Nidda — Blatt 30b
1so lehrt er es ja schon von der Menstruation!? —
2Daß sie, wenn sie am vierunddreißigsten Tage wahrgenommen hat und am einundvierzigsten Tage abermals wahrnimmt, bis zum achtundvierzigsten Tage unreinist.
3Desgleichen bei einem Mädchen; wenn sie am vierundsiebzigsten Tage wahrgenommen hat und am einundachtzigsten Tage abermals wahrnimmt, so ist sie bis zum achtundachtzigsten Tage unrein.
4R. JIŠMA͑ÉL SAGT, WENN AM EINUNDVIERZIGSTEN, SO VERWEILE SIE WIE BEI EINEM KNABEN UND ALS MENSTRUIERENDE &C. Es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagte: Er hat Unreinheit und Reinheit bei einem Knaben vorgeschrieben und er hat Unreinheit und Reinheit bei einem Mädchen vorgeschrieben;
5wie er bei einem Knaben Unreinheit und Reinheit seiner Bildung entsprechend angeordnet hat, ebenso hat er bei einem Mädchen Unreinheit und Reinheit seiner Bildung entsprechend angeordnet.
6Sie erwiderten ihm: Man folgere nicht hinsichtlich der Bildung von der Unreinheit. Sie sprachen zu R. Jišma͑él: Einst ereignete es sich, daß man mit Sklavinnen der Königin Kleopatravon Alexandrien, die von der Regierung zur Hinrichtung verurteilt worden waren, Versuche anstellte, und es ergab sich, daß [die Entwicklung] bei diesen und jenen mit einundvierzig [Tagen] erfolgt war. Er erwiderte ihnen: Ich bringe euch einen Beweis aus der Tora, und ihr bringt mir einen Beweis von Toren. —
7Welchen Beweis aus der Tora; wollte man sagen [die Schlußfolgerung:] er hat Unreinheit und Reinheit bei einem Knaben vorgeschrieben und er hat Unreinheit und Reinheit bei einem Mädchen vorgeschrieben &c., so erwiderten sie ihm ja, man folgere nicht hinsichtlich der Bildung von der Unreinheit!? —
8Es heißtgebären wird, damithat die Schrift bei einem Mädchen eine zweite Geburt hinzugefügt. —
9Wieso ist jenes ein Beweis von Toren? Vielleicht war beim Mädchen die Konzeption vierzig Tage vorder des Knaben erfolgt. —
10Und die Rabbanan!? — Man hatte sie eine Zerstörungsmixturtrinken lassen. — Und R. Jišma͑él!? — Es gibt Körper, die gegen Mixturen immun sind.
11Hierauf sprach R. Jišma͑él zu ihnen: Einst ereignete es sich, daß man mit Sklavinnen der griechischenKönigin Kleopatra, die von der Regierung zur Hinrichtung verurteilt worden waren, Versuche anstellte, und es ergab sich, daß [die Entwicklung] bei Knaben mit einundvierzig und bei Mädchen mit einundachtzig [Tagen] erfolgt war. Sie erwiderten ihm: Man bringe keinen Beweis von Toren. —
12Wieso ist dies ein Beweis von Toren? — Vielleicht war die mit dem Mädchen vierzig Tage später geschwängert worden. —
13Und R. Jišma͑él!? — Man hatte sie einem Wächter übergeben. — Und die Rabbanan!? — Es gibt keine Sicherheit vor der Unzucht; der Wächter selber kann ihr beigewohnt haben. —
14Vielleicht würde man, wenn man die des Mädchens am einundvierzigsten Tag aufgeschlitzt hätte, es ebenfalls [entwickelt]gefunden haben, wie bei einem Knaben!? Abajje erwiderte: Die Merkmaleglichen einander.
15DIE WEISEN SAGEN, SOWOHL DIE BILDUNG DES MÄNNLICHEN ALS AUCH DIE BILDUNG DES WEIBLICHEN &C. Die Weisen sagen ja dasselbe, was der ersteAutor!?
16Wolltest du erwidern, er wolle die Ansicht der Rabbanan anonymlehren, weil bei [einem Streite] zwischen einem einzelnen und einer Mehrheit die Halakha nach der Mehrheit zu entscheiden ist, so ist dies ja selbstverständlich!? —
17Man könnte glauben, die Ansicht R. Jišma͑éls sei einleuchtender, denn ihn unterstützt auch der Schriftvers, so lehrt er uns.
18R. Simlaj trug vor: Das Kind im Leibe seiner Mutter gleicht einer zusammengeschlagen liegenden Schreibmappe. [Beide] Hände an beiden Schläfen, beide Armgelenke an beiden Kniegelenken, beide Fersen an beiden Hinterbacken, und der Kopf befindet sich zwischen den Schenkeln; der Mund ist geschlossen und der Nabel offen. Es ißt, was seine Mutter ißt, es trinkt, was seine Mutter trinkt, und es scheidet keinen Kot aus, denn dadurch könnte es seine Mutter töten. Kommt es in den Weltenraum, so wird geöffnet, was geschlossen war, und geschlossen, was geöffnet war, denn sonst würde es nicht eine Stunde leben.
19Auf seinem Kopfe brennt ein Licht, und es schaut und sieht von einem Ende der Welt bis zum anderen Ende, wie es heißt:da er seine Leuchte strahlte über meinem Haupte, bei seinem Lichte wandle ich im Finstern. Dies soll dich auch nicht wundern, denn ein Mensch schläft hier und sieht einen Traum aus Spanien.
20Es gibt keine Tage, die der Mensch so angenehm verbringt, wie diese Tage, denn es heißt:O, wäre ich wie in den Monden der Vorzeit, wie in den Tagen, die Gott mich behütete. Welche Tage sind es, die nur Monate und nicht Jahre haben? Es sind die Geburtsmonate.
21Man lehrt ihn die ganze Tora, wie es heißt:er unterwies mich und sprach zu mir: Dein Herz erfasse meine Worte, wahre meine Gebote und du lebst. Ferner heißt es:Im Vertrauen Gottes, der über meinem Zelte. —
22Wozu das ‘ferner’? — Man könnte glauben, dies habe der Prophet gesprochen, so komm und höre: im Vertrauen Gottes, der über meinem Zelte.
23Sobald er in den Weltenraum gekommen ist, kommt ein Engel, klapst ihn auf den Mund, und macht ihn die ganze Tora wieder vergessen, denn es heißt:an der Tür lagert die Sünde.
24Er kommt von dort nicht eher heraus, als bis man ihn hat schwören lassen, denn es heißt:denn mir beugen wird sich jedes Knie, jede Zunge schwören. Denn mir beugen wird sich jedes Knie, das ist der Tag des Todes, denn es heißt:vor ihm beugen sich, die in den Staub sinken. Jede Zunge schwören, das ist der Tag der Geburt, denn es heißtwer rein ist an Händen und lautern Herzens, dessen Seele nicht nach Eitlem verlangt, der nicht zum Truge geschworen.
25Wie lautet der Schwur, den man ihn schwören läßt? — Sei gerecht und sei nicht gottlos; und auch wenn die ganze Welt zu dir sagt, du seiest ein Gerechter, sei gottlos in deinen Augen. Und wisse, daß der Heilige, gepriesen sei er, rein ist, seine Diener rein sind, und die Seele, die er in dich getan, rein ist. Bewahrest du sie in Reinheit, so ist es recht, wenn aber nicht, so nehme ich sie dir ab.
26In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Wie wenn ein Priester einem Manne aus dem gemeinen Volke Hebe gibt und zu ihm spricht: Willst du sie in Reinheit bewahren, so ist es recht, wenn aber nicht, so verbrenne ich sie vor dir.
27R. Elea͑zar sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.