Pessachim — Blatt 105a
1Dies ist ja ein Einwand gegen U͑la!? – U͑la kann dir erwidern: Dieser gleicht den Segenssprüchen über die Gebote. Bei Segenssprüchen über die Gebote wohl deshalb, weil sie nur Danksprüche sind, und auch dieser ist nur ein Dankspruch.
2Einst saßenR. Ḥananja b. Šelemja und die Schüler Rabhs bei Tisch, und R. Hamnuna der Greis bewirtete sie. Da sprachen sie zu ihm: Geh, sieh, ob die Heiligkeit des Tages begonnen hat; wir unterbrechen dann [die Mahlzeit] und bestimmen sie für den Šabbath. Dieser erwiderte: Ihr habt dies nicht nötig, denn der Šabbath selber bestimmt sie;
3Rabh sagte nämlich, wie der Šabbath für den Zehnten bestimmendist, so sei er auch bestimmend für den Weihsegen.
4Sie glaubten hieraus zu entnehmen, daß er ebenso für den Unterscheidungssegenbestimmend sei, wie er für den Weihsegen bestimmend ist, da sprach R. A͑mram zu ihnen: So sagte Rabh: er ist nur für den Weihsegen bestimmend, nicht aber ist er es für den Unterscheidungssegen.
5Dies jedoch nur insofern, als man [die Mahlzeit] nicht zu unterbrechenbraucht, anfangen darf man sie aber nicht; und auch vom Unterbrechen gilt dies nur beim Essen, nicht aber beim Trinken ;
6auch gilt diesbeim Trinken nur von Wein und Met, beim Wasser ist nichts dabei.
7Er streitet somit gegen R. Hona. R. Hona bemerkte nämlich, wie jemand vor dem Unterscheidungssegen Wasser trank, und sprach zu ihm : Fürchtet sich der Meister nicht vor der Bräune? Im Namen R. A͑qibas wird nämlich gelehrt: Wer etwas vor dem Unterscheidungssegen kostet, dessen Tod erfolgt durch Bräune. Die Jünger in der Schule R. Ašis nahmen es mit dem [Trinken von] Wasser nicht genau.
8Rabina fragte R. Naḥman b. Jiçḥaq: Darf jemand, der am Vorabend des Šabbaths den Weihsegen nicht gesprochen hat, ihn während des ganzen Tages sprechen? Dieser erwiderte: Die Söhne R. Ḥijas sagten, daß, wenn jemand am Ausgang des Šabbaths den Unterscheidungssegen nicht gesprochen hat, er ihn während der ganzen Woche spreche, ebenso darf hierbei, wer am Vorabend des Šabbaths den Weihsegen nicht gesprochen hat, ihn während des ganzen Tages sprechen.
9Er wandte gegen ihn ein: Am Vorabend des Šabbaths und des Festes ist ein Weihsegen über einen Becher [Wein] zu sprechen und dann desselben im Tischsegen zu erwähnen; am Šabbath und am Feste selbst ist kein Weihsegen über einen Becher zu sprechen, wohl aber desselben im Tischsegen zu erwähnen.
10Wenn du nun sagst, wer den Weihsegen am Vorabend des Šabbaths nicht gesprochen hat, spreche ihn während des ganzen Tages, so kann es ja vorkommen, daß auch am Šabbath und am Feste selbst der Weihsegen über einen Becher zu sprechen sei, denn wenn man den Weihsegen abends nicht gesprochen hat, spricht man ihn ja am folgenden Tage!? Dieser erwiderte: Von Eventualitäten lehrt er nicht.
11Er wandte gegen ihn ein: Von der Ehrungdes Tages und der Ehrung des Abends geht die Ehrung des Tages vor; hat man aber nur einen Becher [Wein],
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.