Nidda — Blatt 52a
1Dies schließt Wohlgerüche ein.
2HAT EIN MÄDCHEN ZWEI HAAREBEKOMMEN, SO KANN SIE DIE ḤALIÇA VOLLZIEHEN UND AN IHR DIE SCHWAGEREHE VOLLZOGEN WERDEN, UND SIE IST ZU ALLEN IN DER TORA GENANNTEN GEBOTEN VERPFLICHTET.
3EBENSO IST EIN KNABE, DER ZWEI HAARE BEKOMMEN HAT, ZU ALLEN IN DER TORA GENANNTEN GEBOTEN VERPFLICHTET. [DAS GESETZ] VOM MISSRATENEN UND WIDERSPENSTIGEN SOHNEIST BEI IHM ANWENDBAR, SOBALD ER ZWEI HAARE BEKOMMEN HAT, BIS IHM RINGSHERUM EIN BART GEWACHSENIST.
4DER UNTERE [BART] UND NICHT DER OBERE; DIE WEISEN REDEN NÄMLICH EINE EUPHEMISTISCHE SPRACHE.
5HAT EIN MÄDCHEN ZWEI HAARE BEKOMMEN, SO KANN SIE NICHT MEHR DIE WEIGERUNG ERKLÄREN. R. JEHUDA SAGT, SOBALD ES ÜBERWIEGEND SCHWARZ IST.
6GEMARA. Wenn er schon lehrt, sie sei zu allen in der Tora genannten Geboten verpflichtet, wozu heißt es weiter, sie könne die Ḥaliça vollziehen und an ihr könne die Schwagerehe vollzogen werden!? –
7Dies schließt die Ansicht R. Joses aus; dieser sagt, im Abschnittesei die Rede vom ‘Manne’, bei der Frau aber sei es einerlei, ob erwachsen oder minderjährig, so lehrt er uns: nur wenn sie zwei Haare bekommen hat, sonst aber nicht, denn das Weib gleicht dem Manne. –
8Wenn er schon lehrt, ebenso ein Knabe, sobald er zwei Haare bekommen hat, wozu heißt es weiter, er sei zu allen in der Tora genannten Geboten verpflichtet!?
9Wolltest du sagen, weil er weiter lehren will, bei ihm sei [das Gesetz vom] mißratenen und widerspenstigen Sohne anwendbar, so haben wir dies ja bereits einmal gelernt!? Wann kann er mißratener und widerspenstiger Sohn sein? Sobald er zwei Haare bekommen hat, bis ihm ringsum ein Bart gewachsen ist. Der untere [Bart] und nicht der obere; die Weisen reden nämlich eine euphemistische Sprache. –
10Dem ist auch so; da er es aber beim Mädchen angibt, gibt er es auch beim Knaben an.
11HAT EIN MÄDCHEN BEKOMMEN &C. R. Abahu sagte im Namen des R. Elea͑zar: Die Halakha ist wie R. Jehuda,
12jedoch pflichtet R. Jehuda bei, daß sie, wenn sie, nachdem sie zwei Haare bekommen hat, beschlafen worden ist, nicht mehr die Weigerung erklären kann.
13Die Genossen R. Kahanas wollten eine Entscheidung nach R. Jehuda treffen, obgleich sie beschlafen worden war,
14da sprach R. Kahana zu ihnen: Hat sich etwa nicht folgendes zugetragen!? Einst kam die Tochter R. Jišma͑élsins Lehrhaus, um die Weigerung zu erklären, und ihr Kind saß rittlings auf ihrer Schulter. An jenem Tage wurden im Lehrhause die Worte R. Jišma͑éls erwähnt, und sie weintenda heftig,
15indem sie sprachen: An dem, was dieser Fromme gesagt hat, muß nun sein Nachkomme straucheln.
16R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls im Namen R. Jišma͑éls:Und sie ist nicht ergriffen worden, nur dann ist sie verboten, ist sie aber ergriffenworden, so ist sie erlaubt; eine andere aber ist erlaubt, auch wenn, sie nicht ergriffen worden ist, nämlich die, deren Antrauung eine irrtümlichewar. Selbst wenn sie ihr Kind auf ihrer Schulter reiten hat, darf sie die Weigerung erklären und fortgehen.
17Sie stimmten dann ab und entschieden, eine Tochterkönne solange die Weigerung erklären, bis sie zwei Haare bekommen hat. Da traten sie zurück und trafen die Entscheidung nicht.
18R. Jiçḥaq und die Schüler R. Ḥaninas trafen eine Entscheidung nach R. Jehuda, obgleich sie bereits beschlafen worden war. Da ging R. Šamen b. Abba und berichtete es R. Joḥanan, und R. Joḥanan berichtete es R. Jehuda dem Fürsten. Da sandte er eine Mannschaft und ließ sie fortholen.
19R. Ḥisda sagte im Namen Mar U͑qabas: Nicht etwa wirklich überwiegend schwarz, sondern daß, wenn zwei Haare anliegen, sie überwiegend schwarz erscheinen. Raba sagte: Wenn die zwei Haare von Rand zu Rand reichen.
20R. Ḥelbo sagte im Namen R. Honas: Die zwei Haare, von denen sie sprechen, müssen an den Wurzeln Grübchen haben. R. Malkiju sagte im Namen des R. Ada b. Ahaba: Grübchen, auch wenn keine Haare da sind.
21R. Ḥanina, Sohn des R. Iqa, sagte: Die Lehren vom Spieße, von den Sklavinnenund von den Grübchen sind von R. Malkiju; die von den Haarlocken, von der Ascheund vom Käsesind von R. Malkija.
22R. Papa sagte: [Bezügliches auf] eine Mišna und eine Barajtha ist von R. Malkija, selbständige Lehren sind von R. Malkiju. Als Merkzeichen diene dir: die Mišna ist Königin. –
23Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen bei [der Lehre von den] Sklavinnen.
24R. Aši sagte: Mar Zuṭra sagte mir: R. Ḥanina aus Sura wandte folgendes ein: Demnachsollte doch der Autor nicht unterlassen haben, es von Grübchen zu lehren!? – Würde er es von Grübchen gelehrt haben, so könnte man glauben, nur wenn es zwei Haare in zwei Grübchen sind, so lehrt er uns, auch zwei Haare in einem Grübchen. –
25Ist dies denn möglich!? Es heißt:der mich im Sturme zertreten und meine Wunden ohne Schuld vermehrt hat. Hierzu sagte Raba: Ijob lästerte mit Sturm und mit Sturm erwiderte man ihm. Er lästerte mit Sturm, denn er sprach vor ihm: Herr der Welt, vielleicht ist ein Sturmwind vor dir vorüber, und du verwechseltest zwischen Ijob und ojeb [Feind]? Und man erwiderte ihm mit Sturm:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.