Nidda — Blatt 52b
1Da antwortete der Herr Ijob aus dem Sturme und sprach &c. [Er sprach] zu ihm: Du Tor auf Erden, viele Haarehabe ich am Menschen geschaffen, und für jedes besonders habe ich ein besonderes Grübchen geschaffen, damit nicht zwei ihre Nahrung aus einem Grübchen ziehen, denn würden zwei ihre Nahrung aus einem Grübchen ziehen, so würde das Augenlicht des Menschen abnehmen. Zwischen einem Grübchen und einem anderen Grübchen verwechsle ich nicht, und zwischen Ijob und ojeb sollte ich verwechselt haben!? –
2Das ist kein Einwand; eines gilt vom Körper und eines gilt vom Kopfe.
3R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, die zwei Haare, von denen sie sprechen, auch wenn eines auf dem Schamhügel und eines auf den Hoden.
4Ebenso wird auch gelehrt: Die zwei Haare, von denen sie sprechen, auch wenn eines auf der Rückenseite und eines auf der Bauchseite, eines am Fingergelenke und eines am Zehgelenke– so R. Šimo͑n b. Jehuda aus Kephar A͑kko, der es im Namen des R. Šimo͑n sagte. – Und nach den Rabbanan? R. Ḥisda erwiderte: Nur wenn beide Haare an einer Stelle sind.
5Die Rabbanan lehrten: Wie lange kann eine Tochter die Weigerung erklären? Bis sie zwei Haare bekommt – so R. Meír. R. Jehuda sagt, bis esüberwiegend schwarz ist. R. Jose sagt, bis es einen Kranz bildet. Ben Šelaqoth sagt, bis es sich kräuselt.
6R. Šimo͑n sagte: Ḥanina b. Hakhinaj traf mich in Çajdan und sprach zu mir: Wenn du R. A͑qiba erreichst, frage ihn, wie lange eine Tochter die Weigerung erklären könne, und wenn er dir sagt, bis sie zwei Haare bekommen hat, so sprich zu ihm: Ben Šelaqoth bekundete in Jamnia im Beisein von euch allen:, bis es sich kräuselt, und ihr sagtet dazu kein Wort.
7Als ich darauf zu R. A͑qiba kam, sprach er zu mir: Ich weiß nicht, welches Bewenden es mit dem Kräuseln hat, und ich kenne Ben Šelaqoth nicht; eine Tochter kann die Weigerung erklären, bis sie zwei Haare bekommen hat.
8DIE ZWEI HAARE, VON DENEN BEI DER ROTEN KUHGESPROCHEN WIRD, BEIM AUSSATZUND SONST ÜBERALL, MÜSSEN SO SEIN, DASS MAN DIE SPITZE ZUR WURZEL BIEGEN KANN – SO R. JIŠMA͑ÉL. R. ELIE͑ZER SAGT, DASS MAN SIE MIT DEM NAGEL ANFASSEN KANN. R. A͑QIBA SAGT, DASS MAN SIE MIT EINER SCHERE ABNEHMEN KANN.
9GEMARA. R. Ḥisda sagte im Namen Mar U͑qabas: Die Halakha ist wie diese alle, erschwerend.
10DIE EINEN BLUTFLECKFINDET, IST GESCHÄDIGT,
11UND SIE MUSS BLUTFLUSS BERÜCKSICHTIGEN – SO R. MEÍR. DIE WEISEN SAGEN, BEI BLUTFLECKEN IST BLUTFLUSS NICHT ZU BERÜCKSICHTIGEN.
12GEMARA. Wer sind die Weisen? – Es ist R. Ḥanina b. Antigonos, denn es wird gelehrt: R. Ḥanina b. Antigonos sagte: Bei Blutflecken ist Blutfluß nicht zu berücksichtigen; zuweilen aber bringen Blutflecke zum Blutflusse.
13Zum Beispiel: hat sie drei untersuchte Hemdenangehabt und auf ihnen Blutflecke gefunden, oder zwei Tage wahrgenommen und ein Hemd[angehabt], so sind dies Blutflecke, die zum Blutflusse bringen. –
14Wenn an drei Hemden, wo sie kein [Blut] aus ihrem Körper wahrgenommen hat, dies zu berücksichtigen ist, um wieviel mehr, wenn an zwei Tagen und an einem Hemd!? –
15Man könnte glauben, in einem solchen Falle bringe sie ein Opfer und es werde gegessen, so lehrt er uns.
16Raba sagte: Durch folgendes besiegte R. Ḥanina b. Antigonos die Rabbanan: Wenn [Blutflecke] unter drei Graupengrößen an einer Stelle, ist wohl deshalb nicht zu berücksichtigen, weil wir annehmen, es sei an zwei Tagenerfolgt, ebenso ist bei drei Graupengrößen an einer Stelle anzunehmen, zweieinhalb seien aus ihrem Körper, und das übrige sei Blut von einer Laus infolge von Schmutz. –
17Und die Rabbanan!? – Da es sich so verteilen läßt, daß auf jeden Tag eine Graupengröße und darüber entfällt, so nehmen wir dies nicht an. –
18Und R. Ḥanina b. Antigonos!? – Bei drei Graupengrößen an einer Stelle ist dies nicht zu berücksichtigen, an drei Stellenist dies wohl zu berücksichtigen. – Er sagt ja: an drei Hemden, nicht aber an drei Stellen!? –
19Er sagte dies nach den Rabbanan; nach meiner Ansicht, nur wenn an drei Hemden, nicht aber an drei Stellen. Aber auch ihr solltet mir zugeben, daß, wenn sie drei Graupengrößen an einer Stelle findet, anzunehmen sei, zweieinhalb seien aus ihrem Körper, und das übrige sei Blut von einer Laus infolge von Schmutz. –
20Und die Rabbanan!? – Da es sich so verteilen läßt, daß auf jeden Tag eine Graupengröße und darüber entfällt, so nehmen wir dies nicht an.
21Die Rabbanan lehrten: Die einen Blutfleck findet, hat, wenn er sich in drei Graupengrößen verteilen läßt, jede eine Graupengröße und darüber, [Blutfluß] zu berücksichtigen, wenn aber nicht, so braucht sie dies nicht zu berücksichtigen.
22R. Jehuda b. Agra sagte im Namen R. Joses, sie habe dies ob so oder so zu berücksichtigen.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.