Nidda — Blatt 3b

1Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich des Widerspruches [der Lehren] vom Fasse, vom Tauchbade und von der Durchgangsgasse; nach jener Erklärung ist ein Widerspruch vorhanden, nach diesen Erklärungen ist kein Widerspruch vorhanden. —

2Welchen Unterschied gibt es bei diesen Erklärungen zwischen der einen und der anderen? — Nach Abajje, wenn sie Watte verwendet,

3nach Raba, wenn sie eingepreßte Watte verwendet.

4Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit [der Erklärung]: wäre Blut vorher vorhanden gewesen, so würde es hervorgekommen sein. Hillel sprach zu Šammaj: Pflichtest du etwa nicht bei, daß, wenn eine Ecke des Korbes für reine Dinge verwendet worden ist und ein Kriechtier in einer anderen Ecke gefunden wird, die bisher reinen Dinge [rückwirkend] unrein sind? Dieser erwiderte: Allerdings. —

5Welchen Unterschied gibt es zwischen diesem und jenem Falle? — Hierbei ist ein Boden vorhanden, da aber ist kein Bodenvorhanden.

6Raba erklärte: Folgendes ist der Grund Šammajs: wegen Unterlassung der Fortpflanzung. Übereinstimmend wird gelehrt: Šammaj sprach zu Hillel: Demnach hinderst du ja die Töchter Jisraels an der Fortpflanzung. —

7Gegen den, der diese Erklärung lehrt, [ist ja einzuwenden,] es gibt ja eine Lehre übereinstimmend mit der Erklärung: wäre Blut vorher vorhanden gewesen, so würde es hervorgekommen sein!? — Da hatte Hillel ihn mißverstanden. Er glaubte, der Grund Šammajs sei, das Blut würde, wenn es vorher vorhanden gewesen wäre, hervorgekommen sein, daher richtete er gegen ihn den Einwand vom Falle mit dem Korbe,

8Šammaj aber erwiderte ihm: Mein Grund ist die Unterlassung der Fortpflanzung, und auch dein auf Mißverständnis beruhender Einwand vom Falle des Korbes [ist zurückzuweisen], denn hierbei ist ein Boden vorhanden, da aber ist kein Boden vorhanden. —

9Gegen den, der jene Erklärung lehrt, [ist ja einzuwenden,] es gibt ja eine Lehre übereinstimmend mit der Erklärung: wegen Unterlassung der Fortpflanzung!? —

10Hillel sprach zu Šammaj wie folgt: Allerdings begründest du es: wäre Blut vorher vorhanden gewesen, so würde es hervorgekommen sein, aber auch nach deiner Ansicht ist eine Umzäunungzu machen, denn womit ist es hierbei anders, als bei der ganzen Tora, bei der wir eine Umzäunung machen.

11Dieser aber erwiderte ihm: Demnach hinderst du die Töchter Jisraéls an der Fortpflanzung. — Und Hillel!? — Er sagt es nicht hinsichtlich der Fortpflanzung, er sagt es nur hinsichtlich der Reinheit. —

12Und Šammaj!? — Auch nicht hinsichtlich der Reinheit, denn wenn dem so ist, ist sein Herz beunruhigt, und er zieht sich zurück.

13Es wurde gelehrt: Wenn eine Ecke eines Korbes für reine Dinge verwendet worden ist und ein Kriechtier in einer anderen Ecke gefunden wird, so sind, wie Ḥizqija sagt, die bisher reinen Dinge rein, und wie R. Joḥanan sagt, die bisher reinen Dinge unrein. —

14Aber Šammaj pflichtet ja Hillelbei, daß bei einem Korbe die bisher reinen Dinge unrein sind!? — Sammaj pflichtet Hillel nur in dem Falle bei, wenn der Korb einen Boden hat, Ḥizqija und R. Joḥanan aber streiten über einen Korb, der keinen Boden hat. —

15Was ist, wenn er keinen Boden hat, der Grund R. Joḥanans? — Wenn er keinen Boden, aber einen Randhat. —

16Es wird ja aber gelehrt, daß, wenn jemand zehn Eimer Wasser hintereinander geschöpft hatund in einem von ihnen ein Kriechtier gefunden wird, dieser unrein und alle anderen rein sind, und hierzu sagte Reš Laqiš im Namen R. Jannajs, dies gelte nur von dem Falle, wenn er [oben] keinen Rand hat, wenn er aber [oben] einen Randhat, seien alle unrein.

17Ḥizqija wäre also nicht der Ansicht R. Jannajs!? — Wasser gleitet, Früchte gleiten nicht.

18Oder auch: beim Wasser achtet man daraufnicht, bei Früchten achtet man darauf.

19Wenn du willst, sage ich: Šammaj pflichtet Hillel bei nur bei einem Korbe, der nicht untersucht wordenist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.