Nidda — Blatt 31b

1Allein, weil sie sich [mit dem Gliede] im Leibe enthielten, damit ihre Frauen zuerst Erguß haben sollten, rechnet es ihnen die Schrift an, als hätten sie viele Söhne und Söhnessöhne [gezeugt]. Das ist es, was R. Qaṭṭina sagte: Ich bringe es fertig, daß all meine Kinder männlich seien. Raba sagte: Wer all seine Kinder männlich haben will, vollziehe den Geschlechtsakt und wiederhole ihn.

2R. Jiçḥaq sagte im Namen R. Amis: Ein Weib wird nur nahe ihrer Periode schwanger, denn es heißt:siche, in Schuld ward ich gezeugt.

3R. Joḥanan sagt, nahe dem Reinigungsbade, denn es heißt:und in Sünde empfing mich meine Mutter. —

4Wieso ist es erwiesen, daß ‘Sünde’ den Begriff ‘reinigen’ hat? — Es heißt:er entsündige das Haus, und wir übersetzen dies: er reinige das Haus. Wenn du aber willst, sage ich: hieraus:entsündige mich mit Ysop, daß ich rein werde.

5Ferner sagte R. Jiçḥaq im Namen R. Amis: Kommt ein Männliches auf die Welt, so kommt Friede in die Welt, denn es heißt:sendet ein Geschenk[Kar] für den Beherrscher des Landes. Zakhar [Männliches] heißt zekar [dies ist ein Geschenk].

6Ferner sagte R. Jiçḥaq im Namen R. Amis: Kommt ein Männliches in die Welt, so kommt sein Brotlaib mit ihm, denn zakhar heißt ze kar, und es heißt:und er richtete ihnen ein großes Gastmahl [kera] her.

7Ein Weibliches bringt nichts mit, denn neqebah [Weibliches] bedeutet neqijah baá [leer kommt sie]. Solange sie nicht um Unterhalt bittet, gibt man ihr nichts, wie es heißt:bestimme deinen Lohn, und ich will ihn geben.

8Seine Schüler fragten R. Šimo͑n b. Joḥaj: Weshalb sagt die Tora, daß eine Wöchnerin ein Opfer darbringe? Er erwiderte ihnen: Wenn sie zum Gebären niederkniet, schwört sie spontan, sich nie mehr ihrem Manne hinzugeben, daher sagt die Tora, daß sie ein Opfer bringe.

9R. Joseph wandte ein: Sie tut es ja vorsätzlich, und es hängt ja von der Reueab!? Ferner sollte sie ein Opfer wegen Schwörensdarbringen!?

10Und weshalb sagt die Tora, für ein Männliches nach sieben und für ein Weibliches nach vierzehn [Tagen]!? — Bei einem Männlichen, mit dem alle sich freuen, bereut sie es nach sieben [Tagen], bei einem Weiblichen, mit dem alle traurig sind, bereut sie es nach vierzehn [Tagen]. —

11Und weshalb sagt die Tora, die Beschneidung mit acht[Tagen]? — Damit nicht alle anderen fröhlich und sein Vater und seine Mutter traurig seien.

12Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Weshalb bestimmte die Tora für die Menstruierende sieben Tage? Weil sie ihm, da er sie immer hat, trivial werden könnte. Daher sagt die Tora, daß sie sieben Tage unrein sei, damit sie [nachher] ihrem Manne so lieb sei, wie [sie es war], als sie unter den Baldachin trat.

13Seine Schüler fragten R. Dostaj b. R. Jannaj: Weshalb bewirbt sich der Mann um die Frau und nicht die Frau um den Mann? Ein Gleichnis mit einem Menschen, der etwas verlorenhat. Wer sucht wen? Der Verlierende sucht das Verlorene. —

14Und weshalb der Mann mit dem Gesichte nach unten und das Weib mit dem Gesichte nach oben, dem Manne zugewendet? — Er nach der Stelle, woher er erschaffen wurde, und sie nach der Stelle, woher sie erschaffen wurde. —

15Und weshalb ist der Mann leicht zu besänftigen und das Weib nicht leicht zu besänftigen? — Er wie das, worauser erschaffen wurde, und sie wie das, woraus sie erschaffen wurde. —

16Und weshalb hat das Weib eine zarte Stimme und der Mann keine zarte Stimme? — Er wie das, worauser erschaffen wurde, und sie wie das, woraus sie erschaffenwurde. So heißt es auch:Laß mich deine Stimme hören, denn zart ist deine Stimme und deine Gestalt anmutig.

17DIE SAMARITANERINNEN GELTEN VON DER WIEGE AUS ALS MENSTRUIERENDE, UND DIE SAMARITANER MACHEN DAS UNTERPOLSTER WIE DIE OBER[DECKE] UNREIN, WEIL SIE MENSTRUIERENDEN BEIWOHNEN,

18DENN SIE VERWEILEN WEGEN JEDER BLUTART [IN UNREINHEIT].

19MAN IST ABER IHRETWEGEN NICHT SCHULDIG WEGEN BETRETENS DES HEILIGTUMS, UND MAN VERBRENNE IHRETWEGEN KEINE HEBE, WEIL IHRE UNREINHEIT ZWEIFELHAFT IST.

20GEMARA. In welchem Falle: haben sie wahrgenommen, so sind es ja auch unsere [Kinder], und haben sie nicht wahrgenommen, so sind es ja auch ihre nicht!?

21Rabba, Sohn des R. Aḥa b. R. Hona, erwiderte im Namen des R. Šešeth: Dies gilt von dem Falle, wenn man es nicht weiß; da es wenige gibt, die wahrnehmen, so berücksichtige man dies. — Wer ist der Autor, der die Minderheit berücksichtigt? —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.