Pessachim — Blatt 104a

1Der Meister hat ja weder drei noch sieben gesprochen!? Dieser erwiderte: Allerdings, [aber die Formel] ‘zwischen dem siebenten Tage und den sechs Werktagen’ ist nur aus der Schlußformel hinzugefügt worden. R. Jehuda sagte nämlich im Namen Šemuéls, wer den Unterscheidungssegen spricht, spreche als Schlußformel aus dem Ende, und die Pumbedithenser sagen, aus dem Anfang. –

2Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn ein Fest auf einen Šabbath folgt, sodaß man am Schlusse noch zu sagen hat: zwischen Heilig und Heilig.

3Nach demjenigen, der am Schlusse aus dem Anfang sagt, braucht man nicht zu sagen: ‘Du hast zwischen der Heiligkeit des Šabbaths und der Heiligkeit des Festes geschieden’, nach demjenigen aber, der am Schlusse aus dem Ende sagt, muß man sagen: ‘Du hast zwischen der Heiligkeit des Šabbaths und der Heiligkeit des Festes geschieden’.

4Der Text. R. Elea͑zar sagte im Namen R. Oša͑jas: Man spreche, wenn wenig, mindestens drei, und wenn viel, nicht mehr als sieben [Formeln].

5Man wandte ein: Man spreche die Unterscheidungsformeln am Ausgang der Šabbathe, der Feste, des Versöhnungstages, am Ausgang des Šabbaths zum Feste und am Ausgang des Festes zu den Halbfesten, nicht aber am Ausgang des Festes zum Šabbath; wer kundig ist, spreche viele [Formeln], wer unkundig ist, spreche eine!? –

6Hierüber streiten Tannaím, denn R. Joḥanan sagte, der Sohn der Heiligen pflegte eine zu sprechen, das Volk pflegt jedoch drei zu sprechen. – Wer ist der Sohn der Heiligen? – R. Menaḥem b.Simaj. – Weshalb heißt er Sohn der Heiligen? — Weil er nie die Figur auf einem Zuzbetrachtet hat. R. Šemuél b. Idi ließ ihm sagen: Mein Bruder Ḥananja pflegt eine zu sprechen. Die Halakha ist aber nicht wie er.

7R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Die Unterscheidungsformeln, die man spricht, müssen solche sein, wie sie auch in der Toravorkommen. Man wandte ein: Wie ist die Reihenfolge der Unterscheidungsformeln? Man spreche: Der zwischen Heilig und Profan, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Jisraél und den weltlichen Völkern, zwischen dem siebenten Tage und den sechs Werktagen, zwischen Unrein und Rein, zwischen Meer und Festland, zwischen den oberen Gewässern und den unteren Gewässern und zwischen den Priestern und den Leviten und Jisraéliten schied.

8Man schließe: der das Schöpfungswerk ordnete. Manche sagen: der das Schöpfungswerk bildete. R. Jose b. R. Jehuda sagt, man schließe: der Jisraél geheiligt hat. Wieso stimmt dies denn, bei Meer und Festland kommt ja [in der Tora das Wort] ‘scheiden’ nicht vor!? – Streiche hieraus [die Formel] ‘zwischen Meer und Festland’. –

9Demnach fehlt ja eine [Formel], da [die Formel] ‘zwischen dem siebenten Tage und den sechs Werktagen’ dem Schlusseentnommen ist; somit sind es ja keine sieben!? –

10Ich will dir sagen, die Formel ‘zwischen den Priestern und den Leviten und Jisraéliten’ gilt als zwei. Zwischen Leviten und Jisraéliten, denn es heißt:an diesem Tage schied der Herr den Stamm Levi aus; zwischen Priestern und Leviten, denn es heißt:die Söhne A͑rams, waren Ahron und Moše; Ahron wurde ausgeschieden, ihn als hochheilig zu heiligen. –

11Wie schließt man? – Rabh sagt: der Jisraél geheiligt hat; Šemuél sagt: der zwischen Heilig und Profan schied. Abajje, nach anderen R. Joseph, fluchte über die Ansicht Rabhs.

12Im Namen des R. Jehošua͑ b.Ḥananja wird gelehrt: Wer zum Schlusse sagt: der Jisraél geheiligt hat, und: der zwischen Heilig und Profan schied, dem verlängert man Tage und Jahre.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.