Nidda — Blatt 71a

1und sei keusch beim Geschlechtsverkehr. Sie entgegneten ihm: Viele taten dies, und es nützte ihnen nicht. –

2Vielmehr, er flehe um Erbarmen zu dem, dessen der Kinder[segen] ist, wie es heißt: wahrlich, ein vom Herrn verliehener Besitz sind Söhne, ein Lohn die Leibesfrucht. –

3Was lehrt er uns damit? – Daß eines ohne das andere nicht gehe. –

4Was heißt: ein Lohn die Leibesfrucht? R. Ḥama b. R. Ḥanina erwiderte: Als Belohnung dafür, daß er sich [mit dem Gliede] im Leibe enthält, damit seine Frau zuerst Erguß habe, gewährt ihm der Heilige, gepriesen sei er, Leibesfrucht.

5DIE SCHULE ŠAMMAJS SAGT &C. Was ist der Grund der Schule Šammajs: wollte man sagen, weil es heißt:und die Königin wurde von heftigem Schreck befallen, und Rabh sagte, dies lehre, daß sie Menstruation bekommenhatte, ebenso bekomme sie [die Sterbende] aus Schreck vor dem Todesengel, so haben wir ja gelernt, die Angst halte das Blut zurück!? – Das ist kein Einwand; die Angst hält es zurück, der Schreck aber schwächt. –

6Wir haben gelernt, die Schule Šammajs sagt, alle Menschen sterben als Flußbehaftete; die Schule Hillels sagt, Flußbehafteter sei nur der, der flußbehaftet gestorben ist.

7Sollte man hierauf beziehen den Schriftvers:aus seinem Leibe, nicht aber durch ein Mißgeschick!? –

8Vielmehr, der Grund der Schule Šammajs ist aus folgender Lehre [zu entnehmen]. Vormals pflegte man die Sachen der toten Menstruierenden unterzutauchen; da dies aber genannt war für die lebenden Menstruierenden, ordnete man an, die aller Frauen unterzutauchen, aus Achtung für die lebenden Menstruierenden.

9Vormals pflegte man die der toten Flußbehafteten unterzutauchen, da dies aber genannt war für die lebenden Flußbehafteten, ordneten sie an, die aller Toten unterzutauchen, aus Achtung für die lebenden Flußbehafteten.

10WENN EINE FRAU GESTORBEN UND IHR EIN VIERTEL[LOG] BLUT ABGEGANGEN IST, SO VERUNREINIGT ES ALS BLUTFLECK UND VERUNREINIGT DURCH BEZELTUNG.

11R. JEHUDA SAGT, ES VERUNREINIGE NICHT ALS BLUTFLECK, WEIL ES SICH ERST NACH IHREM TODE GELÖST HAT. JEDOCH PFLICHTET R. JEHUDA BEI, DASS, WENN [EINE FRAU] AUF DEM GEBÄRSTUHLE SITZEND GESTORBEN UND IHR EIN VIERTEL[LOG] BLUT ABGEGANGEN IST, ES ALS BLUTFLECK VERUNREINIGE. R. JOSE SAGTE: DAHERVERUNREINIGT ES NICHT DURCH BEZELTUNG.

12GEMARA. Demnach ist der erste Autor der Ansicht, obgleich das Blut sich erst nach ihrem Tode gelöst hat, verunreinige es als Blutfleck!?

13R. Zee͑ri erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, ob der Ort der Quelleunrein ist.

14R. JEHUDA PFLICHTET JEDOCH BEI.

15Demnach ist der erste Autor der Ansicht, es verunreinige auch durch Bezeltung!? R. Jehuda erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen hinsichtlich des Mischblutes.

16Es wird nämlich gelehrt: Welches heißt Mischblut? R. Elea͑zar b. R. Jehuda erklärte: Wenn von einem Erschlagenen beim Leben und nach dem Tode Blut geflossen ist, und es zweifelhaft ist, ob esbeim Leben geflossen ist, ob es nach dem Tode geflossen ist, oder beim Leben und nach dem Tode; dies ist Mischblut.

17Die Weisen sagen, auf Privatgebiet sei es bei einem Zweifel unrein, und auf öffentlichem Gebiete sei es bei einem Zweifel rein.

18Mischblut heißt es vielmehr, wenn von einem Erschlagenen beim Leben und nach dem Tode ein Viertel[log] Blut geflossen ist, und es noch nicht aufgehört hat. Wenn ein Zweifel besteht, ob der größere Teil beim Leben und der kleinere Teil nach dem Tode, oder der kleinere Teil beim Leben und der größere Teil nach dem Tode, so ist dies Mischblut.

19R. Jehuda sagte: Wenn ein Erschlagener, von dem ein Viertel[log] Blut geflossenist, auf dem Lager liegt und Blut in eine Grube tropft, so ist es unrein, weil der Tropfen des Todes beigemischt ist. Die Weisen aber erklären es als rein,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.