Nidda — Blatt 48b

1gebauscht waren deine Brüste, und du kehrtest nicht um, geschrumpft sind deine Brüste nunmehr, ohne daß du umkehrst.

2Alle sind also der Ansicht, das untere sei entscheidend; woher dies? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs, und ebenso wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Wenn ein Mann oder ein Weib irgend eine Sünde der Menschen begeht; die Schrift hat das Weib dem Manne gleichgestellt hinsichtlich aller Strafgesetze der Tora; wie der Mann mit einem Anzeichen, ebenso das Weib mit einem Anzeichen. –

3Vielleicht entweder dieses oder jenes!? – Gleich dem Manne, wie beim Manne das untere und nicht das obere, ebenso beim Weibe das untere und nicht das obere.

4Desgleichen wird gelehrt: R. Elie͑zer b. R. Çadoq sagte: In Jabne erklärten sie wie folgt und sagten: ist das untere gekommen, so achte man nicht weiter auf das obere.

5Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Bei den Großstädterinnen kommt das untere früher, weil sie an Bäder gewöhnt sind, bei den Dörflerinnen kommt das obere früher, weil sie bei den Handmühlenmahlen.

6R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Bei den Töchtern der Reichen ist die rechte Seite früher entwickelt, weil sie sich an ihrem Mantelreibt, bei den Töchtern der Armen ist die linke Seite früher entwickelt, weil sie an dieser die Wasserkrüge schöpfen. Und wenn du willst, sage ich: weil sie ihre Brüderchen an der Seite tragen.

7Die Rabbanan lehrten: Die linke Seite ist früher entwickelt als die rechte Seite. R. Ḥanina, Bruderssohn des R. Jehošua͑, sagte: Nie war die linke Seite früher entwickelt als die rechte Seite, ausgenommen eine, die in meiner Nachbarschaft wohnte, bei der die linke Seite früher entwickelt war als die rechte Seite, und später erholte sie sich.

8Die Rabbanan lehrten: Alle, die untersucht werden, sind durch Frauen zu untersuchen. So übergab sie R. Elie͑zer seiner Frau. Desgleichen übergab sie R. Jišma͑él seiner Mutter.

9R. Jehuda sagt, vor diesem Zeitabschnitteund nach diesem Zeitabschnitte seien sie durch Frauenzu untersuchen, während dieses Zeitabschnittes aber dürfen Frauen sie nicht untersuchen, weil man in zweifelhaften Fällen auf die Aussagen hin von Frauen keine Heirat zulasse. R. Šimo͑n sagt, auch während dieses Zeitabschnittes seien sie durch Frauen zu untersuchen, und eine Frau ist verläßlich erschwerend, nicht aber erleichternd.

10Zum Beispiel: ‘sie ist erwachsen’, daraufhin die Weigerung nicht erklären zu können, ‘sie ist minderjährig’, daraufhin die Ḥaliça nicht vollziehen zu können,

11sie ist aber nicht verläßlich, wenn sie sagt: ‘sie ist minderjährig’, daraufhin die Weigerung erklären zu können, ‘sie ist erwachsen’, daraufhin die Ḥaliça vollziehen zu können.

12Der Meister sagte: R. Jehuda sagt, vor diesem Zeitabschnitte und nach diesem Zeitabschnitte seien sie durch Frauen zu untersuchen. Allerdings ist vor diesem Zeitabschnitte eine Untersuchung nötig, denn wenn [Pubertätshaare] vorhanden sind, sind sie auch nach diesem Zeitabschnitte ein Mal,

13wozu aber ist eine Untersuchung nach diesem Zeitabschnitte nötig, Raba sagte ja, hat eine Minderjährige das Alter erlangt, sei keine Untersuchung mehr nötig, denn es besteht die Annahme, daß sie die Pubertätszeichen bekommen hat!? – Nach Raba besteht die Annahme nur hinsichtlich der Weigerungserklärung, hinsichtlich der Ḥaliça aber benötigt sie der Untersuchung.

14«Während dieses Zeitabschnittes aber dürfen Frauen sie nicht untersuchen.» Er ist der Ansicht, während dieses Zeitabschnittes sei es ebenso,

15wie nach diesem Zeitabschnitte, und nach diesem Zeitabschnitte, wo die Annahme Rabas besteht, verlasse man sich auf Frauen, und sie dürfen untersuchen, während dieses Zeitabschnittes aber, wo die Annahme Rabas nicht besteht, verlasse man sich nicht auf Frauen, und Frauen dürfen nicht untersuchen.

16«R. Šimo͑n sagt, auch während dieses Zeitabschnittes seien sie durch Frauen zu untersuchen.» Er ist der Ansicht, während dieses Zeitabschnittes sei es ebenso, wie vor diesem Zeitabschnitte, und sie benötigen der Untersuchung, denn wenn [Pubertätshaare] vorhanden sind, sind sie auch nach diesem Zeitabschnitte ein Mal.

17«Und eine Frau ist verläßlich erschwerend, nicht aber erleichternd.» Wer lehrte dies? – Wenn du willst, sage ich: R. Jehuda, nämlich während dieses Zeitabschnittes,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.