Nidda — Blatt 50b

1so benötigen sie gepflückt der Beabsichtigung. Er ist der Ansicht, die Beabsichtigung [am Boden] haftend gilt nicht als Beabsichtigung.

2Raba sagte: Auch wir haben demgemäß gelernt: dreizehn Dinge wurden vom Aase eines reinen Vogels gesagt; eines von ihnen ist folgendes: es benötigt der Beabsichtigungund benötigt nicht der Befähigung. Die Beabsichtigung beim Lebendengilt also nicht als Beabsichtigung, ebenso gilt hierbei die Beabsichtigung beim [am Boden] Haftenden nicht als Beabsichtigung.

3R. Zera erwiderte: Da handelt es sich um eine aus der Höhe gefallene junge Taube, die [vorher] garnicht da war, um über sie irgend welche Bestimmung zu treffen.

4Abajje sprach zu ihm: Wie ist es hinsichtlich des Huhns in Jabnezu erklären!? Dieser erwiderte: Es war ein Auerhahn.

5Da lachten sie über ihn: ein Auerhahn ist ja ein unreiner Vogel, und ist ein unreiner Vogel denn verunreinigend!? Da sprach Abajje zu ihnen: Ein bedeutender Mann hat etwas gesagt, lacht nicht darüber; es handelte sich um ein Huhn, das fortgelaufenwar, und er nennt es deshalb Auerhahn, weil es ihrem Eigentümer verwildert war.

6R. Papa sagte: Es war ein Feldhuhn. R. Papa vertritt hierbei seine Ansicht, denn R. Papa sagte: Der Feldhalm ist verboten, die Feldhenne ist erlaubt. Als Merkzeichen diene dir: der A͑mmoniteund nicht die A͑mmoniterin.

7Meremar trug vor: Die Feldhenne ist verboten, denn die Rabbanan beobachteten, daß sie anpackendfrißt. Sie ist mit Geruthaidentisch.

8Die Rabbanan lehrten: Wenn eine junge Taube in eine Kelter gefallen ist, und man beabsichtigt hat, sie für einen Nichtjuden heraufzuholen, so ist sie unrein, wenn aber für einen Hund, so ist sie rein. R. Joḥanan b. Nuri sagt, auch wenn für einen Hund, sei sie unrein.

9R. Joḥanan b. Nuri sprach: Es ist [ein Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn ihr ohne Beabsichtigung eine schwere Unreinheitanhaftet, wie sollte ihr ohne Beabsichtigung nicht eine leichte Unreinheitanhaften!?

10Sie erwiderten ihm: Nein, wenn du dies von der schweren Unreinheit sagst, bei der es nicht dazu kommt, sollte dies auch von der leichten Unreinheit gelten, bei der es dazu kommt!?

11Er erwiderte ihnen: Vom Falle mit dem Huhn in Jabneist [das Entgegengesetzte] zu beweisen: bei diesem kam es dazu, und sie erklärten es als unrein ohne Beabsichtigung. Sie erwiderten ihm: Soll dies ein Beweis sein? Da waren Nichtjuden, die es zu essen beabsichtigt hatten. –

12In welchem Falle: wenn in Großstädten, so ist ja keine Beabsichtigung nötig, denn wir haben ja gelernt, das Aas eines reinen Viehs überall und das Aas eines reinen Vogels und Talg in Großstädtenbenötigen nicht der Beabsichtigung und nicht der Befähigung;

13und wenn in Dörfern, so gibt es ja niemand, nach dem die Beabsichtigung nicht erforderlich wäre, denn wir haben gelernt, das Aas eines unreinen Viehs überall und das Aas eines reinen Vogels in Dörfern benötigen der Beabsichtigung, und sie benötigen nicht der Befähigung!?

14R. Zee͑ri b. Ḥenana erwiderte: Tatsächlich in einer Großstadt, nur wird sie in der Kelter widerwärtig, sodaß es ebenso ist, wie in einem Dorfe.

15«R. Joḥanan b. Nuri sprach: Es ist [ein Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn ihr ohne Beabsichtigung eine schwere Unreinheit anhaftet, wie sollte ihr ohne Beabsichtigung nicht eine leichte Unreinheit anhaften!?

16Sie erwiderten ihm: Nein, wenn du dies von der schweren Unreinheit sagst, bei der es nicht dazu kommt.»

17Was heißt, bei der es nicht dazu kommt? Raba erwiderte: Sie sprachen zu ihm wie folgt: Nein, wenn du dies von der schweren Unreinheit sagst,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.