Nidda — Blatt 48a
1Woher dies von den zwei Jahren beim Erbbesitzfelde? – Die Schrift sagt:nach der Zahl der Ertragsjahre soll er dir verkaufen, zuweilen kann man drei Erträge in zwei Jahrenverkaufen. –
2Woher dies von den sechs Jahren beim hebräischen Sklaven? – Die Schrift sagt:sechs Jahre soll er dienen und im siebenten, er soll auch im siebenten dienen. –
3In welcher Hinsicht bei einem Sohne und bei einer Tochter? R. Gidel erwiderte im Namen Rabhs: Hinsichtlich des Schätzgelübdes. R. Joseph erwiderte: Hinsichtlich des Abschnittes von der Seitengeburt.
4Abajje sprach zu ihm: Streitet ihr? Dieser erwiderte: Nein, er sagt eines und ich sage ein anderes, und wir streiten nicht.
5Dies ist auch einleuchtend, denn wenn man sagen wollte, sie streiten, wer hinsichtlich des Schätzgelübdes sagt, nach dem gelte dies nicht hinsichtlich der Seitengeburt, so sagte ja Rabh, die Halakha sei im ganzen Abschnitte: von Stunde bis zur gleichen Stunde. –
6Weshalb sagt er hinsichtlich des Schätzgelübdes, und sagt nicht hinsichtlich der Seitengeburt? – Gleich jenen; wie jene sich in der Schrift befinden, ebenso diese, die sich in der Schrift befinden. –
7Und jener!? – Wieso heißt es demnachbei einem Sohne und bei einer Tochter, es sollte ja heißen: bei einem Manneund bei einem Weibe.
8R. Jiçḥaq b. Naḥmani sagte im Namen R. Elea͑zars: Die Halakha ist wie R. Jose b. Kiper, der es im Namen R. Elie͑zers sagte. R. Zera sagte: Möge es mir beschieden sein, hinaufzugehenund die Lehre aus dem Munde des Meisters zu lernen.
9Als er hinaufgekommen war und R. Elea͑zar traf, sprach er zu ihm: Sagtest du, die Halakha sei wie R. Jose b. Kiper? Dieser erwiderte: Ich sagte, dies sei einleuchtend. Da er im ganzen Abschnitte ‘und einen Tag’ lehrt, bei diesen aber es nicht lehrt, so ist seine Ansicht einleuchtend.
10IST DAS UNTERE ALNZEICHEN GEKOMMEN, DAS OBERE ABER NOCH NICHT GEKOMMEN, SO KANN ENTWEDER SIE DIE ḤALIÇA VOLLZIEHEN ODER AN IHR DIE SCHWAGEREHE VOLLZOGEN WERDEN.
11IST DAS OBERE GEKOMMEN, DAS UNTERE ABER NOCH NICHT GEKOMMEN, OBGLEICH DIES NICHT MÖGLICH IST, SO KANN, WIE R. MEÍR SAGT, WEDER SIE DIE ḤALIÇA VOLLZIEHEN, NOCH AN IHR DIE SCHWAGEREHE VOLLZOGEN WERDEN.
12DIE WEISEN SAGEN, SIE KANN DIE ḤALIÇA VOLLZIEHEN, AUCH KANN AN IHR DIE SCHWAGEREHE VOLLZOGEN WERDEN. SIE SAGTEN NÄMLICH: DAS UNTERE KANN KOMMEN, BEVOR DAS OBERE GEKOMMEN IST, UNMÖGLICH ABER KANN DAS OBERE KOMMEN, BEVOR DAS UNTERE GEKOMMEN IST.
13GEMARA. ‘Obgleich dies nicht möglich ist’, es ist ja gekommen!? – ‘Gekommen’, nach R. Meír, ‘obgleich dies nicht möglich ist’, nach den Rabbanan. –
14Sollte er doch lehren: ist das obere gekommen, so kann, wie R. Meír sagt, weder sie die Ḥaliça vollziehen noch an ihr die Schwagerehe vollzogen werden, und wie die Weisen sagen, sowohl sie die Ḥaliça vollziehen als auch an ihr die Schwagerehe vollzogen werden; ich würde dann gewußt haben, weil dies nicht möglich ist!? –
15Würde er nicht gelehrt haben: obgleich dies nicht möglich ist, so könnte man glauben, bei den meisten Weibern komme das untere zuerst und bei wenigen komme das obere zuerst, und hierbei vertrete R. Meír seine Ansicht, daß die Minderheit zu berücksichtigen sei, und die Rabbanan vertreten ihre Ansicht, daß die Minderheit nicht zu berücksichtigen sei,
16jedoch nur dann, wenn man darüber nichts weiß, wenn man aber untersucht und nicht gefunden hat, pflichten die Rabbanan R. Meír bei, daß das obere zuerst gekommen ist,
17so lehrt er uns, daß dies nicht möglich ist, vielmehr war es bestimmt gekommen und ist ausgefallen. –
18Erklärlich ist es nach R. Meír, daß es heißt: die Brüste entwickelt und dein Haar gewachsen, nach den Rabbanan aber sollte es ja umgekehrt heißen!? – Er meint es wie folgt: die Brüste entwickelt, sicherlich auch das Haar gewachsen. –
19Erklärlich ist es nach R. Meír, daß es heißt: da die in Miçrajim deine Brüste drückten, weil dein Busen noch jugendlich war, nach den Rabbanan aber sollte es ja umgekehrt heißen!? –
20Er meint es wie folgt: deine Brüste waren da, sicherlich war auch deine Jugendlichkeit vorhanden. Wenn du aber willst, sage ich: das ganze, auch Busen, bezieht sich auf die Brüste, und der Allbarmherzige sprach zu Jisraél wie folgt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.