Nidda — Blatt 32b

1Dies schließt einen Mann aus hinsichtlich des roten [Flusses]. —

2Es wird gelehrt: Ein Weib, ich weiß dies von einem Weibe, woher dies von einem zehn Tagealten Mädchen hinsichtlich des Flusses? Es heißt und ein Weib. Wozu ist dies nötig, es ist ja von der Menstruierendenzu folgern!? —

3Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige es nur von der Menstruierenden geschrieben haben, so könnte man glauben, nur die Menstruierende, weil sie, wenn sie einen Tag wahrnimmt, sieben Tage [in Unreinheit] verweilen muß, nicht aber gilt dies von der Flußbehafteten, die, wenn sie einen Tag wahrnimmt, nur Tag um Tag abzuwartenhat. Daher ist dies nötig. —

4Sollte der Allbarmherzige es nur von der Flußbehafteten und nicht von der Menstruierenden geschrieben haben, und ich würde es gewußt haben, denn es gibt keinen Blutfluß ohne Menstruation!? — Dem ist auch so. — Wozu ist nun der Schriftvers nötig? — Um den Mann hinsichtlich des roten [Flusses] auszuschließen. —

5Sie hat ihn ja bereits einmalausgeschlossen!? — Einmal ihn inbetreff des Samenergussesauszuschließen, und einmal, ihn inbetreff des Blutes auszuschließen.

6Dasselbe gilt auch vom Männlichen. Es wird nämlich gelehrt:Mann, wozu heißt es jederMann? Dies schließt einen einen Tag alten Knaben ein, daß er durch Fluß unrein ist — so R. Jehuda.

7R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagt, dies sei nicht nötig; es heißt:für den Mann und für das Weib, für den Mann, alles was männlich ist, ob erwachsen oder Kind, für das Weib, alles was weiblich ist, ob erwachsen oder Kind. Wozu heißt es demnach jeder Mann? Die Tora gebraucht die Redewendung der Menschen. —

8Demnach schließt die Schrift einen einjährigen Knaben ein; ich will auf einen Widerspruch hinweisen:Ein Mann, ich weiß dies von einem Manne, woher dies von einem neun Jahre und einen Tag alten Knaben? Es heißt und ein Mann!?

9Raba erwiderte: Es sind überlieferte Lehren, und die Rabbanan haben sie an Schriftverse angelehnt. — Welches ist eine überlieferte Lehre und welches ist aus der Schrift; wollte man sagen, hinsichtlich des einen Tag alten sei es eine überlieferte Lehre und hinsichtlich des neun Jahre und einen Tag alten sei es in der Schrift angedeutet, so spricht ja die Schrift allgemein!? —

10Vielmehr, hinsichtlich des neun Jahre und einen Tag alten ist es eine überlieferte Lehre, und hinsichtlich des einen Tag alten ist es in der Schrift angedeutet. — Wozu ist, wenn dies eine überlieferte Lehre ist, der Schriftvers nötig? — Dies schließt ein Weib aus hinsichtlich des weißen [Flusses]. —

11Wozu braucht dies von Männern besonders und von Weibern besonders geschrieben zu werden? —

12Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige es nur von Männern geschrieben haben, so könnte man glauben, weil sie unrein sind bei [Wiederholung der] Wahrnehmungen, wie bei [der Zahl] der Tage, nicht aber gelte dies von Weibern, die nicht unrein sind bei [Wiederholung der] Wahrnehmungen, wie bei [der Zahl] der Tage.

13Und würde der Allbarmherzige es nur von Weibern geschrieben haben, so könnte man glauben, weil sie auch bei Mißgeschickunrein sind, nicht aber gelte dies von Männern, die bei Mißgeschick nicht unrein sind. Daher ist beides nötig.

14SAMARITANER MACHEN DAS UNTERPOLSTER WIE DIE OBER[DECKE] UNREIN. Was heißt das Unterpolster wie die Ober[decke]; wollte man sagen, daß, wenn es zehn Decken sind und er auf ihnen sitzt, alle unrein sind, so ist es ja selbstverständlich, denn er drücktsie ja!? —

15Vielmehr, daß das Unterpolster des einer Menstruierenden Beiwohnenden der Ober[decke] eines Flußbehafteten gleicht; wie die Ober[decke] eines Flußbehafteten nur Speisen und Getränkeunrein macht, ebenso macht das Unterpolster des einer Menstruierenden Beiwohnenden nur Speisen und Getränke unrein. —

16Woher dies von der Ober[decke] eines Flußbehafteten? — Es heißt:wer irgend etwas berührt, was unter ihm ist, ist unrein. Was heißt unter ihm:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.