Nidda — Blatt 4b
1denn ich nehme an, ein Reiner sei da hineingegangen und habe ihn heruntergenommen. —
2Sollte man auch hierbei annehmen, ein Rabe sei gekommen und habe es hingeworfen!? — Von einem Menschen, der es absichtlich tut, nehme man es an, von einem Raben aber, der es nicht absichtlich tut, nehme man es nicht an. —
3Merke, beim Falle vom Laibe ist es ja eine zweifelhafte Unreinheit auf Privatgebiet, und jede zweifelhafte Unreinheit auf Privatgebiet ist ja unrein!? — Es ist kein vernünftiges Wesen, das man befragenkönnte, und was kein vernünftiges Wesen ist, das man befragen könnte, ist in einem Zweifel sowohl auf öffentlichem Gebiete als auch auf Privatgebiet rein.
4Wenn du aber willst, sage ich: da handelt es sich um eine rabbanitische Unreinheit. Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt es von einem Gehänge, wie es auch heißt: eines verwehten Blattes.
5DIE WEISEN SAGEN, WEDEH WIE DIESER NOCH WIE JENER &C. Die Rabbanan lehrten: Die Weisen sagen, weder wie dieser noch wie jener; nicht wie Šammaj sagt, der keine Umzäunungfür seine Worte hat, und nicht wie Hillel sagt, der zu sehr übertreibt,
6vielmehr [ist sie unrein] einen Stundentag, falls dies weniger ist als [die Zeit] seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung,
7oder seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung, falls dies weniger ist als ein Stundenlag. In welchem Falle ein Stundentag, falls dies weniger ist als [die Zeit] seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung? Wenn sie sich am Sonntag untersucht und nun gefunden hat, am Montag und am Dienstag sich nicht uniersucht hat, und am Mittwoch sich untersucht und unrein gefunden hat, so sage man nicht, sie sei unrein seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung, sondern nur einen Stundentag.
8In welchem Falle seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung, falls dies weniger ist als ein Stundentag? Wenn sie sich in der ersten Stunde untersucht und rein gefunden hat, in der zweiten und in der dritten Stunde sieh nicht untersucht hat, und in der vierten sich untersucht und unrein gefunden hat, so sage man nicht, sie sei einen Stundentag unrein, sondern nur seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung. —
9Selbstverständlich, wenn sie sich in der ersten Stunde untersucht und rein gefunden hat, kann man sie ja nicht als einen Stundentag unrein erklären!? — Da er lehrt: einen Stundentag, falls dies weniger ist als [die Zeit] seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung, so lehrt er auch: seit der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung, falls dies weniger ist als ein Stundentag.
10Rabba sagte: Folgendes ist der Grund der Rabbanan: eine Frau spürt es selber. Abajje sprach zu ihm: Demnach sollte sie doch an ihrer Zeit genug haben!? Rabba aber wollte damit nur den Scharfsinn Abajjes prüfen. — Was ist demnach der Grund der Rabbanan? —
11Wie R. Jehuda im Namen Šemuéls sagte: Die Weisen haben für die Töchter Jisraéls angeordnet, sich morgens und abends zu untersuchen; morgens, um die reinen Dingeder [vorangehenden] Nacht als rein zu erklären, und abends, um die reinen Dinge des [vorangehenden] Tages als rein zu erklären.
12Diese aber hat, weil sie sich nicht untersucht hat, einen Halbtag verloren. — Wieso einen Halbtag!? — Einen Halbtag mehr.
13R. Papa sprach zu Raba: Zuweilen können ja in einem Stundentage drei Halbtagesein!? — Die Weisen haben eine gleichmäßige Frist festgesetzt, um beim Stundentage keinen Unterschied zu machen.
14Wenn du aber willst, sage ich: damit der Sünder keinen Gewinn erziele. —
15Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen in dem Falle, wenn sie sich zu untersuchen verhindert war.
16JEDE FRAU, DIE EINE REGELMÄSSIGE PERIODE HAT &C. Es wäre anzunehmen, daß unsere Mišna die Ansicht R. Dosas vertritt und nicht die der Rabbanan. Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagt, vier Frauen haben an ihrer Zeit genug: eine Jungfrau, eine Schwangere, eine Säugende und eine Alte. R. Dosa sagt, jede Frau, die eine regelmäßige Periode hat, hat an ihrer Zeit genug. —
17Du kannst auch sagen, die der Rabbanan, denn die Rabbanan streiten gegen R. Dosa nur über den Fall, wenn außerhalb ihrer regelmäßigen Periode, wenn aber zur Zeit ihrer regelmäßigen Periode, pflichten sie ihm bei, unsere Mišna aber spricht von der Zeit ihrer regelmäßigen Periode, nach aller Ansicht. —
18Demnach ist R. Dosa der Ansicht, auch außerhalb ihrer regelmäßigen Periode, somit gilt das, was die Rabbanan gelehrt haben, der Blutfleck einer Frau, die eine regelmäßige Periode hat, sei rückwirkendunrein, obgleich sie, wenn sie außerhalb der Zeit ihrer regelmäßigen Periode wahrnimmt, nur einen Stundentag [rückwirkend] unrein ist,
19nach den Rabbanan und nicht nach R. Dosa. — Du kannst auch sagen, nach R. Dosa, denn R. Dosa streitet gegen die Rabbanan nur über die Zeit ihrer regelmäßigen Periode, wenn aber außerhalb der Zeit ihrer regelmäßigen Periode, pflichtet er ihnen bei. Unsere Mišna spricht von der Zeit ihrer regelmäßigen Periode, nach R. Dosa,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.