Nidda — Blatt 9a

1Wenn du nun sagst, dies sei eine richtige Geburt, so hat ja der Allbarmherzige [die Blutung] infolge der Wehen bei der Geburt als rein erklärt!?

2R. Papi erwiderte: Laß die Unreinheit des Stundentages, die nur rabbanitisch ist. R. Papa erwiderte: Der Grundist ja, weil ihr der Kopf und die Glieder schwersind, und auch in diesem Falle sind ihr der Kopf und die Glieder schwer.

3R. Jirmeja fragte R. Zera: Wie ist es, wenn sie zuerst [Blutung] wahrgenommen hat und [unmittelbar] nachher die Schwangerschaft erkannt wird? Ist sie unrein, da bei der Wahrnehmung die Schwangerschaft nicht erkannt worden war, oder aber ist sie nicht unrein, da sie es kurz vorher wahrgenommen hat?

4Dieser erwiderte: Der Grund ist ja, weil ihr der Kopf und die Glieder schwer sind, und bei der Wahrnehmung hatte sie keinen schweren Kopf und keine schweren Glieder.

5Ein Greis fragte R. Joḥanan: Wie ist es, wenn ihre Periode in ihren Sehwangerschaftstagen fällig war und sie sich nicht untersucht hat? Dies ist mir fraglich nach demjenigen, welcher sagt, die [Untersuchung bei der] Periode sei eine Pflichtder Tora. Wie ist es nun: war eine Untersuchung erforderlich, da die [Untersuchung bei der] Periode eine Pflicht der Tora ist, oder war keine Untersuchung erforderlich, da dann die Blutung ausbleibt?

6Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: R. Meír sagt, wenn sie in einem Versteckewar, und als die Zeit ihrer Periode kam, sich nicht untersucht hat, so ist sie rein, weil die Angst die Blutung zurückhält. Nur wenn Angst vorliegt, wenn aber keine Angst vorliegt, und die Zeit ihrer Periode kommt und sie sich nicht untersucht, ist sie unrein.

7Die [Untersuchung bei der] Periode ist demnach eine Pflicht der Tora, dennoch gilt, wenn sie in Angst ist, die Blutung als ausgeblieben, und sie benötigt nicht der Untersuchung, ebenso gilt auch hierbei die Blutung als ausgeblieben, und sie benötigt nicht der Untersuchung.

8SÄUGENDE? BIS SIE ENTWÖHNT &C. Die Rabbanan lehrten: Ist der Säugenden ihr Kind innerhalb der vierundzwanzig Monategestorben, so gleicht sie jeder anderen Frau, und sie ist [rückwirkend] einen Stundentag oder von der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung unrein. Daherhat sie, wenn sie es vier oder fünf Jahre lang säugt, an ihrer Zeit genug — so R. Meír.

9R. Jehuda, R. Jose und R. Šimo͑n sagen, sie habe die ganzen vierundzwanzig Monate an ihrer Zeit genug. Daherist sie, wenn sie es vier oder fünf Jahre lang säugt, [rückwirkend] einen Stundentag oder von der [vorletzten] Untersuchung bis zur [letzten] Untersuchung unrein.

10Wenn du darüber nachdenkst, ergibt es sich, daß nach R. Meír das Blutgetrübt und in Milch verwandelt wird, und nach R. Jose, R. Jehuda und R. Šimo͑n ihreGlieder sich lockern und ihre Lebenskraft erst nach vierundzwanzig Monaten zurückkehrt. —

11Wozu ist das ‘daher’ R. Meírs nötig? — Wegen des ‘daher’ R. Joses. — Wozu ist das ‘daher’ R. Joses nötig? —

12Man könnte glauben, nach R. Jose erfolge beides, so lehrt er uns. Desgleichen wird auch gelehrt: Das Blut wird getrübt und in Milch verwandelt — so R. Meír. R. Jose sagt, ihre Glieder lockern sich und ihre Lebenskraft kehrt erst nach vierundzwanzig Monaten zurück. R. Elea͑j sagte: Was ist der Grund des R. Meír? Es heißt:wer macht rein von unrein, doch einer, —

13Und die Rabbanan!? R. Joḥanan erwiderte: Das ist der Same; er selber ist unrein, der daraus erschaffene Mensch aber ist rein.

14R. Elea͑zar erwiderte: Das ist das Besprengungswasser; der Besprengende und der Besprengte sind rein und der Berührende ist unrein. — Ist denn der Besprengende rein,

15es heißt ja:der das Besprengungswasser sprengt, wasche seine Kleider!? — Unter ‘der Besprengende’ ist der Berührende zu verstehen .—

16Es heißt ja sprengt und es heißt berührt!? Ferner muß ja der Besprengende [die Kleider] waschen und der Berührende braucht [die Kleider] nicht zu waschen!? — Vielmehr, unter ‘der Besprengende’ ist der Tragende zu verstehen. —

17Sollte es doch ‘der Tragende’ heißen!? — Er lehrt uns damit, daß er im Quantum des Besprengens getragen haben muß. — Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, zum Besprengen sei ein bestimmtes Quantum erforderlich, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, hierfür sei kein bestimmtes Quantum erforderlich!? —

18Auch nach demjenigen, welcher sagt, es sei kein bestimmtes Quantum erforderlich, gilt dies nur auf dem Rücken der Person, im Gefäße aber ist ein bestimmtes Quantum erforderlich, wie wir gelernt haben: Wieviel Wasser muß es sein, um zur Besprengung zu genügen? Daß man die Stengelspitzen eintauchen und besprengen kann.

19Das ist es, was Šelomo sagte:ich glaubte, ich habe die Weisheit, weit aber ist sie von mir.

20WELCHE HEISST ALTE? DER BEI ALTERSBEGINN DREI MENSTRUATIONSFRISTEN VERSTRICHEN SIND. Was heißt bei Altersbeginn? R. Jehuda erwiderte: Wenn ihre Gefährtinnen von ihr sagen, sie sei alt. R. Šimo͑n sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.