Nidda — Blatt 57b

1WENN [EINE FRAU] EINEN BLUTFLECK AN IHREM LEIBE SIEHT, SO IST SIE, WENN GEGEN DIE SCHAMSTELLE, UNREIN, UND WENN NICHT GEGEN DIE SCHAMSTELLE, REIN. WENN AN DER FERSE ODER AN DER SPITZE DES GROSSEN ZEHS, SO IST SIE UNREIN;

2WENN AM SCHENKEL ODER AM FUSSE EINWÄRTS, SO IST SIE UNREIN, WENN AUSWÄRTS, SO IST SIR REIN; WENN AN DEN SEITEN, OB DA ODER DORT, SO IST SIE REIN.

3SIEHT SIE EINEN AN IHREM HEMDE, SO IST SIE, WENN UNTERHALB DES GÜRTELS, UNREIN, UND WENN OBERHALB DES GÜRTELS, REIN. SIEHT SIE EINEN AM ÄRMEL, SO IST SIE, WENN ER BIS ZUR SCHAMSTELLE REICHT, UNREIN, UND WENN NICHT, REIN.

4HATTE SIE ES NACHTS AUSGEZOGEN UND SICH DAMIT ZUGEDECKT, SO IST SIE, WO AUCH DER FLECK SICH BEFINDET, UNREIN, WEIL ES SICH VERSCHIEBT. DASSELBE GILT AUCH VON EINEM ÜBERWURFE.

5GEMARA. Šemuél sagte: Wenn sie den Erdboden untersucht hatte und sich hingesetzt, und darauf da Blut findet, so ist sie rein, denn es heißt: an ihrem Leibe, nur wenn sie etwas an ihrem Leibe gespürt hat. –

6Das [Wort] an ihrem Leibe deutet ja darauf, daß sie innen wie außen unrein ist!? – Die Schrift könnte ja am Leibe sagen, wenn es aber an ihrem Leibe heißt, so deutet dies darauf: nur wenn sie etwas an ihrem Leibe verspürt hat. –

7Aber auch dies wird ja gedeutet: an ihrem Leibe, nicht aber an der Eihaut oder einem Fleischklumpen!? – Hieraus ist beides zu entnehmen. –

8Komm und höre: Wenn eine Frau ihre [kleine] Notdurft verrichtet und Blut wahrgenommen hat, so ist sie, wie R. Meír sagt, wenn stehend, unrein, und wenn sitzend, rein.

9In welchem Falle: hat sie etwas gespürt, wieso ist sie sitzend rein; doch wohl, wenn sie nichts gespürt hat, und er lehrt, stehend sei sie unrein!? –

10Tatsächlich, wenn sie etwas gespürt hat, aber sie kann Urin gespürt haben; stehend ging der Urin zur Quelle zurück und es kam Blut, sitzend ist sie rein. –

11Komm und höre: Wenn der Wischlappen sich unter dem Kissen befunden hat und Blut sich darauf befindet, so ist er, wenn rund, rein, und wenn länglich, unrein.

12In welchem Falle: hat sie etwas gespürt, wieso ist er, wenn rund, rein; doch wohl, wenn sie nichts gespürt hat, und er lehrt, wenn länglich, sei sie unrein!? –

13Nein, tatsächlich, wenn sie etwas gespürt hat, aber sie kann den Wischlappen gespürt haben; wenn länglich, so kommt es entschieden aus ihrem Körper, wenn rund, ist er rein. –

14Komm und höre: Findet sich [Blut] auf seinem [Wischlappen], so sind sie unrein, und sie sind ein Opfer schuldig; findet es sich auf ihrem sofort, so sind sie unrein, und sie sind ein Opfer schuldig, findet es sich auf ihrem nach einer Zeit, so sind sie des Zweifels wegen unrein, jedoch von einem Opfer frei.

15In welchem Falle: hat sie etwas gespürt, wieso sind sie, wenn nach einer Zeit, von einem Opfer frei; doch wohl, wenn sie nichts gespürt hat, und er lehrt, wenn es sich auf ihrem findet, seien sie, wenn sofort, unrein und ein Opfer schuldig. – Nein, tatsächlich, wenn sie etwas gespürt hat, nur kann sie das Glied gespürt haben. –

16Komm und höre: Es ergibt sich also, daß es beim Weibe drei Arten von Zweifel gibt: an ihrem Leibe ist es zweifelhaft, ob unrein oder rein, und es ist unrein; an ihrem Hemde ist es zweifelhaft, ob unrein oder rein, und es ist rein; beim Berühren und beim Schüttelnrichte man sich nach der Mehrheit.

17‘Man richte sich nach der Mehrheit’ heißt wohl, wenn sie während der Mehrheit ihrer Tage unrein war, sei sie unrein, obgleich sie nichts gespürt hat!? –

18Nein, wenn sie während der Mehrheit ihrer Tage spürend wahrnimmt, ist sie unrein, denn sie kann gespürt und darauf nicht geachtet haben.

19Der Meister sagte: An ihrem Leibe ist es zweifelhaft, ob unrein oder rein, und es ist unrein; an ihrem Hemde ist es zweifelhaft, ob unrein oder rein, und es ist rein.

20In welchem Falle: wenn unterhalb des Gürtels, wieso ist es, wenn an ihrem Hemde, rein, wir haben ja gelernt, wenn unterhalb des Gürtels, sei sie unrein, und wenn oberhalb des Gürtels, wieso ist es, wenn an ihrem Leibe, unrein, wir haben ja gelernt, wenn sie Blut an ihrem Leibe sieht, sei sie, wenn nicht gegen die Schamstelle, rein!? –

21Wenn du willst, sage ich: unterhalb des Gürtels, und wenn du willst, sage ich: oberhalb des Gürtels. Wenn du willst, sage ich, unterhalb des Gürtels, wenn sie nämlich durch die Schlächtergasse gegangen ist. Wenn an ihrem Leibe, so ist es aus ihrem Körper gekommen, denn, wenn von anderwärts, so müßte es sich auf ihrem Hemde befinden; befindet es sich aber an ihrem Hemde, so ist es von anderwärts gekommen, denn wenn von ihrem Körper, so müßte es sich an ihrem Leibe befinden.

22Wenn du aber willst, sage ich: oberhalb des Gürtels, wenn sie sich nämlich nach rückwärts gebeugt hat. Wenn an ihrem Leibe, so ist es entschieden aus ihrem Körper gekommen, denn, wenn von anderwärts, so müßte es sich auf ihrem Hemde befinden; wenn aber an ihrem Hemde, so ist es von anderwärts gekommen, denn, wenn aus ihrem Körper, so müßte es sich an ihrem Leibe befinden. –

23Immerhin lehrt er, wenn an ihrem Leibe, sei es zweifelhaft, ob unrein oder rein, und es sei unrein. Obgleich sie nichts gespürt hat!? Ferner haben wir gelernt, wenn sie einen Blutfleck an ihrem Leibe gegen die Schamstelle sieht, sei sie unrein. Obgleich sie nichts gespürt hat!? R. Jirmeja aus Diphte erwiderte: Šemuél pflichtet bei,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.