur bei vollständigen von Bedeutung, bei einer zerstückelten aber sei er nicht von Bedeutung, und einer ist der Ansicht, er sei auch bei zerstückelten von Bedeutung.
6Eine andere Lesart: Nur wenn sie zerstückelt oder verkehrt herauskommt, wenn aber normal, so befreit der Kopf. Beide sind also nicht der Ansicht Šemuéls, denn Šemuél sagte, der Kopf befreie nicht bei Fehlgeburten.
7Manche lehren dies als selbständige Lehre. R. Elea͑zar sagt, der Kopf gelte nicht als Mehrheit der Glieder, und R. Joḥanan sagt, der Kopf gelte als Mehrheit der Glieder. Sie streiten also über die Lehre Šemuéls. —
8Wir haben gelernt: Kommt [die Geburt] zerstückelt oder verkehrt heraus, so gilt sie, sobald die größere Hälfte herauskommt, als geboren. Wenn er ‘oder verkehrt’ lehrt, so ist wohl unter ‘zerstückelt’ normalzu verstehen, und er lehrt, sobald die größere Hälfteherauskommt, gelte sie als geboren. Dies ist also ein Einwand gegen R. Joḥanan!? —
9R. Joḥanan kann dir erwidern: man lese ‘zerstückelt und verkehrt’. — Es heißt ja ‘oder’!? —
10Er meint es wie folgt: Kommt sie zerstückelt oder vollständig heraus, jedoch in beiden Fällen verkehrt, so gilt sie, sobald die größere Hälfte herauskommt, als geboren.
11R. Papa sagte: Hierüber streiten Tannaím: Kommt sie zerstückelt oder verkehrt heraus, so gilt sie, sobald die größere Hälfte herauskommt, als geboren. R. Jose sagt, wenn sie normal herauskommt. Wie ist dies zu verstehen?
12R. Papa erwiderte: Er meint es wie folgt: Kommt sie zerstückelt und verkehrt heraus, so gilt sie, sobald die größere Hälfte herauskommt, als geboren; wenn aber normal, so befreit der Kopf. R. Jose sagt, sobald die größere Hälfte normal herauskommt.
13R. Zebid wandte ein: Demnach befreit, wenn verkehrt, auch die größere Hälfte nicht, während uns doch bekannt ist, daß die größere Hälfte dem ganzen gleiche!?
14Vielmehr, erklärte R. Zebid, ist dies wie folgt zu verstehen: Kommt sie zerstückelt und verkehrt heraus, so gilt sie, sobald die größere Hälfte herauskommt, als geboren, wenn aber normal, so befreit auch der Kopf. R. Jose sagt, wenn sie normal lebensfähig herauskommt.
15Ebenso wird auch gelehrt: Kommt sie zerstückelt und verkehrt heraus, so gilt sie, sobald die größere Hälfte herauskommt, als geboren, wenn aber normal, so befreit der Kopf. R. Jose sagt, wenn sie normal lebensfähig herauskommt.
16Was heißt normal lebensfähig? Wenn der größere Teil des Kopfes herauskommt. Was heißt der größere Teil des Kopfes? R. Jose sagt, wenn die Schläfen herauskommen. Abba Ḥanan sagt im Namen R. Jehošua͑s, wenn die Stirn herauskommt. Manche sagen, wenn die Kopfwinkel zu sehen sind.
17WENN [EINE FRAU] ABORTIERT HAT UND MAN NICHT WEISS, WAS SIE ABORTIERT HAT, SO VERWEILE SIE WIE BEI EINEM KNABEN UND EINEM MÄDCHEN. WEISS MAN NICHT, OB ES EINE GEBURT WAR ODER NICHT, SO VERWEILE SIE WIE BEI EINEM KNABEN UND EINEM MÄDCHEN UND ALS MENSTRUIERENDE.
18GEMARA. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Wenn sie über einen Fluß gegangen ist und abortiert hat, so bringe sie ein Opfer, und es werde gegessen, denn man richte sich nach den meisten Frauen, und die meisten Frauen gebären normale Kinder. —
19Wir haben gelernt: Weiß man nicht, ob es eine Geburt war, so verweile sie wie bei einem Knaben und einem Mädchen und als Menstruierende. Wieso verweile sie als Menstruierende, man sollte doch sagen, man richte sich nach den meisten Frauen, und die meisten Frauen gebären normale Kinder!? —
20Unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn bei ihr keine Geburt festgestellt worden ist, und R. Jehošua͑ b. Levi spricht von dem Falle, wenn bei ihr eine Geburt festgestellt worden ist. —
21Komm und höre: Ist ein Vieh voll [auf die Weide] gegangen und leer zurückgekehrt, so ist die folgende [Geburt] zweifelhaftesErstgeborenes.
22Weshalb denn, man sollte sich doch nach den meisten Tieren richten, und da die meisten Tiere normale Geburten werfen, so ist diese nicht Erstgeborenes!?
23Rabina erwiderte: Es ist zu erwidern: die meisten Tiere werfen, was von der Erstgeburtspflicht befreit, and die wenigsten werfen, was nicht von der Erstgeburtspflicht befreit, da aber alle, die werfen, blutschmutzen, dieses aber nicht geblutschmutzt hat, ist die Präsumtion von der Mehrheit suspekt. —
24Wenn alle, die werfen, blutschmutzen, so ist es ja, da dieses nicht geblutschmutzt hat, ein richtiges Erstgeborenes!? — Sage vielmehr: da aber die meisten, die werfen, blutschmutzen, dieses aber nicht geblutschmutzt hat, ist die Präsumtion von der Mehrheit suspekt.
25Als Rabin kam, sagte er: R. Jose b. R. Ḥanina wandte ein [aus der Lehre] von der in Wirrungbefindlichen, und ich weiß nicht, was dies für ein Einwand sei. — Welches Bewenden hat es damit? — Es wird gelehrt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.