Nidda — Blatt 7b
1DIE HALAKHA IST ABER WIE R. ELIE͑ZER.
2WELCHE HEISST JUNGFRAU? DIE NOCH NIE IM LEBEN EINE BLUTUNG WAHRGENOMMEN HAT, AUCH WENN SIE VERHEIRATET IST. SCHWANGERE? WENN DIE GEBURT ZU MERKEN IST. SÄUGENDE? BIS SIE IHR KIND ENTWÖHNT. WENN SIE IHR KIND ZU EINER AMME GEGEBEN HAT, ES [FRÜHZEITIG] ENTWÖHNT HAT, ODER ES GESTORBEN IST, SO IST SIE, WIE R. MEÍR SAGT, EINEN STUNDENTAG [RÜCKWIRKEND] UNREIN; DIE WEISEN SAGEN, SIE HABE AN IHRER ZEIT GENUG.
3WELCHE HEISST ALTE? DER BEI ALTERSBEGINN DREI MENSTRUATIONSFRISTEN VERSTRICHEN SIND. R. ELEA͑ZAR SAGT, JEDE FRAU, DER DREI MENSTRUATIONSFRISTEN VERSTRICHEN SIND, HABE AN IHRER ZEIT GENUG. R. JOSE SAGT, EINE SCHWANGERE UND EINE SÄUGENDE, DENEN DREI MENSTRUATIONSFRISTEN VERSTRICHEN SIND, HABEN AN IHRER ZEIT GENUG.
4WOBEI SAGTEN SIE, SIE HABE AN IHRER ZEIT GENUG? BEI DER ERSTEN WAHRNEHMUNG, BEI DER ZWEITEN ABER IST SIE EINEN STUNDENTAG [RÜCKWIRKEND] UNREIN. HAT SIE DIE ERSTE WAHRNEHMUNG DURCH EINEN UMFALLGEMACHT, SO HAT SIE AUCH BEI DER ZWEITEN AN IHRER ZEIT GENUG.
5GEMARA. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sprach zu R. Jehošua͑: Du hast nicht gehört, ich aber habe gehört. Du hast nur eines gehört, ich aber habe vieles gehört.
6Nicht zu dem, der den Neumond nicht gesehen hat, sagt man, daß er komme und darüberbekunde, sondern zu dem, der den Neumond gesehen hat. Während der ganzen Lebenszeit R. Eliézers verfuhr man nach R. Jehošua͑, nach dem Tode R. Elie͑zers aber führte es R. Jehošua͑ wieder ein, wie es früher war. — Weshalb nicht wie R. Elie͑zer während seiner Lebenszeit? —
7Weil R. Elie͑zer in den Bann getan wordenwar, und er dachte, wenn wir nach ihm in einer Sache verfahren, würde man auch in einer anderen Sache nach ihm verfahren,
8und wegen der Ehrung R. Elie͑zers könnte man es ihnen nicht verbieten; nach dem Tode R. Elie͑zers, wo man es ihnen verbieten kann, führte er es wieder ein, wie es früher war.
9R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: In vier Fällen ist die Halakha wie R. Elie͑zer.
10Einer, von dem wir eben gesprochen haben. Einer [ist folgender:] Wie lange muß die in Geburtswehen Befindliche sich erholt haben, um Flußbehaftetezu sein? Wie R. Elie͑zer sagt, einen Stundentag, und die Halakha ist wie er.
11Einer [ist folgender:] Wenn ein Flußbehafteter und eine Flußbehaftete sich am ersten Tageuntersucht und sich rein gefunden haben, am siebenten Tage, und sich rein gefunden haben, an den übrigen Tagen aber sich nicht untersucht haben, so sind sie, wie R. Elie͑zer sagt, im Zustande der Reinheit. R. Jehošua͑ sagt, sie haben nur den ersten und den siebentenTag. R. A͑qiba sagt, sie haben nur den siebenten Tag.
12Hierzu wird gelehrt: R. Šimo͑n und R. Jose sagen, die Worte R. Elie͑zers sind einleuchtender als die Worte R. Jehošua͑s, die Worte R. A͑qibas als die Worte aller, aber die Halakha ist wie R. Elie͑zer.
13Und einer ist der [der folgenden] Lehre: Ist die Außenseite eines Gefäßes durch Flüssigkeiten unrein geworden, so macht sie, wie R. Elie͑zer sagt, Flüssigkeiten unrein, Speisen aber nicht [einmal] untauglich. Sie macht Flüssigkeiten unrein, sogar profane, und sie macht Speisen nicht untauglich, nicht einmal Hebe. R. Jehošua͑ sagt, sie mache Flüssigkeiten unrein und Speisen untauglich.
14R. Jehošua͑ sprach: Es ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere [zu folgern]: wenn der am selben Tage Untergetauchte, der profane Flüssigkeiten nicht unrein macht, Speisen von Hebe untauglich macht, um wieviel mehr macht die Außenseite eines Gefäßes, die profane Flüssigkeiten unrein macht, Speisen von Hebe untauglich. —
15Und R. Elie͑zer!? — [Die Unreinheit] der Außenseite eines Gefäßes ist rabbanitisch und die des am selben Tage Untergetauchten ist aus der Tora, und man folgere keinen [Schluß vom] Leichteren auf das Schwerere, wenn eines aus der Tora und eines rabbanitisch ist. Nach der Tora macht eine Speise kein Gefäß unrein und macht eine Flüssigkeit kein Gefäß unrein,
16nur haben die Rabbanan es angeordnet, mit Rücksicht auf die Flüssigkeiten eines Flußbehafteten und einer Flußbehafteten; bei Flüssigkeiten, die für die Unreinheit prädestiniert sind, haben die Rabbanan dies angeordnet, bei Speisen aber, die für die Unreinheit nicht prädestiniert sind, haben die Rabbanan es nicht angeordnet. —
17Weshalb lehrt er es von der Außenseite von Gefäßen? — Weil es bei dieser leichter ist, wie wir gelernt haben: Wird die Außenseite eines Gefäßes durch Flüssigkeiten unrein, so ist seine Außenseite unrein, seine Innenseite aber, sein Griff, sein Rand und sein Henkel sind rein; wird aber seine Innenseite unrein, so ist es vollständig unrein. —
18Was lehrt uns da Šemuél, bei diesen allen lehrt ja die Halakha demgemäß!?
19Wolltest du sagen, er lehre es uns von der Außenseite eines Gefäßes, wovon wir dies nicht gelernt haben, so sollte er doch gesagt haben, die Halakha sei wie R. Elie͑zer bei der Außenseite eines Gefäßes!? — Vielmehr, er lehrt uns folgendes: daß man die Entscheidung einer Lehre nicht aus dem Talmud selber entnehme. —
20Gibt es denn weiter keine mehr, es gibt ja noch folgende Lehre: R. Elie͑zer sagt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.