Pessachim — Blatt 113a

1nur in Seitengäßchen; wenn ihre Pferde fortlaufenund sie sie holen gehen.

2Rabh sprach zu R. Asi : Wohne nicht in einer Stadt, in der kein Pferd wiehert und kein Hund bellt. Wohne nicht in einer Stadt, deren Vorsteher ein Arzt ist. Heirate keine zwei [Frauen], und hast du zwei geheiratet, so heirate auch eine dritte.

3Rabh sprach zu R. Kahana: Drehe ein Aas um, aber drehe deine Worte nicht um. Schinde ein Aas auf der Straße und lasse dir Lohn zahlen, und sage nicht: Ich bin Priester, ich bin ein vornehmer Mann, dies paßt nicht für mich. Steigst du aufs Dach, so nimm Proviantmit. Sind auch hundert Kürbisse um einen Zuz in der Stadt zu haben, so trage sie dennoch unter deinem Fittich.

4Rabh sprach zu seinem Sohne Ḥija : Trinke keine Medikamente. Springe nicht über Flüsse. Lasse dir keinen Zahn ziehen. Reize keine Schlange und keinen Aramäer.

5Die Rabbanan lehrten: Drei darf man nicht reizen, und zwar: ein nicht jüdisches Kind, eine kleine Schlange und einen jungen Schüler, weil sie ihre Macht hinter ihren Ohren haben.

6Rabh sprach zu seinem Sohne Ajbu: Ich habe mich bemüht, dir halakhische Lehren beizubringen, und es gelang mir nicht; ich will dich nun weltliche Dinge lehren: Ist der Staub noch an deinen Füßen, verkaufe deine Ware. Den Verkauf jeder Ware kannst dubereuen, nur nicht den Verkauf von Wein,

7Öffne zuerst den Geldbeutel, nachher erst löseden Getreidesack. Lieber einen Kab vom Erdbodenals ein Kor vom Dache.

8Hast du Datteln in der Kiste, so laufe zum Brauer. – Bis wieviel? Raba erwiderte: Bis drei Seá. R. Papa sagte: Hätte ich keinen Met gebraut, so würde ich nicht reich geworden sein. Manche lesen: R. Ḥisda sagte: Hätte ich keinen Met gebraut, so würde ich nicht reich geworden sein. – Was heißt Sodana [Brauer]? R. Ḥisda erwiderte: Guter Rat [sod naé] und Liebeswerk.

9R. Papa sagte: Jede [Schuld] ist bei ‘durch’noch einzufordern, bei ‘ich versichere’ist es überhaupt zweifelhaft, ob sie eingeht oder nicht; geht sie ein, so sind es schlechte Münzen.

10Drei Dinge sagte R. Joḥanan im Namen der Leute von Jerušalem; Ziehst du in den Krieg, so gehe nicht zuerst, sondern zuletzt, damit du zuerstheimkehrst. Mache deinen Šabbath alltäglich, nur nicht der Mitmenschen bedürftig sein. Schlage dich zu dem, dem die Stunde lächelt.

11Drei Dinge sagte R. Jehošua͑ b. Levi im Namen der Leute von Jerušalem: Halte dich nicht viel auf Dächernauf, wegen jenerGeschichte, Ist deine Tochter mannbar, so befreie deinen Sklaven und gib sie ihm. Sei vorsichtig mit dem ersten Verlobten deiner Frau. – Weshalb? R. Ḥisda erklärte: Wegen Unzucht. R. Kahana erklärte: Wegen des Geldes. Und beides trifft zu.

12R. Joḥanan sagte: Drei gehören zu den Erben der zukünftigen Welt, und zwar: wer im Jisraélland wohnt, wer seine Kinder zum Studium der Tora erzieht, und wer an den Šabbathausgängen den Unterscheidungssegen über Wein spricht. – Wie ist dies zu verstehen? – Wer vom Weihsegen für den Unterscheidungssegen zurückläßt.

13R. Joḥanan sagte: Drei sind es, [deren Tugendhaftigkeit] der Heilige, gepriesen sei er, jeden Tag, verkündet: ein Junggeselle, der in einer Großstadt wohnt und nicht sündigt, ein Armer, der einen Fund an den Eigentümer abliefert, und ein Reicher, der den Zehnten seiner Früchte heimlich entrichtet. R. Saphra war Junggeselle und wohnte in einer Großstadt.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.