Nidda — Blatt 41b
1und das Blut aus dem Muttermunde. R. Šimo͑n vertritt seine Ansicht und die Rabbanan vertreten ihre Ansicht.
2R. Joseph wandte ein: Erstens ist es ja dasselbe, was der Anfangsatz, und zweitens heißt ja ‘aus dieser Stelle’, die Stelle, woher die Geburt gekommen ist!?
3Vielmehr, erklärte R. Joseph, wenn die Geburt und das Blutaus der Seite gekommen sind,
4und sie streiten, obdie Stelle der Quelleunrein ist; einer ist der Ansicht, die Stelle der Quelle seiunrein, und einer ist der Ansicht, die Stelle der Quelle sei rein.
5Reš Laqiš sagte: Nach dem das Blut unrein ist, ist auch das Weib unrein, und nach dem das Blut rein ist, ist auch das Weib rein. R. Joḥanan aber sagte: Auch nach dem das Blut unrein ist, ist das Weib rein.
6R. Joḥanan vertritt hierbei seine Ansicht, denn R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Woher, daß ein Weib nur dann unrein ist, wenn ihr die Blutung aus der Scham kommt? Es heißt:und ein Mann, der hei einem menstruierenden Weibe liegt, und ihre Scham aufdeckt, er entblößt ihre Blutquelle; dies lehrt, daß ein Weib nur dann unrein ist, wenn ihr die Blutung aus der Scham kommt.
7Reš Laqiš sagte im Namen R. Jehuda des Fürsten: Wenn die Blutquellesich gelöst und auf die Erde gefallen ist, so ist sie unrein, denn es heißt:weil dein Erz überlaufen ist und deine Scham entblößt wurde. –
8In welcher Hinsicht, wollte man sagen, hinsichtlich der siebentägigen Unreinheit, so spricht ja der Allbarmherzige vom Blute und nicht von einem Stücke!? – Vielmehr, hinsichtlich der Unreinheit bis zum Abend.
9R. Joḥanan sagte: Wenn die Blutquelle wie zwei Perlentropfenausgeschwitzt hat, so ist sie unrein, – In welcher Hinsicht, wollte man sagen, hinsichtlich der siebentägigen Unreinheit, so sind ja fünf Blutarten beim Weibe unrein und weiter keine!? – Vielmehr, hinsichtlich der Unreinheit bis zum Abend. Jedoch nur zwei, wenn aber einer, so kann er von anderwärtsgekommen sein.
10ALLE FRAUEN SIND UNREIN, WENN IM VORDEREN RAUME. Was heißt vorderer Raum? Reš Laqiš erwiderte: Was bei einem Kinde, wenn es sitzt, zu sehen ist.
11R. Joḥanan sprach: Diese Stelle gilt ja bei [Berührung eines] Kriechtieresals frei!? Vielmehr, sagte R. Joḥanan, bis zu den Zotten.
12Sie fragten: Gilt die Zottenstelle als innerhalb oder als außerhalb? – Komm und höre: R. Zakkaj lehrte: Bis zu der Zottenstelle, und die Zottenstelle selbst gilt als innerhalb.
13In einer Barajtha wurde gelehrt: Bis zur Dreschstelle. – Welches heißt Dreschstelle? R. Jehuda erwiderte: Wo der Diener drischt.
14Die Rabbanan lehrten:An ihrem Leibe, dies lehrt, daß sie innen wie außen unrein ist. Ich weiß dies von der Menstruierenden, woher dies von der Flußbehafteten? Es heißt:ihr Fluß an ihrem Leibe.
15Woher dies von derjenigen, die Samenerguß ausslößt? Es heißt: sein. R. Šimo͑n sagt, es genüge, daß sie dem gleicht, der ihr beiwohnt; wie der, der ihr beiwohnt, erst dann unrein ist, wenn die Unreinheit nach außen gekommen ist, ebenso ist auch sie unrein, erst wenn die Unreinheit nach außen gekommen ist.
16Ist R. Šimo͑n denn der Ansicht, es genüge, daß sie dem gleicht, der ihr beiwohnt, es wird ja gelehrt:Sie sollen im Wasser baden und bis zum Abend unrein sein. R. Šimo͑n sagte: Was soll uns dies lehren, wenn etwa inbetreff der Berührung mit dem Samenergusse, so heißt es ja bereits untenoder ein Mann!?
17Vielmehr, weil es eine Unreinheit an einer intimen Stelle ist, und eine Unreinheit an einer intimen Stelle nicht unrein macht, nur ist dieseine Bestimmung der Schrift. –
18Das ist kein Einwand; eines, wenn sie beim Geschlechtsakte [den Samen aufnimmt]; und eines, wenn sie ihn ausstößt. –
19Auch wenn sie ihn ausstößt, sollte sie doch schon deshalb [unrein] sein, weil sie ihn beim Geschlechtsakte aufgenommen hat!? – Wenn sie wegen des Geschlechtsaktes ein Tauchbad genommen hat. –
20Demnach reicht die Unreinheit wegen des Geschlechtsaktes bis zum Abend, und dem widersprechend sagte Raba, sie dürfe drei Tage nach dem Geschlechtsakte keine Hebe essen, weil es nicht möglich ist, daß sie nicht etwas ausgestoßen hat!? –
21Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn man sie im Bette untertauchenließ. – Demnach spricht Raba von dem Falle, wenn sie zu Fuß ging und ein Tauchbad nahm, aber dann dürfte sie ihn ja im Gehen verlorenhaben!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.