Nidda — Blatt 58a
1daß sie rabbanitisch unrein sei.
2R. Aši erwiderte: Šemuél ist der Ansicht R. Neḥemjas, denn wir haben gelernt: R. Neḥemja sagte: Was für die Unreinheit nicht empfänglichst, ist auch für Blutflecke nicht empfänglich. –
3Erklärlich ist es nach R. Aši, daß er vom Erdboden spricht, weshalb aber spricht er nach R. Jirmeja vom Erdboden, dies gilt ja auch von einem Gewande!? – Von diesem ist es selbstverständlich;
4selbstverständlich ist dies von einem Gewände, das sich nicht genau untersuchen läßt, weil angenommen werden kann, es sei von anderwärts gekommen, aber auch am Erdboden, den man genau untersuchen kann, und angenommen werden kann, es sei aus ihrem Körper gekommen, ist sie rein.
5WENN AN DER FERSE ODER AN DER SPITZE DES GROSSEN ZEHS, SO IST SIE UNREIN. Allerdings an der Ferse, weil sie diese Stelle berühren kann, weshalb aber, wenn an der Spitze des großen Zehs? Wolltest du sagen, weil diese die Ferse berühren kann, so wird ja nicht eine Unreinheit [durch Übertragung] von einer Stelle auf eine andere angenommen.
6Es wird nämlich gelehrt: Hat sie eine Verletzung am Halse, sodaß sie esdarauf zurückführenkann, so führe sie es darauf zurück, wenn aber an der Schulter, sodaß sie es nicht darauf zurückführen kann, so führe sie es nicht darauf zurück.
7Man nehme aber nicht an, sie habe es vielleicht mit der Hand genommen und es da hingetan!? – Vielmehr, anders ist es beim großen Zeh, weil es beim Schreiten direkt erfolgt sein kann. –
8Wird denn nicht eine Unreinheit [durch Übertragung] von einer Stelle auf eine andere angenommen, es wird ja gelehrt: Findet es sich an ihren Fingergelenken, so ist sie unrein, weil die Hände geschäftig sind.
9Doch wohl, weil wir sagen, sie habe sich mit einer Hand untersucht, und mit dieser die andere Hand berührt!? – Nein, anders verhält es sich mit der Hand, die ganz alleinüberallhin rührt.
10WENN AM SCHENKEL ODER AM FUSSE ETNWÄRTS &C. Wie weit einwärts? – In der Schule R. Jannajs sagten sie, bis zum Nestelbande.
11Sie fragten: Gilt die Stelle des Nestelbandes als einwärts oder auswärts? – Komm und höre: R. Qaṭṭina lehrte: bis zum Nestelbande, und das Nestelband selbst gilt als einwärts. R. Ḥija, Sohn des R. Ivja, lehrte es ausdrücklich: In der Schule R. Jannajs sagten sie, bis zur Stelle des Nestelbandes, und das Nestelband selbst gilt als einwärts.
12R. Jirmeja fragte: Wie ist es, wenn [der Fleck] ringförmig ist, wenn reihenförmig, wenn in einzelnen Tropfen, wenn in der Breite der Hüfte? –
13Komm und höre: An ihrem Leibe ist es zweifelhaft, ob unrein oder rein, und es ist unrein. ‘An ihrem Leibe’, doch wohl auf diese Weise. – Nein, wenn es streifenartig ist.
14Einst fand eine Frau Blut am Webeaufzuge, und als sie vor R. Jannaj kam, sprach er zu ihr: Geh hin und zurück. –
15Es wird ja aber gelehrt, daß man beim Reinheitsgesetze nicht wiederhole!? – Nur erleichternd sagen wir nicht, daß man wiederhole, erschwerend aber wiederhole man wohl.
16HATTE SIE ES AUSGEZOGEN &C. Es wird gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Jose sagte: So entschied ich es in Rom erschwerend, und als ich zu den Weisen im Süden kam, sprachen sie zu mir: du hast richtig entschieden.
17Die Rabbanan lehrten: Wenn eine große das Hemd einer kleinen oder eine kleine das Hemd einer großen anhatte, so sind, wenn [der Blutfleck] bis zur Schamstelle der größeren reicht, beide unrein, wenn aber nicht, so ist die große rein und die kleine unrein.
18Ein Anderes lehrt: Hatte sie ihr Hemd untersucht und es einer Gefährtin geliehen, so ist sie rein und ihre Gefährtin führe es auf jene zurück. R. Šešeth sagte: Nur zivilrechtlich ist dies gelehrt worden, hinsichtlich der Unreinheit aber ist sie rein und ihre Gefährtin unrein. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.