Nidda — Blatt 62b
1R. Abba sprach zu R. Aši: Hängt es denn davon ab, ob man darauf achtet!?
2Dieser erwiderte: Freilich, denn es wird gelehrt: R. Ḥija sagte: Über sicheres Menstruationsblut fahre man mit den sieben Ingredienzen und gebe es auf.
3Wieso denn, es ist ja Menstruationsblut!? Es hängt also davon ab, ob man darauf achtet, ebenso hängt es auch hierbei davon ab, ob man darauf achtet.
4Dort haben wir gelernt: Wenn Scherben, die ein Flußbehafteter benutzt hat, Flüssigkeiten eingesogen haben und in den Luftraum eines Ofensgekommen sind, und der Ofen geheizt worden ist, so ist der Ofen unrein, weil die Flüssigkeit endlichherauskommt.
5Reš Laqiš sagte: Dieslehrten sie nur von leicht [unreinen]Flüssigkeiten, bei schwer [unreinen] Flüssigkeitenaber ist der Ofen unrein, auch wenn er nicht geheizt worden ist. R. Joḥanan aber sagte: Einerlei ob leicht [unreine] Flüssigkeiten oder schwer [unreine] Flüssigkeiten; nur wenn der Ofen geheizt worden ist, sonst aber nicht.
6R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Wenn man es untergetaucht und bei reinen Dingen benutzt hat, dann darüber mit den sieben Ingredienzen fährt, und [der Fleck] nicht vergeht, so ist es ein Farben[fleck]; das in Reinheit zubereitete ist rein, und man braucht es nicht [abermals] unterzutauchen!?
7Dieser erwiderte: Laß die Blutflecke, die nur rabbanitisch [unrein] sind. –
8R. Ḥija lehrte ja aber, über sicheres Menstruationsblut fahre man mit den sieben Ingredienzen und gebe es auf!?
9Dieser erwiderte: Wenn Rabbi es nicht gelehrt hat, woher weiß es R. Ḥija?
10R. Joḥanan wandte gegen Reš Laqiš ein: Ist ein Viertellog Blutin einem Hause aufgesogen worden, so ist das Hausunrein; manche sagen, das Haus sei rein. Sie streiten aber nicht; eines gilt von Geräten, die da schon vorher waren, und eines gilt von Geräten, die nachher[hineingekommen] sind.
11Ist es in einem Gewande aufgesogen worden, so ist dieses, wenn es gewaschen wird und ein Viertellog Blut herauskommt, unrein, wenn aber nicht, rein.
12Hierzu sagte R. Kahana, hier lehrten sie von den Erleichterungen beim Viertellog. – Anders verhält es sich beim Mischblute, dessen [Unreinheit] nur rabbanitisch ist.
13Reš Laqiš wandte gegen R. Joḥanan ein: Alles Eingesogene, das nicht wieder herauskommen kann, ist rein. Demnach ist es, wenn es wieder herauskommen kann, unrein, auch wenn es nicht herausgekommen ist!?
14R. Papa erwiderte: Wenn es nicht wieder herauskommen kann und man darauf nicht achtet, stimmen alle überein, daß es rein ist; wenn es wieder herauskommen kann und man darauf achtet, stimmen alle überein, daß es unrein ist;
15sie streiten nur über den Fall, wenn es wieder herauskommen kann und man darauf nicht aclitet. Einer ist der Ansicht, da es wieder herauskommen kann, auch wenn man darauf nicht achtet, und einer ist der Ansicht, obgleich es wieder herauskommen kann,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.