Nidda — Blatt 8a

1man veranlasse die Minderjährige, ihmdie Weigerung zu erklären, und hierzu sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Elie͑zer!? — Das, was Šemuél gesagt hat, die Halakha sei in vier Fällen wie R. Elie͑zer, bezieht sich nur auf die Sektion von den Reinheitsgesetzen, in den anderen Sektionen aber gibt es noch viele.

2Dies ist auch einleuchtend, denn wir haben gelernt: R. Elie͑zer sagt, auch wenn man Brote aus dem Ofen nimmt und sie in den Korb tut, vereinige sie der Korb hinsichtlich der Teighebe. Hierzu sagte R. Jehuda im Namen Šemuéls, die Halakha sei wie R. Elie͑zer. Schließe hieraus. —

3Womit ist diese [Lehre]bedeutender als jene? — Weil [bei jener] auch R. Elea͑zar seiner Ansichtist,

4denn wir haben gelernt: R. Elea͑zar sagt, man veranlasse die Minderjährige, ihm die Weigerung zu erklären. —

5Ist er denn seiner Ansicht, sie sind ja beide nötig und gleichen nicht einander!? — Vielmehr, weil auch R. Jehuda b. Baba seiner Ansicht ist,

6denn es wird gelehrt: R. Jehuda b. Baba bekundete fünf Dinge: Daß man die Minderjährigen zur Weigerungserklärung veranlasse;

7daß man einer Frau auf die Aussage eines Zeugenhin zu heiraten erlaube; daß einst in Jerušalem ein Hahn gesteinigt worden ist, weil er einen Menschen getötethatte; daß vierzigtägiger Wein auf den Altar gegossen werden darf; und daß einst das beständige Morgenopfer in der vierten Tagesstunde dargebracht wordenist.

8Unter ‘die Minderjährigen’ ist wohl zu verstehen, im Falle R. Elea͑zars und im Falle R. Elie͑zers. — Nein, ‘die Minderjährigen’ heißt Minderjährige allgemein. —

9Demnach sollte er auch statt ‘Frau’ Frauen lehren, nämlich Frauen allgemein!? Wenn er aber da ‘Frau’ und dort ‘Minderjährigen’ lehrt, so ist dies nur sozu verstehen. Schließe hieraus.

10Desgleichen sagte auch R. Elea͑zar, die Halakha sei in vier Fällen wie R. Elie͑zer. — Gibt es denn weiter keine mehr, es wird ja gelehrt: R. Elie͑zer sagt, man veranlasse die Minderjährige, ihm die Weigerung zu erklären, und hierzu sagte R. Elea͑zar, die Halakha sei wie R. Elie͑zer!? Wolltest du sagen, R. Elea͑zar sage, die Halakha sei wie R. Elie͑zer in vier Fällen der Sektion von den Reinheitsgesetzen, in anderen Sektionen aber gebe es noch mehr, so gibt es ja keine anderen!?

11Wir haben nämlich gelernt: Die Rose, die Gewürznelke, die Latmaund die Balsamstaude, auch ihr Erlös, unterliegen dem Gesetze vom Siebentjahre; auch unterliegen sie und ihr Erlös dem Gesetze von der Fortschaffung. Hierzu sagte R. Pedath, der Autor, welcher sagt, die Balsamstaude sei eine Frucht, sei R. Elie͑zer,

12und R. Zera sprach zu ihm: Ich sehe, daß durch dich und deinen Vater die Balsamstaude der Welt erlaubt werdensoll. Du sagst, der Autor, welcher sagt, die Balsamstaude sei eine Frucht, sei R. Elie͑zer, und dein Vatersagte, die Halakha sei in vier Fällenwie R. Elie͑zer.

13Wenn dem nun so wäre, so sollte ihm dieser doch erwidert haben, mein Vater sagte, die Halakha sei in vier Fällen wie R. Elie͑zer nur in der Sektion von den Reinheitsgesetzen, in den übrigen Sektionen aber gebe es noch andere!? —

14Demnach ist ja ein Einwand aus jener Lehrezu erheben!? — Weil R. Elea͑zar seiner Ansicht ist, denn wir haben gelernt: R. Elea͑zar sagt, man veranlasse die Minderjährige, ihm die Weigerung zu erklären. —

15Ist er denn seiner Ansicht, sie sind ja beide nötig und gleichen nicht einander!? — Vielmehr, weil R. Jehuda b. Baba seiner Ansicht ist. —

16Gibt es denn weiter keine mehr, wir haben ja gelernt: R. A͑qiba sagt, man spreche ihnals besonderen vierten Segen; R. Elie͑zer sagt, man spreche ihn im Danksegen. Hierzu sagte R. Elea͑zar, die Halakha sei wie R. Elie͑zer!?

17R. Abba erwiderte: Es gibt jemand, der es im Namen des R. Ḥanina b. Gamliél lehrt, denn es wird gelehrt: R. A͑qiba sagt, man spreche ihn als besonderen vierten Segen; R. Ḥanina b. Gamliél sagt, man spreche ihn im Danksegen. —

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.