Nidda — Blatt 4a
1Ḥizqija und R. Joḥanan aber streiten über einen Korb, der untersucht worden ist; einer ist der Ansicht, man hat ihn ja untersucht, und einer ist der Ansicht, es kann beim Fortnehmen der Hand hereingekommen sein. —
2Er lehrt ja hiervon ebenso, wie von der Frau, und bei der Frau ist ja eine Untersuchung erfolgt!? — Da bei ihr Blutung häufig ist, so gilt sie als nicht untersucht.
3Wenn du willst, sage ich: Šammaj pflichtet Hillel bei bei einem nicht zugedeckten Korbe, Ḥizqija und R. Joḥanan aber streiten über einen zugedeckten Korb. — Wieso ist [das Kriechtier] in einem zugedeckten hineingekommen? — Wenn die Benutzung mittelst des Deckels erfolgt. —
4Er lehrt ja hiervon ebenso, wie von der Frau, und der Fall von der Frau gleicht ja einem zugedeckten!? — Da bei ihr Blutung häufig ist, so gleicht er einem nicht zugedeckten. Wenn du aber willst, sage ich: Šammaj pflichtet Hillel bei bei einer Ecke eines Korbes, Ḥizqija und R. Joḥanan aber streiten über eine Ecke in einem Hause. —
5Es heißt ja Korb!? — Er meint es wie folgt: wenn man einen Korb, den man in der einen Ecke des Hauses für reine Dinge verwendet hat, nach einer anderen Ecke des Hauses bringt und in der anderen Ecke ein Kriechtier sich darin findet. Ḥizqija ist der Ansicht, wenn von einer Stelle nach einer anderen, belasse man es nicht im Zustande der Unreinheit, und R. Joḥanan ist der Ansicht, man belasse es wohl in diesem Zustande. —
6Belassen wir es denn in diesem Zustande, wir haben ja gelernt: Wenn jemand nachts einen berührt hat, von dem man nicht weiß, ob er lebend oder tot war, und morgens aufsteht und ihn tot findet, so ist er nach R. Meír rein
7und nach den Weisen unrein, denn bei allen Unreinheiten richte man sich nach der Zeit ihrer Auffindung.
8Und hierzu wird gelehrt: Nach der Zeit ihrer Auffindung und nach dem Orteihrer Auffindung!?
9Wolltest du erwidern: nur hinsichtlich der Verbrennung, jedoch sei dies anzunehmen, so wird dies ja auch nicht angenommen,
10denn wir haben gelernt: Findet man eine rostige oder zerbrochene Nadel, so ist sierein, weil man sich bei allen Unreinheiten nach der Zeit ihrer Auffindung richte. Weshalb denn, man sollte doch sagen, diese Nadel war bisher brauchbar und ist erst jetzt rostig geworden!?
11Ferner haben wir gelernt: Findet man ein verbranntes Kriechtierauf Oliven, desgleichen einen zerfetzten Lappen, so ist es rein, weil man sich bei allen Unreinheiten nach der Zeit ihrer Auffindung richte.
12Wolltest du sagen, nach der Zeit ihrer Auffindung, sowohl erleichternd als auch erschwerend, jedoch nur an der Stelle ihrer Auffindung, wenn aber nicht an der Stelle ihrer Auffindung, sei daraufhin nicht zu verbrennen, jedoch [die Unreinheit] anzunehmen,
13so haben wir ja gelernt: Wenn ein Laib sich auf einem Brette befunden hat und unter diesem ein Gehängeliegt, so ist er, obgleich er nicht ohne es zu berühren heruntergefallen sein kann, rein, denn ich nehme an, ein Reiner sei da hineingegangen und habe ihn heruntergenommen,
14es sei denn, jemand sagt, er wisse bestimmt, daß niemand da hineingegangen war. Hierzu sagte R. Elea͑zar, dies [zu lehren] sei wegen des Falles nötig, wenn es eine abschüssige Stelleist. —
15Da wird auch der Grund gelehrt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.