Pessachim — Blatt 103b

1und R. Jeba der Greis bewirtete sie; da rief er: Wohlan. wir wollen den Segen sprechen. Später sprachen jene: Wohlan, wir wollen trinken. Darauf sprach er zu ihnen: Folgendes sagte Rabh: sobald man sich zum Tischsegen vorbereitet hat, darf man nicht mehr trinken, weil man damit [die Mahlzeit] aufgegeben hat.

2Amemar, Mar Zuṭra und R. Aši saßen bei Tisch, und R. Aḥa, der Sohn Rabas, bewirtete sie. Amemar sprach den Segen über jeden einzelnen Becher, Mar Zuṭra sprach ihn über den ersten Becher und den letzten Becher, und R. Aši sprach ihn nur über den ersten Becher und nicht weiter.

3Da sprach R. Aḥa, der Sohn Rabas, zu ihnen: Nach wem sollen wir nun verfahren? Amemar erwiderte: Ich überlegte esmir. Mar Zuṭra erwiderte : Ich verfahre nach den SchülernRabhs.

4R. Aši erwiderte : Die Halakha ist nicht wie die Schüler Rabhs, denn Rabh sagte, wenn ein Fest am Ausgang des Šabbaths beginnt, spreche man : Wein, Weihsegen, Licht, Unterscheidungssegen. –

5Dies ist aber nichts; hierbei denkt man nicht mehr an das Trinken, da aberdenkt man noch an das Trinken.

6Als erzum Unterscheidungssegen herankam, kam sein Diener und steckte an der Leuchte eine Fackelan. Da sprach jener: Wozu dies alles, da steht ja eine Leuchte!? Dieser erwiderte: Der Diener tat dies eigenmächtig. Jener entgegnete: Hätte er es vom Meister nicht gehört, so würde er es nicht getan haben. Dieser erwiderte: Hält denn der Meister nichts davon, daß beim Unterscheidungssegen die Fackel zum Gebote das vorzüglichste sei!?

7Alsdann begann er und sprach: Der zwischen Heilig und Profan, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Jisraél und den weltlichen Völkern und zwischen dem siebenten Tage und den sechs Werktagen schied. Jener sprach: Wozu dies alles, R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs, ‘Der zwischen Heilig und Profan schied’ sei der Unterscheidungssegen R. Jehudas des Fürsten!?

8Dieser erwiderte: Ich halte von dem, was R. Elea͑zar im Namen R. Oša͑jas gesagt hat, daß man nämlich, wenn wenig, mindestens drei, und wenn viel, höchstens sieben [Formeln] spreche. Jener entgegnete:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.