Nidda — Blatt 68b

1Ebenso lehrte auch Levi in einer Barajtha: nach diesen Tagenist sie, einerlei ob sie sich untersucht und rein gefunden hat, oder sich untersucht und unrein gefunden hat, zweifelhaft Flußbehaftete.

2SIE VERUNREINIGT [RÜCKWIRKEND] EINEN STUNDENTAG. Dies wäre also eine Widerlegung Rabas, denn Raba sagte, diesbesage, daß sie während ihrer Flußtagenicht einen Stundentag [rückwirkend] verunreinigend sei. –

3Raba ist ja bereits einmal widerlegtworden!? – Wir meinen es wie folgt: ist auch hieraus eine Widerlegung Rabas zu entnehmen? –

4Raba kann dir erwidern: was gelehrt wird, sie verunreinige einen Stundentag [rückwirkend], bezieht sich auf den Beginn des Abschnittes, [auf den Fall], wenn siebereits in ihrem Vaterhause wahrgenommen hat.

5Da [die Wahrnehmung] von Tagen der Reinheit unterbrochen wird, so könnte man glauben, es gleiche dem Beginne der Menstruationund sie verunreinige nicht einen Stundentag [rückwirkend], so lehrt er uns.

6HAT SIE EINE FESTE PERIODE. Dies wäre also eine Widerlegung des R. Hona b. Ḥija im Namen Šemuéls, denn R. Hona b. Ḥija sagte im Namen Šemuéls: Diesbesagt, daß ein Weib während der Flußtagekeine Periode feststellen kann. –

7R. Hona b. Ḥija kann dir erwidern: ein Weib kann während ihrer Flußtage keine Periode feststellen nur insofern, als daß zur Aufhebung derselben keine dreimalige [abweichende] Wiederholung nötig ist, denn wir sagen, ihre Blutung sei fort, und da ihre Blutung fort ist, hat sie an ihrer Zeitgenug.

8R. JEHUDA SAGT. Es wird gelehrt: Sie sprachen zu R. Jehuda: Hielte sie während der ganzen Abenddämmerung die Hände an dieser Stelle,

9so würdest du recht haben, so aber ist es ja möglich, daß sie beim Fortnehmen der Hände wahrgenommen hat, somit ist es ja einerlei, ob sie sich am siebenten von der Vesperzeit ab in Reinheit getrennt hat, oder sie sich schon am ersten Tage in Reinheit getrennt hat. –

10Gibt es denn jemand, der dies auch vom ersten sagt? –

11Allerdings. Es wird nämlich gelehrt: Rabbi sagte: Ich fragte R. Jose und R. Šimo͑n, als sie sich unterwegs befanden, wie es denn sei, wenn eine Menstruierende am siebenten Tage morgens sich untersucht und rein gefunden, in der Abenddämmerung aber sich nicht getrennthatte, und nach Tagen sich untersucht und unrein findet,

12und sie erwiderten mir, sie befinde sich in der Annahme der Reinheit. Wie es denn sei, wenn am sechsten, fünften, vierten, dritten oder zweiten, und sie erwiderten mir, es sei einerlei.

13Hinsichtlich des ersten aber fragte ich nicht. Es war aber ein Irrtum von mir, daß ich nicht fragte. Wenn an den übrigen, befand sie sich nicht in der Annahme der Unreinheit, denn da es aufgehört hatte, hatte es aufgehört, ebenso auch am ersten, da es aufgehört hatte, hatte es aufgehört. –

14Welcher Ansicht war er vorher? – Die Quelle war [bis dahin] offen.

15WENN EIN FLUSSBEHAFTETER ODER EINE FLUSSBEHAFTETE AM ERSTEN TAGESICH UNTERSUCHT UND REIN GEFUNDEN HATTEN, UND AM SIEBENTEN TAGE [SICH UNTERSUCHEN] UND REIN FINDEN, IN DEN TAGEN DAZWISCHEN ABER SICH NICHT UNTERSUCHT HABEN, SO BEFINDEN SIE SICH, WIE R. ELIE͑ZER SAGT, IN DER ANNAHME DER REINHEIT. R. JEHOŠUA͑ SAGT, SIE HABEN NUR DEN ERSTEN TAG UND DEN SIEBENTENTAG. R. A͑QIBA SAGT, SIE HABEN NUR DEN SIEBENTEN TAG.

16GEMARA. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sprach zu R. Jehošua͑: Du zählst ja nach deiner Ansicht überspringend, und die Tora sagt:und nachher ist sie rein, das ‘nachher’ bezieht sich auf alle, sie dürfen nicht durch eine Unreinheit getrennt sein.

17R. Jehošua͑ erwiderte ihm: Pflichtest du etwa nicht bei, daß, wenn ein Flußbehafteter Ergußhatte, oder ein Naziräer unter überhängenden Zweigen oder Mauervorsprüngengegangen ist, sie überspringend zählen, während doch die Tora sagt:und die ersten Tage sind hinfällig!? –

18Und R. Elie͑zer!? – Allerdings sagt der Allbarmherzige da:daran zu verunreinigen, [der Samenerguß]macht nur einen Tag hinfällig, und wollte man eine Verwechslungberücksichtigen, so wird der Fluß mit dem Ergusse nicht verwechselt.

19Ebenso beim Naziräer, der unter überhängenden Zweigen oder Mauervorsprüngen gegangen ist; nach der Tora ist hierbeieine richtige Bezeltung erforderlich, nur haben die Rabbanan es angeordnet, und eine rabbanitische [Unreinheit] mit einer der Tora wird nicht verwechselt.

20Wollte man aber hierbei berücksichtigen, es kann eine zweifelhafte Wahrnehmung erfolgt sein, so könnte man sie auch mit einer zweifellosenverwechseln.

21Es wird gelehrt: R. Jose und R. Šimo͑n sagten: Die Worte des R. Elie͑zer sind einleuchtender als die Worte des R. Jehošua͑, und die Worte des R. A͑qiba als die beider, aber die Halakha ist wie R. Elie͑zer.

22Sie fragten: Wie ist es nach R. Elie͑zer, wenn ein Flußbehafteter oder eine Flußbehaftete am ersten Tage und am achten Tage sich untersucht und rein gefunden halten, aber an den übrigen Tagen sich nicht untersucht haben?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.